Der angebliche Vorfall wirkt auf den ersten Blick glaubwürdig, weil er mit einem vermeintlich offiziellen Social-Media-Konto und einer nachgeschobenen „Nachrichtenseite“ unterlegt wird. Genau darin liegt jedoch die Täuschung: Beide Quellen verbreiten dieselbe frei erfundene Geschichte.
Tierpark Berlin widerspricht eindeutig
Der Tierpark Berlin weist die Behauptung auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) unmissverständlich zurück.
Pressesprecherin Hanja Runge erklärte:
„Es hat weder einen Angriff auf einen Tierpfleger noch eine Tötung eines Eisbären gegeben.“
Die Geschichte sei vollständig frei erfunden.
Gefälschter X-Account als Ausgangspunkt
Auslöser der Falschmeldung ist ein X-Profil, das sich als offizieller Account von Zoo Berlin und Tierpark Berlin ausgibt. Dort wurde am 19. Juni behauptet, Tonja habe einen Tierpfleger schwer verletzt und sei anschließend erschossen worden.
Kurz darauf griff eine Webseite diese Behauptung auf und veröffentlichte einen längeren Artikel. Als Quelle diente ausschließlich der gefälschte X-Beitrag. Zusätzliche Belege oder unabhängige Bestätigungen fehlen.
Damit entsteht der Eindruck mehrerer voneinander unabhängiger Quellen – tatsächlich basiert alles auf derselben erfundenen Ursprungsgeschichte.
Warum die Geschichte glaubwürdig wirkt
Die Masche nutzt ein bekanntes Muster:
- Ein gefälschtes Profil imitiert eine bekannte Institution.
- Eine äußerlich professionell wirkende Webseite übernimmt den Inhalt.
- Nutzer sehen scheinbar mehrere Quellen und halten die Geschichte deshalb für bestätigt.
Tatsächlich handelt es sich lediglich um eine Kette derselben Falschinformation.
Hinzu kommt: Der Tierpark Berlin betreibt selbst keinen offiziellen X-Account mehr. Nach Angaben der Pressestelle wurde die Plattform unter anderem wegen der Vielzahl an Fake-Profilen und Falschmeldungen verlassen. Dadurch fällt es Nutzern schwerer zu erkennen, welche Konten echt sind.
So lassen sich ähnliche Falschmeldungen erkennen
Bei spektakulären Tierpark- oder Zoo-Meldungen lohnt sich ein kurzer Faktencheck:

- Wird der Vorfall von offiziellen Webseiten oder seriösen Medien bestätigt?
- Ist das angeblich offizielle Social-Media-Profil tatsächlich verifiziert und auf der Website des Zoos verlinkt?
- Berufen sich mehrere Quellen wirklich auf eigene Recherchen oder zitieren sie lediglich denselben Social-Media-Beitrag?
Gerade bei emotionalen Meldungen über Tiere werden erfundene Geschichten häufig schnell weiterverbreitet.
Bewertung: Falsch. Die Geschichte über einen Angriff der Eisbärin Tonja und ihre angebliche Erschießung ist vollständig erfunden und geht auf einen Fake-Account zurück.
FAQ: Eisbärin Tonja im Tierpark Berlin
Wurde Eisbärin Tonja erschossen?
Nein. Der Tierpark Berlin bestätigt, dass Tonja lebt. Die entsprechende Meldung ist frei erfunden.
Hat Tonja einen Tierpfleger angegriffen?
Nein. Nach Angaben des Tierparks hat es keinen solchen Vorfall gegeben.
Gibt es einen offiziellen X-Account des Tierparks Berlin?
Nein. Der Tierpark teilt mit, auf X nicht mehr aktiv zu sein. Gerade deshalb tauchen dort immer wieder gefälschte Profile auf, die sich als offizielle Accounts ausgeben.
Woher stammt die Falschmeldung?
Die Geschichte verbreitete sich zunächst über einen gefälschten X-Account. Anschließend wurde sie von einer vermeintlichen Nachrichtenseite übernommen, die sich auf genau diesen Fake-Beitrag berief.
Wie kann man solche Fake-Meldungen erkennen?
Bei außergewöhnlichen Ereignissen sollten immer offizielle Stellen oder mehrere unabhängige, seriöse Medien als Quelle geprüft werden. Wenn sich sämtliche Berichte auf denselben Social-Media-Post stützen, ist Vorsicht geboten.
dpa-Faktencheck
3. Juli 2026
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
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