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Politik

Privatbanken: Was folgt aus dem Fall Berenberg?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 29, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 29.06.2026 • 08:56 Uhr

Die Finanzaufsicht BaFin hat die gesamte Geschäftsführung der Privatbank Berenberg entmachtet – ein fast einzigartiger Vorgang. Was über den Fall bekannt ist.

Sebastian Schreiber

Die Privatbank Berenberg hat eine lange Tradition. Sie ist eine der ältesten in Deutschland, gegründet im Jahr 1590. Kunden empfängt das Hamburger Bankhaus gerne in einem exklusiven Ambiente in einer Villa an der Alster. Das sei auch ihr Kerngeschäft, sagt der Banken-Professor Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim: „Man ist eine Privatbank für wohlhabende Kunden.“

Finanzaufseher greifen ungewöhnlich hart durch

In der Branche habe die Bank insgesamt kein allzu großes Gewicht, so Burghof. Zuletzt lag die Bilanzsumme bei etwa 6,5 Milliarden Euro. Dennoch sorgt Berenberg gerade für Aufsehen in der Finanzwelt. Eine Woche ist es her, dass die Bankenaufsicht BaFin die komplette Geschäftsleitung der Bank entmachtet hat. Es geht um die persönlich haftenden Gesellschafter Hendrik Riehmer, David Mortlock und Christian Kühn.

Die BaFin selbst hat diesen Schritt öffentlich nicht näher begründet. Die Berenberg Bank teilte dagegen mit, es habe während der Jahresabschlussprüfung für 2025 Hinweise auf mögliche Corporate-Governance-Verstöße gegeben: „Dies betraf insbesondere bestimmte Markttransaktionen mit unklarem Hintergrund, bei deren Aufklärung die nötige Transparenz fehlte“, so die Bank. Bei Corporate Governance handelt es sich im Allgemeinen um Grundsätze der guten Unternehmensführung. Details nannte die Bank aber nicht.

Ehemaliger Gesellschafter kehrt zurück

Michael Peters, Experte für Finanzstabilität von der Bürgerbewegung Finanzwende, hält es für ziemlich ungewöhnlich, dass die Aufseher gleich die gesamte Geschäftsleitung absetzen: „Das zeigt, dass sie sich in diesem Fall sehr sicher waren. In der Vergangenheit war die BaFin eher ein Papiertiger. Und hier scheint sie mal wirklich ihre Krallen zu zeigen.“

Die Geschicke bei Berenberg haben nun zwei Sonderbeauftrage übernommen. Einer von ihnen kennt das Haus aus eigener Erfahrung bestens. Hans-Walter Peters war selbst jahrelang Gesellschafter bei Berenberg. Nun kehrt er als von der Finanzaufsicht bestellter Interimschef zurück.

Eigenhandel der Bank wirft Berichten zufolge Fragen auf

Medienberichten zufolge gibt es schon seit Monaten Streit über den Jahresabschluss der Berenberg Bank. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung geht es unter anderem um den Eigenhandel der Bank. Das sind Geschäfte, die die Bank im eigenen Namen und nicht im Auftrag der Kunden tätigt. Die FAZ berichtet, der Abschlussprüfer, das Unternehmen Deloitte, habe merkwürdige Buchungen moniert. Möglicherweise geht es um das in der Jahresbilanz ausgewiesene Eigenkapital der Bank.

Für die BaFin sei das ein besonders kritischer Bereich, erläutert Bankenprofessor Hans-Peter Burghof: „Die Regulierung der Banken geht vor allem darüber, dass man verlangt, dass sie relativ zu ihrem Risiko ein angemessenes Eigenkapital, einen ausreichenden Puffer haben.“ Wird das Eigenkapital einer Bank nicht richtig ausgewiesen, funktioniere auch die Regulierung nicht mehr, so Burghof: „Dann würde die Bankenaufsicht sehr schnell eingreifen.“

Anderer Fall in Nordrhein-Westfalen

Ob es im Fall Berenberg wirklich so geschehen ist, muss noch geklärt werden. Auffällig bleibt jedoch, dass die Bankenaufsicht mit der Entmachtung der Geschäftsleitung eines ihrer schärfsten Schwerter eingesetzt hat.

Ähnlich geschah das zuletzt vor knapp anderthalb Jahren, als die BaFin zeitweise zwei Sonderbeauftragte an der Spitze der Volksbank Düsseldorf Neuss eingesetzt hatte. Die Hintergründe jedoch waren andere. Die Bank aus Nordrhein-Westfalen war in Folge eines Betrugsfalls in wirtschaftliche Schieflage geraten.

Zu viel Macht Einzelner?

Michael Peters von der Bürgerbewegung Finanzwende geht davon aus, dass das entschlossene Einschreiten der BaFin auch von anderen Banken wahrgenommen wird. Ein systemisches Problem dagegen sieht er nicht: „Ich würde sagen, dass es eher bei Einzelpersonen liegt, die in einer bestimmten Bank viel Einfluss haben und sich dann auch mit schrägen Geschäftsideen durchsetzen.“

Auch die wirtschaftliche Lage bei kleineren Regional- oder Privatbanken beschreiben Fachleute derzeit als insgesamt stabil. Im Fall Berenberg also wird es nun darum gehen, die genauen Hintergründe zu klären, Fragezeichen rund um den Geschäftsabschluss auszuräumen und Vertrauen wiederherzustellen.

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