Aktuell berichtet die BBC über eine Untersuchung zu Instagram-Anzeigen in Indien. Demnach wurden einem eigens angelegten Testkonto bezahlte Anzeigen angezeigt, die auf Telegram-Kanäle mit Angeboten zu Missbrauchsaufnahmen von Kindern verwiesen.
Der Vorwurf ist demnach nicht bloß ein unbelegtes Social-Media-Gerücht. Die BBC beschreibt eigene Beobachtungen, konkrete Anzeigen, Meldungen an Instagram, Reaktionen von Meta und Hinweise an indische Behörden. Nicht belegt ist allerdings, dass Meta solche Anzeigen bewusst oder gezielt fördern wollte.
BBC fand rund 30 entsprechende Anzeigen
Nach Angaben der BBC wurde ein Alias-Konto in Indien angelegt, nachdem Instagram dem Konto bereits sexualisierte Inhalte vorgeschlagen hatte. Das Testkonto folgte anschließend mehreren Accounts mit sexualisierten Inhalten. Innerhalb weniger Tage seien dem Konto zunächst Anzeigen mit adultem pornografischem Inhalt und später Anzeigen mit Kindern in sexualisierten oder missbräuchlichen Kontexten angezeigt worden.
Die BBC berichtet von rund 30 unterschiedlichen Anzeigen, die auf Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs verwiesen haben sollen. Einige Anzeigen seien von mehreren Konten geschaltet worden. Mehrere führten laut BBC zu Telegram-Kanälen, in denen entsprechendes Material verkauft wurde, teils für sehr geringe Beträge.
Besonders schwer wiegt, dass es sich nicht nur um normale Nutzerbeiträge handelte. Anzeigen werden bezahlt und laut Meta vor der Veröffentlichung durch Prüfsysteme kontrolliert. Genau diese Prüfung steht im Zentrum der Kritik.
Eine gemeldete Anzeige blieb zunächst online
Die BBC meldete nach eigenen Angaben eine Anzeige an Instagram, die ein sehr junges Mädchen in einem erkennbar missbräuchlichen Kontext gezeigt haben soll. Instagram habe 24 Stunden später geantwortet, die Anzeige verstoße nicht gegen die Community-Standards und werde deshalb nicht entfernt.
Erst später, nachdem die BBC Meta direkt mit den Rechercheergebnissen konfrontiert hatte, erklärte das Unternehmen, mehrere Anzeigen deaktiviert, Konten gesperrt und weitere Links blockiert zu haben. Meta sagte außerdem, kein System sei perfekt und die Anzeigenprüfung erkenne nicht jeden Regelverstoß.
Hier wird das Versagen der Erkennung und Kontrolle bei bezahlten Anzeigen aufgezeigt. Dies belegt nicht, dass Meta solche Inhalte absichtlich zugelassen oder gezielt an entsprechende Nutzer ausgespielt hat.
Telegram war Teil der Weiterleitung
Die Anzeigen führten laut BBC nicht direkt zu offen abrufbaren Inhalten auf Instagram, sondern zu Telegram-Kanälen. Dort sollen die verbotenen Aufnahmen angeboten worden sein. Dieser Plattformwechsel ist ein wichtiger Teil des Falls: Eine große Plattform kann zur Anbahnung dienen, während der eigentliche Verkauf oder Austausch auf einen Messenger oder Kanal ausgelagert wird.
Telegram teilte der BBC mit, man nutze automatische und menschliche Moderation gegen Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs. Außerdem habe Telegram im Jahr 2026 mehr als 274.000 Gruppen und Kanäle in diesem Zusammenhang entfernt. Laut BBC wurde einer der gemeldeten Kanäle gelöscht, ein anderer habe jedoch weiter neue Videos zum Verkauf angeboten.
Indische Regierung verlangt Erklärung von Meta
Indiens Elektronik- und IT-Minister Ashwini Vaishnaw hat das zuständige Ministerium MeitY angewiesen, Meta wegen der Instagram-Anzeigen vorzuladen. Auch wurde Meta aufgefordert, solche bezahlten Anzeigen und dazugehörige Inhalte sofort zu deaktivieren.
