Stilllegung trotz Grüngasquote?Fraunhofer sieht Gasnetz spätestens 2045 am Ende
Energieversorger werden laut einer Fraunhofer-Studie in weniger als 20 Jahren keine wettbewerbsfähigen Gaspreise mehr anbieten können. Der Großteil der Haushalte steigt demnach auf Wärmepumpen und -netze um. Die Wissenschaftler warnen Eigentümer vor Fehlinvestitionen.
Die Bundesregierung will den Einbau neuer Gasheizungen wieder erlauben und für den Klimaschutz stattdessen mehr grüne Gase nutzen. Einer nun veröffentlichten Fraunhofer-Studie zufolge hat das Gasversorgungsnetz in Deutschland dennoch keine Zukunft. Die Energieversorger dürften „unter realistischen Bedingungen spätestens 2045 keine wettbewerbsfähigen Gaspreise mehr anbieten können“, erklärten die Experten. Die Gasnetze werden deshalb „aller Wahrscheinlichkeit nach“ bis dahin stillgelegt.
„Der Umstieg auf Biogas funktioniert nicht, weil ein Großteil der Haushalte zu Wärmepumpen oder Wärmenetzen wechselt“, führen die Studienautoren aus. „Denn wenn Gasnetzbetreiber nicht mehr genug Kund:innen haben, können sie ihre Netze nicht wirtschaftlich weiterbetreiben. Dadurch steigt der Gaspreis für die verbleibenden Haushalte.“
Die Bundesregierung will das sogenannte Heizungsgesetz aus der Zeit der Ampel-Regierung weitgehend zurückdrehen. Der Weiterbetrieb und Neueinbau von Öl- und Gasheizungen soll langfristig möglich bleiben. Als Ausgleich sollen neu eingebaute Gas- und Ölheizungen ab 2029 zu steigenden Anteilen mit Biogas oder Bioöl betrieben werden. Um Heizungen im Bestand klimafreundlicher zu betreiben, sollen die Brennstoffhändler zunehmend biogene Stoffe beimischen.
Die Verfügbar- und Bezahlbarkeit von alternativen Brennstoffen ist jedoch höchst ungewiss. Zugleich haben Gasheizungen in der Regel eine Lebensdauer von ungefähr 25 Jahren. „Somit droht auch unter dem neuen Heizungsgesetz jede neu eingebaute Gasheizung zur Fehlinvestition zu werden“, warnt das Fraunhofer-Institut. „Wer sich heute in der Hoffnung auf eine Versorgung mit Biogas noch eine Gasheizung einbaut, wird auf einer teuren Investitionsruine sitzen bleiben.“
