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Schritt zu synthetischem Leben?: Erstmals künstliche, sich teilende Zelle im Labor erzeugt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 2, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Schritt zu synthetischem Leben?Erstmals künstliche, sich teilende Zelle im Labor erzeugt

Auf Mikroskopaufnahmen basierende Darstellung der im Labor erstellten SpudCells. (Foto: Orion Venero/Adamala Lab)

Die Erschaffung künstlichen Lebens rückt womöglich einen Schritt näher: Einem Team aus den USA ist es nach eigenen Angaben gelungen, eine Zelle aus unbelebten Chemikalien zu bauen. Einige Wissenschaftler sehen darin einen echten Fortschritt, es gibt aber auch kritische Stimmen.

Einem Forschungsteam ist es nach eigenen Angaben gelungen, erstmals eine Zelle zu erzeugen, die sich ernährt, wächst und sich repliziert wie eine natürliche Zelle. Sie nennen ihre Kreation SpudCell, in Anlehnung an den sowjetischen Satelliten „Sputnik“, der das Raumfahrtzeitalter einläutete. Die künstliche Zelle könnte nach Ansicht der Forschenden die Lösung für einige der größten Herausforderungen in Medizin und Technik liefern.

Die künstliche Zelle wurde vollständig aus unbelebten chemischen Substanzen erschaffen, darunter auch eine künstliche DNA. Dennoch behaupten die Forschenden nicht, künstliches Leben erschaffen zu haben. SpudCell sei noch weit von den Fähigkeiten natürlicher Zellen entfernt und könne „ohne Hilfe von außen nicht überleben“, heißt es auf der Webseite des von den Forschenden gegründeten Unternehmens Biotic.

„Das ist wahrscheinlich das spannendste Projekt, an dem ich je gearbeitet habe“, sagte die leitende Forscherin Kate Adamala laut einer Mitteilung der University of Minnesota. „Wir haben in der Chemie nachgebildet, was bisher nur in der Biologie möglich war: das gesamte Verhaltensspektrum einer Zelle.“

Nach wenigen Generationen ist Schluss

Die SpudCells sind noch komplett auf die Nährstofflösung angewiesen, in der sie schwimmen. Sie können zudem nicht eigenständig Proteine bauen, ihren Stoffwechsel steuern oder Abfallstoffe abbauen. Zudem geben sie bei der Teilung oft die falsche Menge an DNA weiter, was dazu führt, dass sie nach wenigen Generationen aussterben. Das Team hat die Studie als Preprint veröffentlicht, sie ist damit noch nicht von unabhängigen Fachkollegen begutachtet worden.

Nicht an der Studie beteiligte Forscher sehen in der SpudCell einen wichtigen Fortschritt: Es handle sich zwar nicht um die Erschaffung künstlichen Lebens im Labor, sagte Yuval Elani vom Imperial College London, gegenüber CNN. Es sei aber ein echter Meilenstein auf dem Weg dorthin. „Eine Zelle von Grund auf neu zu erschaffen bedeutet, dass man nicht mehr an die Einschränkungen und den evolutionären Ballast der natürlichen Biologie gebunden ist.“

Tatsächlicher Nutzen angezweifelt

Kritisch kommentierte die Studie hingegen John Dupré, Philosoph und Gründer des Zentrums für Lebenswissenschaften an der Universität Exeter. Gegenüber dem „Guardian“ stellte er den Sinn solcher synthetischen Zellen infrage, da er nicht glaube, dass diese bei der Herstellung von Medikamenten, Lebensmitteln, Kraftstoffen und Materialien effektiver seien als modifizierte Bakterienzellen.

Adamala und ihr Team haben angekündigt, ihr Preprint als Nächstes bei einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift zur Begutachtung einzureichen. „Diese Arbeit ist erst der Anfang“, so Adamala. „Wir konnten zeigen, dass es möglich ist, die Grundfunktionen der Zelle technisch zu gestalten.“ Um das Potenzial dieser Technologie voll auszuschöpfen und sie robust und praxistauglich zu machen, seien jedoch gemeinsame internationale Anstrengungen nötig.

Quelle: ntv.de, kst

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