Sie sollen ihre Partnerinnen betäubt, sexuell missbraucht und sich darüber in Online-Netzwerken ausgetauscht haben. Jetzt gingen Ermittler in neun Ländern gegen die Männer vor und identifizierten zahlreiche Täter und Opfer.
Internationale Ermittler sind nach einem Bericht von Europol erstmals gezielt gegen Online-Netzwerke von Männern vorgegangen, die ihre Partnerinnen betäuben und dann sexuell missbrauchen. Aufnahmen von den Gewalttaten würden sie dann ins Netz stellen.
Der Einsatz im Juni führte nach Angaben von Europol zu 274 neuen Spuren. Dabei gehe es um Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, gefährliche Körperverletzung bis hin zum Vorwurf des versuchten Mordes.
156 mutmaßliche Opfer und Täter seien identifiziert worden, teilte Europol in Den Haag mit. Einzelheiten über Täter oder Opfer, wie etwa Heimatländer, nannte Europol nicht, um weitere Ermittlungen nicht zu gefährden.
Insgesamt waren neun Länder am Einsatz beteiligt. Deutsche und britische Behörden hatten die Leitung. Die europäische Polizeibehörde koordinierte den Einsatz. An dem „Projekt Medusa“ waren maßgeblich das Bundeskriminalamt und das Hamburger Landeskriminalamt beteiligt.
Männer tauschen Videos und Tipps aus
Täter sind nach Angaben von Europol vorwiegend Männer, die ihre Opfer erst betäuben und sie dann sexuell missbrauchen. Der Missbrauch findet nach Angaben des BKA oft im engen sozialen Umfeld statt und ziehe sich lange hin, manchmal über Jahre, teilte das BKA mit.
Die Videos würden insbesondere auf Pornoplattformen und in frauenfeindlichen Chatgruppen geteilt. Dort tauschten die Täter auch ihre Erfahrungen aus sowie Tipps, so Europol. Sie informierten auch über die Wirksamkeit der Drogen oder Betäubungsmittel sowie wo und wie man sich diese beschaffen kann.
Im Zuge der jüngsten Operation konnten vier solcher Netzwerke identifiziert und zerschlagen werden.
Verbrechen kein Einzelfall
Diese Verbrechen erinnern an den Fall der Französin Gisèle Pelicot. Sie war von ihrem damaligen Ehemann Dominique über knapp zehn Jahre immer wieder betäubt, missbraucht und Dutzenden Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden.
Das BKA weist darauf hin, dass die Betäubung mit Medikamenten oft gemischt mit Alkohol für die Frauen lebensbedrohlich sein könne. Vielen Opfern sei der sexuelle Übergriff nicht bewusst, teilt das BKA mit. „Denn die zugeführten Betäubungs- und Schmerzmittel verhindern, dass sich die Opfer an die Tat erinnern können oder unmittelbar körperliche Folgen der Vergewaltigung spüren.“
Das „Projekt Medusa“ war im April gestartet worden mit dem Ziel, die Online-Netzwerke hinter dieser Art von Missbrauch zu zerschlagen. Seit April wurden Europol zufolge in den beteiligten Ländern 57 Männer festgenommen und 158 Opfer in Sicherheit gebracht. Im Juni hatte die niederländische Polizei nach Hinweisen ihrer britischen und deutschen Kollegen vier mutmaßliche Täter festgenommen.
Mit Informationen von Andreas Meyer-Feist, ARD Brüssel
