Harry Kane ist schockverliebt
England sorgt für emotionalen WM-Moment
Englands Fußball träumt weiter groß. Nach einem mitreißenden und späten Sieg gegen die DR Kongo stehen die Three Lions im Achtelfinale Nach dem Spiel gibt es wieder große Emotionen.
Harry Kane stand im Kreis seiner Teamkollegen und gab den Befehl, alles, was folgt, zu genießen. England, Pardon, Kane hatte gerade erst die Fesseln der drohenden WM-Blamage gesprengt, als nun alle freidrehten. Bereits seine geballte Faust nach Abpfiff offenbarte, was sich da alles angestaut und wie es sich entladen hatte. Der knappe Sieg gegen die Demokratische Republik Kongo (2:1) durch zwei Tore des Superstürmers setzte große Kräfte und noch größere Emotionen frei. Vor dem gigantischen englischen Fanblock baute sich die Mannschaft komplett auf und brüllte mit allem was sie noch hatte den Oasis-Klassiker „Wonderwall“.
Es waren Minuten voller Gänsehaut. Antreiber Declan Rice verlor die Kontrolle über seine Gesichtszüge. Nichts als lächeln brachte der Mann des FC Arsenal noch zustande. Auch Jude Bellingham, der Superstar von Real Madrid, hatte noch tüchtig Saft in der Kehle. Aber niemand war so bewegt wie Kane. Ein weiteres Mal schockverliebt war er in diesem wunderbaren Moment. Schon nach dem Auftaktspiel, einem furiosen 4:2 über Kroatien, konnte er nicht glauben, was er erlebte. „Das war einer meiner Lieblingsmomente überhaupt im England-Trikot und besonders bei einem großen Turnier.“
Was Kane der Mannschaft nach dem Spiel sagte
Die Sehnsucht ist abartig groß
Nun sind sie im Achtelfinale. Eine Zwischenstation. Mehr nicht. England kämpft um den Titel. Wie immer. Seit 1966 brachte das Team es nicht mehr zustande, zu triumphieren. In den vergangenen Jahren waren sie so oft so nah dran gewesen, aber der Beamtenfußball von Ex-Trainer Gareth Southgate reichte nicht für den großen Wurf. Den soll nun Thomas Tuchel herbeiführen. Und bislang läuft alles, trotz teilweise beißender Kritik aus der Heimat. Die Medien und Experten schalten nach jeder Leistung knapp unter Weltklasse in den Panik-Modus.
Anders als die Fans. Die leiden zwar auch herzreißend auf den Tribünen. Gegen den afrikanischen Außenseiter wurden sie zunehmend unruhig, Buhrufe häuften sich nach Fehlpässen. Aber nach jedem Sieg vergessen und vergeben sie. Der 60-jährige Schmerz treibt sie immer wieder zusammen. Was nur los ist, wenn er tatsächlich mal endet? Zwischen Mannschaft und Fans entsteht ein Band, eine Kraftquelle.
Eine, die das DFB-Team nie für sich erschloss. Der Auftaktsieg gegen Curacao (7:1) entfachte nur bedingt eine Euphorie, der Gegner war zu schwach. Danach kam kaum noch was, das mitriss. Auch nicht der emotionale Last-Minute-Sieg gegen die Elfenbeinküste. Deutschland rumpelte sich abermals peinlich früh aus dem Turnier. In der Heimat herrschten Frust, Verzweiflung, Wut. Und in den amerikanischen Stadien? Erst zarte Begeisterung, dann Fassungslosigkeit. Aber niemals diese kollektive Sehnsucht, die so viel schaffen kann.
Harry Kane weiß um die Bedeutung
„Ich weiß, es ist nur das erste Spiel, und wir drehen nicht durch. Aber diese emotionale Verbindung mit den Fans – wir wissen, wie viel es ihnen bedeutet. Und ich denke, sie sehen, wie viel es uns bedeutet“, sagte der Stürmer von Bayern München schon nach dem spektakulären Sieg gegen Kroatien. Kane, immer wieder Kane. Der 32-Jährige macht seine Heimat komplett verrückt. „God Save the Kane – Können wir die Nationalhymne ändern?“, schrieb die „Daily Mail“ in ihrem Ticker und fügte an: „Mal ehrlich: Wo wäre England ohne Harry Kane? Ach ja, ich weiß … auf dem Heimweg.“
So lange hatten die „Three Lions“ gegen den aufmüpfigen Underdog zurückgelegen, waren am überragenden Torwart Lionel Mpasi verzweifelt, doch dann kam der eiskalte Superstürmer. „Ich weiß nicht, ob in England schon Statuen gebaut wurden, aber sie werden sicher gebaut. Den Einfluss, den Harry Kane hat, habe ich so noch nie gesehen“, staunte MagentaTV-Experte Jürgen Klopp, der Kane den „englischen Messi“ nannte, weil sich auch bei den „Three Lions“ alles um den Superstar drehe – so wie bei Argentinien um den achtmaligen Weltfußballer.
Verwendete Quellen: ntv.de, tno
