Stephen Miller, ein tatsächlicher Trump-Berater, sprach im Zusammenhang mit dem Urteil über strengere Maßnahmen gegen sogenannten „birth tourism“. Eine Forderung nach Sterilisation wird ihm in der vorliegenden Quellenlage jedoch nicht zugeschrieben.
Es handelt sich also um eine reale extremistische Forderung aus dem MAGA-nahen Umfeld, nicht um eine offiziell verkündete Maßnahme der US-Regierung.
Was wurde gesagt?
Nach einem Supreme-Court-Urteil zum Geburtsortsprinzip in den USA veröffentlichte Sean Davis laut Berichten mehrere drastische Vorschläge. Einer davon lautete:
„sterilization of all foreign visitors prior to entry“
Also: die Sterilisierung aller ausländischen Besucher vor der Einreise.
Das ist eine reale, extreme und menschenfeindliche Forderung. Sie ist aber keine offiziell verkündete Maßnahme der Trump-Regierung.
Davis soll in derselben Reaktion weitere drastische Maßnahmen genannt haben. Dazu zählen laut Berichten Einreiseverbote für schwangere Ausländerinnen oder sogar für weibliche Ausländerinnen insgesamt. Außerdem soll er vorgeschlagen haben, Behörden könnten aufhören, Geburtsurkunden für Kinder auszustellen, die er als Kinder von „Nichtbürgern“ einordnet.
Auch das zeigt: Es ging nicht um eine einzelne missverständliche Formulierung, sondern um eine Reihe radikaler Vorschläge nach dem Urteil.
Was hat Trump damit zu tun?
Der Hintergrund ist Trumps Versuch, das Geburtsortsprinzip in den USA einzuschränken. Dieses Prinzip bedeutet vereinfacht: Wer in den USA geboren wird, erhält grundsätzlich die US-Staatsbürgerschaft. Grundlage dafür ist der 14. Verfassungszusatz.
Der Supreme Court wies Trumps Vorstoß zurück. Danach reagierten mehrere rechte und MAGA-nahe Stimmen empört. In diesem Umfeld fiel auch die Sterilisierungsforderung von Sean Davis.
Genau hier liegt die wichtige Einordnung: Davis ist eine prominente rechte Medienfigur im MAGA-nahen Umfeld. Er ist aber kein Regierungsmitglied und kein offizieller Sprecher der Trump-Regierung.
Was hat Stephen Miller gesagt?
Stephen Miller, stellvertretender Stabschef im Weißen Haus und Berater Trumps, sprach nach dem Urteil über strengere Maßnahmen gegen sogenannten „birth tourism“. Gemeint ist die gezielte Einreise in die USA, um dort ein Kind zur Welt zu bringen, das durch Geburt die US-Staatsbürgerschaft erhält.
In einem Fox-News-Interview fragte Jesse Watters Miller ausdrücklich, ob die USA schwangere Ausländerinnen von der Einreise ausschließen könnten. Miller wies diese Frage nicht klar zurück. Stattdessen sagte er, man müsse sehr sorgfältig darüber nachdenken, wen man überhaupt ins Land lasse, auch nur vorübergehend.
Das belegt eine deutlich verschärfte Rhetorik gegenüber schwangeren Besucherinnen im Zusammenhang mit „birth tourism“. Eine Forderung nach Sterilisation wird Miller aber nicht zugeschrieben.
Ist das Regierungspolitik?
Nein. Nach der vorliegenden Quellenlage gibt es keine offiziell verkündete Politik zur Sterilisation ausländischer Besucher.
Was die US-Regierung tatsächlich angekündigt hat: Das Justizministerium will stärker gegen mutmaßliche „birth tourism“-Programme vorgehen. Reuters berichtete, dass Bundesstaatsanwälte Ermittlungen zu solchen Fällen priorisieren sollen. Genannt werden mögliche Straftatbestände wie Visabetrug, Geldwäsche, Identitätsdiebstahl und Überweisungsbetrug.
Das ist die bisher greifbare Regierungslinie: strafrechtliche Verfolgung mutmaßlicher Betrugsmodelle und mögliche Verschärfungen bei der Einreise. Eine Sterilisierungspolitik ist das nicht.
