Ungarns öffentlich-rechtlicher Sender M1 galt unter Ex-Ministerpräsident Orban als Sprachrohr der Regierung. Jetzt ist das Programm ausgesetzt. Stattdessen läuft eine Entschuldigung.
Im ungarischen Radiosender Kossuth, der Teil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist, läuft am Abend Musik. Hin und wieder werden Lieder anmoderiert, Wortbeiträge gibt es nicht. Aber immerhin läuft dort Programm.
Bei M1, dem öffentlich-rechtlichen TV-Sender, herrscht seit dem Nachmittag dagegen Stille. Es gibt auch Kanäle, die ganz gewöhnlich weiterlaufen, zum Beispiel das Kinderprogramm.
Die Nachrichtenberichterstattung von M1 hingegen ist ausgesetzt. Es läuft kein Programm, der Bildschirm ist schwarz. Und in weißen Buchstaben steht dort, online sowie im linearen Fernsehen, geschrieben:
Die öffentlich-rechtlichen Medien dürfen nicht lügen. Wir entschuldigen uns dafür, dass wir dies über viele Jahre hinweg dennoch getan haben! Die öffentlich-rechtlichen Medien werden jetzt umgestaltet, damit sie künftig unabhängig und glaubwürdig sind. Die Nachrichtenübertragung ist vorübergehend unterbrochen. Bitte bleiben Sie bei uns!
Vorwurf der Propaganda
M1 ist der Sender, der bis zur Wahlniederlage des ehemaligen Ministerpräsidenten Viktor Orban und seiner Fidesz-Partei als besonders regierungsfreundlich aufgefallen war, eine Art Sprachrohr war. In Ungarn wurde er auch schon als „Propaganda-Schleuder“ bezeichnet.
Der jetzige Ministerpräsident Peter Magyar und andere Politiker seiner Tisza-Partei hatten im Wahlkampf wiederholt erklärt, dass sie diesen Inhalten und der großzügigen Finanzierung von M1 ein Ende setzen werden.
Magyar verspricht unabhängige Berichterstattung
Auch jetzt äußerte sich Magyar. In einem Beitrag auf Facebook schrieb er:
Dies ist ein historischer Tag. Heute endet die Ausstrahlung von Propaganda auf den Plattformen der öffentlich-rechtlichen Medien. Sie haben nachts gelogen, sie haben tagsüber gelogen, sie haben über jeden verfügbaren Kanal gelogen. Das ist nun vorbei.
Magyar betonte zudem, dass seine Regierung gemeinsam mit Fachorganisationen dafür sorgen werde, dass es in Zukunft wieder eine unabhängige, unparteiische und objektive Berichterstattung geben werde.
Am späteren Abend soll das Programm auf M1 wieder anlaufen, dann wird mit Filmen und Serien gerechnet. Sicher ist, dass es erstmal keine Nachrichtensendungen geben wird.

