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Startseite»Politik»Können Windräder der Gesundheit schaden? Studie gibt Entwarnung
Politik

Können Windräder der Gesundheit schaden? Studie gibt Entwarnung

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 6, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 06.07.2026 • 10:19 Uhr

Mancherorts befürchten Anwohner, Windräder könnten der Gesundheit schaden. Eine Studie aus den USA unter deutscher Beteiligung gibt Entwarnung. Dennoch raten Forschende, Anwohner mehr in die Planung einzubeziehen.

Menschen, die in der Nähe von Windrädern wohnen, befürchten mitunter, dass die Windkraftanlagen ihrer Gesundheit schaden. Das hat nun eine Längsschnittstudie aus den USA untersucht, an der auch die Universität Augsburg beteiligt ist und die in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht wurde.

Hierfür wurden Daten aus den USA über Standorte von Windrädern aus Befragungen von 120.000 US‑Haushalten, die jährlich von 2011 bis 2023 durchgeführt wurden, sowie deren Konsumverhalten betrachtet.

Der Volkswirt Niklas Rott von der Universität Augsburg war an der Analyse beteiligt. Ausgewertet wurden Angaben der Teilnehmenden unter anderem zu Depressionen, Schlafstörungen und chronischen Kopfschmerzen: „Wir haben für die gleichen Haushalte on top für die Jahre 2004 bis 2023 auch Daten, in denen wir den Konsum von Schlafmitteln, Schmerzmitteln und dergleichen erfassen können, und das verbinden wir am Ende dann mit den offiziellen US-Daten zu Windkraftanlagen.“

„Keine signifikanten Gesundheitseffekte durch Windräder“

Darunter sind Angaben über die Größe der Anlage, ihre Leistung, den genauen Standort und das Jahr der Inbetriebnahme. Der Kauf von Medikamenten soll Auskunft geben, ob seit dem Betrieb der Windkraftanlagen vermehrt Krankheiten behandelt wurden.

Niklas Rott und seine Forscherkollegen von der Columbia Universität New York und der Universität Pittsburgh haben dann analysiert, ob sich Gesundheitsbeschwerden in Gemeinden, genauer gesagt in Postleitzahlbezirken, nach dem Bau von Windkraftanlagen anders entwickelt haben als in Regionen ohne neuen Windkraftausbau.

Auf der Ebene dieser Wohnortgemeinden, so Rott, zeigen sich für die betreffenden US-Haushalte „keine signifikanten Gesundheitseffekte“ für die Jahre 2011 bis 2023.

Aber: Kritik an Methodik

Allerdings gibt es Kritik an der Studie, unter anderem an den Abständen der Haushalte zu den Windkraftanlagen. Die Psychologin Gundula Hübner von der Medical School Hamburg und der Universität Halle kritisiert dies als eine methodische Schwäche, „da der überwiegende Anteil der Teilnehmenden in großen Entfernungen zu den Windenergieanlagen lebt. Es überrascht dann eben nicht, dass wir hier keinerlei Effekte finden.“

Auf Nachfrage stellt Niklas Rott klar, dass in der Studie darauf hingewiesen wird, dass nicht die Entfernung der einzelnen Haushalte zu Windrädern zugrunde gelegt ist, sondern bevölkerungsgewichtete Mittelpunkte des jeweiligen Postleitzahlbezirks. „Das heißt also, dass ein Teil der Haushalte weiter entfernt liegen kann, ein Teil der Haushalte aber auch näher liegt.“

Ergebnis bestätigt andere Studien

Ob das Studien-Ergebnis auf Deutschland direkt übertragbar ist, ist zwar nicht sicher, so Niklas Rott, da es hierzulande eine andere Bevölkerungsdichte gibt und die Windräder größer sind. Aber das bedeute im Umkehrschluss auch nicht, dass die Ergebnisse hier anders ausfallen müssten oder irrelevant wären.

Tatsächlich entspricht das Ergebnis seiner Studie dem anderer europäischer Studien zum Thema – das bestätigt auch Gundula Hübner. Eine Studie in der Fachzeitschrift Science aus den Niederlanden von 2025 beispielsweise. Sie bezieht jährliche Stichproben der Jahre 2012 bis 2021 mit 350.000 bis 560.000 Menschen ein. Auch sie findet keinen Zusammenhang von Gesundheitsrisiken und dem „Wohnen nahe von Windkraftanlagen“.

Eine weitere Science-Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der Universität Texas von 2022 sieht sogar gesundheitsförderliche Effekte der Windkraft, wenn auch indirekte. Weil sie dafür sorge, dass weniger fossile Brennstoffe verfeuert würden und sich dadurch die Luftqualität verbessere, gebe es Vorteile. Das Forscherteam schätzt in dieser Studie, dass Windenergie in den USA sogar einen monetären Vorteil von über acht Milliarden US-Dollar bringen könnte, aufgrund verringerter Sterblichkeit.

Belästigung und Stress durch Windräder

In ihren Studien geht Gundula Hübner über Gesundheitsaspekte hinaus: „Krankheit ist ein sehr hartes Kriterium und hierzu finden wir keine Hinweise in den Studien.“ Sie frage in ihren Studien „sensitiver“, mit dem Ziel, Symptome von Stress oder Belastung beispielsweise durch die Geräusche der Anlagen zu ermitteln, auch wenn diese nicht automatisch zu einer Erkrankung führen: „Symptom ist dann schon so etwas wie einmal im Monat schlechte Laune.“ Auch vermehrtes Kaffeetrinken, Schlafdefizite und Einnahme von Medikamenten werden abgefragt.

Eine ihrer Studien aus 2019 hat sie zusammen mit der Universität von Berkeley in den USA, Deutschland und der Schweiz durchgeführt. Danach geben 4,3 Prozent der Befragten an, von dem Geräusch der Anlagen „stark belästigt“ zu werden. „In den USA waren es sogar nur 1,1 Prozent“, so Hübner. Die Beleuchtung stört noch weniger: Zehn von über 800 Personen. Hübners Fazit: „Es gibt keine Krankheiten, sondern Belästigung, aber sie betrifft wenige.“

Betroffene in Planung von Windkraftanlagen mit einbeziehen

Dennoch empfiehlt sie politischen Entscheidungsträgern, betroffene Anwohner in die Entwicklung von Flächennutzungsplänen und damit in die Planung von Standorten für Windräder miteinzubeziehen. Niklas Rott schlägt in seiner Studie ebenfalls vor, Betroffene frühzeitig einzubinden und bei der Planung lokale Belastungen wie Lärm, Schattenwurf und Abstände sorgfältig zu berücksichtigen.

Als Volkswirt geht er sogar noch weiter: Man sollte sie oder die Gemeinden auch finanziell beteiligen. In manchen Bundesländern, wie Bayern, ist dies schon Pflicht.

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Dr. Heinrich Krämer
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