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Gewitter, Regen, Sturmböen: Abkühlung folgt auf frühe Hundstage voller Rekorde

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 29, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Gewitter, Regen, SturmböenAbkühlung folgt auf frühe Hundstage voller Rekorde

Leipzig startet regnerisch in die Woche, wie auf dieser Kreuzung beim Johannisplatz. (Foto: picture alliance/dpa)

Die Nacht verbrachten wohl viele noch in aufgeheizten Wohnungen. Nun kühlt sich Deutschland deutlich herunter. Je nach Region werden Schauer und Unwetter erwartet.

Nach einem glühend heißen Wochenende und einem vorläufigen Temperaturrekord in Deutschland von 41,7 Grad im Osten Brandenburgs ist Abkühlung in Sicht – allerdings begleitet von teils schweren Gewittern mit Starkregen und Sturmböen.

In der Nacht drohten laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) vor allem im Süden und Osten Deutschlands örtlich Gewitter mit Unwetterpotenzial, inklusive Hagel und heftigen Starkregens mit bis zu 40 Litern pro Quadratmeter. In der zweiten Nachthälfte sollten auch der Westen und Südwesten teils schwere Gewitter abbekommen, ebenfalls mit teils viel Regen und Sturmböen.

Für heute sind dann niedrigere Temperaturen angesagt, bei Höchstwerten zwischen 25 und 29 Grad, lokal im Osten und Südosten bis 32 Grad. Dazu werden weiterhin im Westen, Süden und Osten Schauer und teils Gewitter mit erhöhter Unwettergefahr erwartet. Vom Niederrhein bis nach Schleswig-Holstein soll es bewölkt bleiben, vereinzelt sind auch dort Schauer möglich.

Mehrere Höchstmarken

Der vorläufige Temperaturrekord von 41,7 Grad wurde am Sonntagnachmittag in Neißemünde im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree direkt an der Grenze zu Polen gemessen – es war die dritte Höchstmarke im Bundesgebiet binnen weniger Tage. Erst am Freitag hatte der Wetterdienst in Saarbrücken-Burbach nach vorläufigen Angaben 41,3 Grad gemessen, und am Samstag dann an derselben Station 41,4 Grad. Den nächsten vorläufigen Rekord registrierte der DWD dann ebenfalls am Samstagnachmittag mit 41,5 Grad in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt.

Die folgende Nacht war dann nach vorläufigen DWD-Angaben die wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Im ostsächsischen Kubschütz sank die Nachttemperatur nicht unter 29,4 Grad: Damit wurde der alte Rekord für die wärmste Nacht – 27,2 Grad am 13. August 2003 am Berg Weinbiet in Rheinland-Pfalz – um mehr als zwei Grad übertroffen. Der vorherige Hitzerekord für Deutschland hatte sieben Jahre gehalten und bei 41,2 Grad Celsius gelegen, gemessen am 25. Juli 2019 in Tönisvorst und Duisburg-Baerl in Nordrhein-Westfalen.

Juni warm und niederschlagsarm

Nach Angaben des DWD ist der Juni 2026 deutlich wärmer gewesen als andere Juni-Monate. Er dürfte „bei der Monatsmitteltemperatur unter den Top 3 der wärmsten seit Messbeginn landen“, teilte eine Pressesprecherin mit. Die genaue Auswertung will der DWD am Montagmittag veröffentlichen.

Der Juni sei zudem vergleichsweise niederschlagsarm gewesen, hieß es. Außerdem habe es vergleichsweise viele Sonnenstunden gegeben.

Viele zusätzliche Hitzetote

Die aktuelle Hitzewelle wäre in diesem Ausmaß ohne den Effekt des Klimawandels nahezu ausgeschlossen. Die Tagestemperaturen und auch die in der Nacht wären zu dieser Jahreszeit vor 50 Jahren in West- und Mitteleuropa „praktisch unmöglich“ gewesen, betonen die Wissenschaftler der Organisation World Weather Attribution.

Nach Einschätzung des Chefs der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die beispiellose Hitzewelle mit Rekordtemperaturen in Europa mitverantwortlich für Hunderte zusätzliche Todesfälle. „Seit dem 21. Juni wurden in Europa mehr als 1.300 zusätzliche Todesfälle verzeichnet, die im Zusammenhang mit den hohen Temperaturen stehen“, schrieb Tedros Adhanom Ghebreyesus auf der Plattform X. „Europa ist der sich am schnellsten erwärmende Kontinent der Erde – die Erwärmung verläuft doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt.“

Laut Tedros leiden derzeit 150 Millionen Menschen unter extremer Hitze, Schulen seien geschlossen, die Stromnetze würden zusammenbrechen. Hitzestress werde oft als „stiller Killer“ bezeichnet – und europäische Wohnungen, Arbeitsplätze und Schulen seien für solche Temperaturen nicht ausgelegt, schrieb Tedros.

Deutschland hat sich im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bereits um 2,5 Grad erwärmt – das ist mehr als der weltweite Durchschnitt. Die Erwärmung führt laut DWD unter anderem zu häufigeren Hitzewellen und Dürrephasen, was Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung gefährdet und die Waldbrandgefahr steigen lässt. In Deutschland gab es in den vergangenen Jahren viele Tausend Hitzetote – auch wegen der vergleichsweise alten Bevölkerung. Schäden durch stärkere Unwetter mit heftigen Stürmen, Starkregen und Überschwemmungen kommen hinzu.

Wegen der Hitze hatten die Deutsche Bahn und weitere Eisenbahnunternehmen am Wochenende von nicht notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr abgeraten. Und tatsächlich gab es Probleme: So strandeten am Samstagabend mehr als 600 Passagiere ohne Klimaanlage in einem Zug in der Prignitz in Brandenburg. Drei Menschen kamen mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus. Der Grund: Ein Baum war bei einem Sturm auf eine Oberleitung gefallen.

Auch der Straßenverkehr litt unter Hitzeschäden. Nach einer Liste des ADAC waren am Wochenende etliche Autobahnen in vielen Bundesländern von Sperrungen und Geschwindigkeitsbegrenzungen betroffen. Vielerorts wölbte sich die Fahrbahn bei Hitze auf, weil sich der Beton ausdehnte.

Quelle: ntv.de, mpe/dpa

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