Die erzkonservative Piusbruderschaft hatte gegen den Willen und trotz Warnung des Papstes neue Bischöfe geweiht. Nun hat der Vatikan die gesamte Gruppe aus der katholischen Kirche ausgeschlossen. Sämtliche Priester wurden exkommuniziert.
Nach den unerlaubten Bischofsweihen der erzkonservativen Piusbrüder hat der Vatikan die Exkommunikation der Bruderschaft offiziell bestätigt. Die zuständige Behörde für Glaubenslehre gab nicht nur den Ausschluss aller an der Weihe Beteiligten aus der katholischen Kirche bekannt, sondern auch aller „Geistlichen, die der Priesterbruderschaft angehören“.
Damit verlieren die Geistlichen sämtliche kirchlichen Ämter und Würden. Der ultrakonservativen Gruppe gehören nach eigenen Angaben rund 700 Priester an. Im bayerischen Zaitzkofen bei Regensburg unterhält die Gemeinschaft ein Priesterseminar.
Wegen Spaltung der katholischen Kirche
Mit der Weihe gegen den ausdrücklichen Willen von Papst Leo XIV. hätten sie einen „Akt schismatischer Natur“ vollzogen, hieß in dem Vatikan-Dekret. Damit wird eine Handlung bezeichnet, die die Spaltung der katholischen Kirche bezweckt.
Die Behörde für Glaubenslehre warnte nun Geistliche sowie Laien der Gemeinschaft davor, sich dem Schisma anzuschließen. Auch sie würden sonst exkommuniziert werden.
Die Priesterbruderschaft St. Pius X. – so der offizielle Name der Glaubensgemeinschaft – hatte am Mittwoch im schweizerischen Écône trotz ausdrücklicher Warnung des Vatikans neue Bischöfe geweiht. Der Vatikan hatte bereits Wochen zuvor klargemacht, dass ein solcher Schritt ohne Zustimmung des Papstes den automatischen Kirchenausschluss nach sich zieht.
Konflikt existiert seit Jahrzehnten
Mit der jüngsten Entwicklung ist ein seit Jahrzehnten schwelender Konflikt eskaliert. Die Gemeinschaft wurde 1970 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet und lehnt Reformen in der Kirche generell ab, auch die des Zweiten Vatikanischen Konzils vor mehr als 60 Jahren
Dieses Konzil veränderte etwa die Beziehungen zu anderen Christen, Juden und weiteren Religionen sowie zur Laienwelt grundlegend und erlaubte die Messe in Landessprachen statt auf Latein. Doch die Piusbrüder lehnen die Religionsfreiheit und den Dialog mit anderen Kirchen und Religionen ab. Ihre Priester zelebrieren die Messe im alten Ritus, auf Latein, mit dem Rücken zu den Gläubigen.
Bereits 1988 hatte Lefebvre gegen den Willen von Papst Johannes Paul II. vier Bischöfe geweiht. Er und die neu geweihten Bischöfe wurden daraufhin exkommuniziert. Papst Benedikt XVI. hob die schwere Kirchenstrafe 2009 aber als Zeichen der Versöhnung wieder auf. Die Entscheidung des deutschen Papstes löste weltweit Kritik aus, weil unter den damals geweihten vier Bischöfen auch der britische Holocaust-Leugner Richard Williamson war.
Mit Informationen von Tilmann Kleinjung, ARD Rom