Demnach soll Meta innerhalb von sieben Tagen erklären, wie solche Anzeigen auf Instagram erscheinen konnten, welche Prüfungen vor der Freischaltung stattfanden und welche Gegenmaßnahmen ergriffen wurden. Besonders relevant ist dabei der Werbeaspekt: Bezahlte Anzeigen werden von Plattformen üblicherweise strenger geprüft als normale Nutzerbeiträge.
Meta erklärte gegenüber indischen Medien erneut, man habe eine Null-Toleranz-Politik gegenüber der Anbahnung oder Verbreitung von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs. Das Unternehmen verwies auf KI-gestützte Erkennungssysteme, sprach aber zugleich von einem ständigen Kampf gegen Täter, die Erkennungssysteme umgehen wollten.
Der Fall betrifft mehr als Moderation
Bezahlte Anzeigen haben für Plattformen eine eigene Verantwortungsebene. Normale Beiträge können nach Veröffentlichung gemeldet, geprüft und entfernt werden. Anzeigen werden dagegen bezahlt, vorab geprüft und aktiv ausgespielt.
Wenn Anzeigen mit Begriffen wie „child video“ oder „rape video“ durch ein Prüfsystem kommen und auf externe Kanäle mit illegalen Angeboten verweisen, geht es nicht nur um einzelne Verstöße. Es geht um die Frage, ob Plattformen ihre Werbesysteme ausreichend gegen kriminelle Nutzung absichern.

Ein älterer Guardian-Bericht aus dem Jahr 2024 zeigt, dass Instagram bereits zuvor wegen Inhalten rund um sexuelle Ausbeutung in der Kritik stand. Dieser Bericht bezog sich auf Accounts, die sexualisierte Gewalt und sogenannte „Pimp“-Kultur verherrlichten.
Was Nutzer beachten sollten
Solche Anzeigen oder Kanäle sollten nicht angeklickt, geteilt oder weiterverbreitet werden. Wer entsprechende Inhalte sieht, sollte sie direkt auf der Plattform melden und, wenn möglich, auch an zuständige Meldestellen oder Behörden weitergeben. Screenshots können für eine Meldung hilfreich sein, sollten aber nicht öffentlich verbreitet werden.
FAQ zum Thema Instagram-Anzeigen in Indien
Was hat die BBC über Instagram-Anzeigen in Indien herausgefunden?
Die BBC berichtet, dass einem Testkonto in Indien bezahlte Instagram-Anzeigen angezeigt wurden, die zu Telegram-Kanälen mit Angeboten zu Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs führten.
Hat Meta die Vorwürfe bestätigt?
Meta bestätigte nicht, solche Inhalte bewusst gefördert zu haben. Das Unternehmen erklärte aber laut BBC, mehrere Anzeigen und Konten nach den Hinweisen deaktiviert und weitere Links blockiert zu haben.
Warum ist der Fall besonders problematisch?
Weil es um bezahlte Anzeigen geht. Solche Anzeigen werden vor der Veröffentlichung geprüft und aktiv ausgespielt. Wenn dabei illegale Angebote durchrutschen, betrifft das die Sicherheit der Werbeprüfung selbst.
Was sollte man tun, wenn solche Inhalte angezeigt werden?
Nicht anklicken, nicht teilen und nicht weiterverbreiten. Die Inhalte sollten direkt bei der Plattform und, je nach Land, bei zuständigen Meldestellen oder Behörden gemeldet werden.
Warum stehen Telegram-Kanäle im Mittelpunkt des Falls?
Laut BBC führten die Instagram-Anzeigen nicht direkt zu offen abrufbaren Inhalten auf Instagram, sondern zu Telegram-Kanälen. Dort sollen die illegalen Aufnahmen angeboten worden sein. Genau dieser Plattformwechsel macht die Moderation schwieriger.
Könnte so etwas auch in Deutschland oder Österreich passieren?
Grundsätzlich ja. Der BBC-Fall ist für Indien belegt, aber Täter können auch anderswo versuchen, Werbeprüfungen zu umgehen und Nutzer über externe Links weiterzuleiten. Ein vergleichbarer aktueller Fall in Deutschland oder Österreich ist damit aber nicht belegt.
The Economic Times
4. Juli 2026
The Times of India
6. Juli 2026
The Guardian
5. März 2024
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