Wie groß ist das Problem „birth tourism“?
Das Migration Policy Institute ordnet „birth tourism“ als seltenes, aber politisch stark aufgeladenes Phänomen ein. Belastbare offizielle Gesamtzahlen gibt es nicht.
Die größte, zugleich umstrittene Schätzung geht von bis zu 26.000 Geburten pro Jahr aus, die auf „birth tourism“ zurückgehen könnten. Das wäre nur ein kleiner Teil der jährlich mehr als 3,5 Millionen Geburten in den USA.
MPI verweist außerdem auf CDC-Daten: 2024 wurden demnach fast 9.600 Babys in den USA und US-Territorien von Müttern geboren, deren offizielle Adresse außerhalb der USA oder ihrer Territorien lag. Auch diese Zahl ist nur eine Annäherung.
Warum ist die Behauptung trotzdem irreführend?
Weil aus einer realen extremen Forderung schnell eine falsche Zuschreibung wird.

Richtig ist: Eine MAGA-nahe Medienfigur hat die Sterilisation ausländischer Besucher vorgeschlagen.
Nicht richtig ist: Trump selbst oder seine Regierung hätten eine solche Maßnahme angekündigt.
Die Empörung über die Aussage ist nachvollziehbar. Forderungen nach Sterilisation von Menschen sind historisch schwer belastet und erinnern an eugenische Gewaltpolitik, auch im Nationalsozialismus. Für die Faktenprüfung bleibt aber entscheidend: Die Empörung darf die Zuschreibung nicht ersetzen.
Bewertung
Größtenteils richtig, aber ungenau zugeschrieben.
Die Sterilisierungsforderung ist real und wurde Sean Davis zugeschrieben. Sie stammt aus dem MAGA-nahen Umfeld, aber nicht offiziell aus der Trump-Regierung.
Falsch oder irreführend wäre es, daraus eine bereits beschlossene Trump-Regierungspolitik zu machen oder die Sterilisierungsforderung Donald Trump oder Stephen Miller zuzuschreiben.
FAQ zum Thema Trump, Geburtsrecht und Sterilisierungsforderung
Hat ein Trump-Verbündeter gefordert, Ausländer sterilisieren zu lassen?
So pauschal ist das ungenau. Die Forderung wird Sean Davis zugeschrieben, dem CEO und Mitgründer von The Federalist. Er ist eine prominente rechte Medienfigur im MAGA-nahen Umfeld, aber kein offizieller Regierungsvertreter.
Hat Stephen Miller Sterilisation ausländischer Besucher gefordert?
Dafür gibt es in der vorliegenden Quellenlage keinen Beleg. Miller wird mit strengeren Prüfungen und möglichen Maßnahmen gegen „birth tourism“ in Verbindung gebracht, nicht mit der Sterilisierungsforderung.
Ist die Forderung nach Sterilisation echt?
Ja, sie wird in Berichten ausdrücklich erwähnt und Sean Davis zugeschrieben. Entscheidend ist aber die Einordnung: Die Aussage stammt nicht offiziell aus der US-Regierung.
Ist das bereits Politik der Trump-Regierung?
Nein. Aus der vorliegenden Quellenlage ergibt sich keine offiziell beschlossene oder angekündigte Regierungsmaßnahme zur Sterilisierung ausländischer Besucher. Es geht um eine extreme Forderung aus dem MAGA-nahen Umfeld.
Gibt es „birth tourism“ in den USA wirklich?
Ja, aber die Größenordnung ist unklar und nach verfügbaren Daten eher klein. Das Migration Policy Institute verweist darauf, dass es keine offiziellen Gesamtzahlen gibt. Selbst die größte umstrittene Schätzung liegt bei bis zu 26.000 Geburten jährlich, bei mehr als 3,5 Millionen Geburten insgesamt.
Warum verbreitet sich diese Aussage so schnell?
Weil sie einen realen empörenden Kern hat, aber verkürzt weitergegeben wird. Der Fehler liegt nicht darin, dass die Sterilisierungsforderung erwähnt wird, sondern darin, sie ungenau als Aussage eines „Trump-Verbündeten“ oder als Regierungspolitik darzustellen.
Migration Policy Institute
29. April 2026
The Guardian
1. Juli 2026
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