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WM-Wundermärchen: Als ungarisches Gulasch die DFB-Elf heiß machte

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 4, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 1954 besticht durch einen unerschütterlichen Teamgeist, gelebte Gemeinschaft und ganz viel Humor.

Als der DFB-Koch am Tag nach der 3:8-Niederlage gegen Ungarn in der Vorrunde den Nationalspieler Alfred Pfaff fragte, was er denn kochen solle, gab es für ihn nur eine Antwort: „Ungarisches Gulasch“. Der berühmte „Geist von Spiez“ äußerte sich damals vor allem in einer einzigartigen Atmosphäre der Spieler untereinander. Fritz Walter erzählte einmal über die gemeinsame Zeit mit Helmut Rahn im Hotelzimmer am Thuner See: „Ich bin im Allgemeinen etwas ruhig, während der Helmut vor Temperament überschäumt. Er ist oft schon um sieben Uhr auf den Balkon gestürmt, ist mit einem Hechtsprung wieder ins Bett und hat so getan, als ob er wieder fest schliefe. Ich habe Tränen gelacht und damit war die Stimmung schon für den gesamten Tag gerettet.“

Damit Sepp Herberger die Gelüste der Spieler nicht mitbekam, mussten die Raucher hinaus auf den See ausweichen. Eines Nachmittags, als man wieder einmal mit mehreren Booten auf den Thuner See gerudert war, planschte Heinz Kwiatkowski wie ein junger Hund im Wasser. Die Mitspieler des Torwarts lachten sich halbtot, bis Ottmar Walter endlich realisierte, dass der „Heini“ nicht schwimmen konnte. Mit vereinten Kräften wurde der Dortmunder gerettet. Als seine Frau Käthe von dem Malheur erfuhr, drehte sie durch: „Da kommst du mir nicht mehr hin, die bringen dich bei der Nationalmannschaft noch um!“

Zeit für einen Witz

Abends war der gute Geist von Spiez der Barkeeper, der den deutschen Nationalspielern ihren hochprozentigen Schlummertrunk in Milchgläsern servierte. Doch Bundestrainer Herberger konnte niemand so leicht täuschen. Eines Abends klopfte er Ottmar Walter lächelnd auf die Schulter, guckte in die Runde und sagte: „Na, Männer. Trinkt ihr wieder eure Milch, was?!“ In dieser launigen Runde war auch mal Zeit für einen Witz. Und so fragte Albert Pfaff seine Mannschaftskameraden: „Kinder, wisst ihr, warum der Eber so traurig durch den Wald läuft?“ „Nee!“ „Weil seine Frau eine Wildsau ist!“

Es war auch diese gute Stimmung untereinander, das gelebte Miteinander, das dafür sorgte, dass die deutsche Elf einen scheinbar uneinholbaren 2:0-Rückstand nach nur acht Minuten im Finale am 04. Juli 1954 gegen Ungarn aufholte. Puskás und Czibor hatten die Ungarn bereits nach neun Minuten in Front gebracht. Wie im Rausch hatten die ungarischen Nationalspieler agiert. Erinnerungen an die Vorrunde wurden schon wach, als die Ungarn die deutsche Elf deklassiert hatten und es danach ungarisches Gulasch zum Essen gab. Und tatsächlich geht bis heute die Legende, dass Gusztáv Sebes, der Trainer der Ungarn, zu seinem Starspieler Puskás nach dem 2:0 gesagt haben soll: „Wir können uns nicht erlauben, im Endspiel wieder mit 8:3 zu gewinnen. Das können wir der FIFA nicht antun.“

„Mann, war der sauer!“

Doch es kam alles anders. Mit ihrem prächtig haltenden Torhüter im Rücken – „Ein Gott sind Sie nicht, aber offenbar ein netter Mensch“, Bundespräsident Theodor Heuss zum Torhüter Toni Turek, den der Kommentator Zimmermann zum „Fußball-Gott“ gemacht hatte – konnte die deutsche Mannschaft bereits nach 18 Minuten ausgleichen. Zum ersten Mal traf der Essener Helmut Rahn an diesem Tag. Rahn war es auch, der anschließend zu Torhüter Toni Turek ging und ihm kämpferisch zurief: „Anton, halte die Schotten dicht! Das nächste Tor schießen wir sowieso, und dann sind die Paprikafresser geputzt!“

Am Tresen des Essener Lokals „Friesenstube“ musste der Held von Bern später wieder und wieder das entscheidende 3:2 im Endspiel nacherzählen: „Also, hier steht der Hans und hier steh‘ ich. Der Hans flankt, ich zieh‘ los, die Ungarn denken, ich schieß‘ – aber ich schieß‘ natürlich nicht. Ich geh‘ rechts an den Ungarn vorbei, leg‘ mir das Ding auf den linken Schluffen und hau‘ drauf. Der Grosics macht sich ganz schön lang, aber an das Ding kommt er nicht mehr dran. Mann, war der sauer. Prost, allerseits!“

Am Abend des 4. Juli sagte Kapitän Fritz Walter den wunderbaren Satz: „Männer, die Tore sind geschossen.“ Und Sepp Herberger nahm sich gewohnt nüchtern Hans Schäfer zur Brust: „Hans, trinken Sie nicht so viel! In acht Wochen haben wir ein schweres Spiel in Brüssel gegen Belgien.“ Danach waren drei ganz außergewöhnliche Wochen Geschichte. Wochen der Gemeinschaft und des Zusammenhalts. Und genau deshalb wird man sich die Geschichten von damals auch noch in hundert Jahren erzählen.

Verwendete Quelle: ntv.de

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