Die italienische Großbank UniCredit hat sich mit ihrem Aktientauschangebot mehr als 44 Prozent an der Commerzbank gesichert. Eine Übernahme wird damit zwar wahrscheinlicher, doch es gibt noch Hürden.
Seit Monaten spitzt sich der Kampf um die Commerzbank zu, nun hat die UniCredit das finale Ergebnis ihres Übernahmeangebots veröffentlicht. Es wurde bis Ablauf am 3. Juli für 17,6 Prozent der Commerzbank-Papiere angenommen, teilte die Großbank aus Mailand mit. Zusammen mit den 26,77 Prozent, die sie schon vor der Offerte hielt, steigt der direkte UniCredit-Anteil an der Commerzbank damit auf gut 44 Prozent.
Zudem haben die Italiener über Kaufoptionen zusätzlich Zugriff auf mehr als drei Prozent der Commerzbank-Aktien, halten weitere Finanzinstrumente und kämen so nach eigenen Angaben auf mehr als 47 Prozent. Die UniCredit kann an der Börse weitere Commerzbank-Aktien kaufen, steht jetzt aber unter Beobachtung der Finanzaufsicht.
Noch Hürden bis zu einer Übernahme
Die UniCredit erklärte, das Ergebnis übertreffe die eigenen Erwartungen deutlich. Der Anteil von 47,59 Prozent entspreche 49,65 Prozent der Stimmrechte der Commerzbank. Das Geldhaus sei weiter bestrebt, „konstruktiv“ mit allen relevanten Stakeholdern zusammenzuarbeiten und zugleich die nötigen regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Prozesse voranzutreiben.
Mit dem aufgestockten Anteil ist eine Commerzbank-Übernahme zwar wahrscheinlicher geworden. Dafür müssten aber nicht nur weitere Aktionäre ihre Anteile verkaufen, sondern auch die Aufsichtsbehörden zustimmen, allen voran die Bankenaufsicht der Europäische Zentralbank (EZB) sowie die Wettbewerbshüter der EU-Kommission.
Mit Stand 19. Juni hatte die UniCredit bereits einen Anteil von rund 40 Prozent an der Commerzbank gemeldet plus Finanzinstrumente. Schon zuletzt hatte sie mit einer Absetzung des Commerzbank-Managements auf der nächsten Hauptversammlung im Frühjahr 2027 gedroht, sollte sie genug Aktionäre davon überzeugen. Denn für wichtige Beschlüsse braucht die Bank keine Aktienmehrheit, sondern muss lediglich einen bestimmten Anteil des vertretenen Grundkapitals hinter sich bringen.
Angebot wurde attraktiver
Die UniCredit, die im September 2024 bei der Commerzbank eingestiegen war, hatte Anfang Mai ein Übernahmeangebot für den DAX-Konzern vorgelegt. Sie bot 0,485 eigene Aktien je Papier. Umgerechnet lag die Offerte damit lange unter dem Kurs der Commerzbank-Aktien. Zuletzt wurde das Angebot der Italiener aber mit dem steigenden Aktienkurs des italienischen Geldhauses zunehmend attraktiver.
UniCredit-Chef Andrea Orcel will mit einer Übernahme der Commerzbank eine europäische Großbank schmieden. Er sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen inklusive des Abbaus von 7.000 Stellen.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp lehnt eine Übernahme ebenso ab wie der Bund. Der deutsche Staat, dessen Aktienverkauf im September 2024 zum Einfallstor für die UniCredit wurde, hat jüngst erneut klargemacht, dass er seine restlichen gut zwölf Prozent nicht verkaufen wird.
