Bundespräsident Steinmeier hat dem Bonner Haus der Geschichte das letzte in Deutschland geförderte Stück Steinkohle übergeben. Der sieben Kilo schwere Brocken war 2018 in der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop gefördert worden.
Schwarz schimmernd liegt das 7 Kilogramm schwere Stück Steinkohle in einer Glasvitrine. Man sieht ihm auf den ersten Blick weder die Bedeutung noch die Tränen an, die damit verbunden sind. Seit Donnerstag (9. Juli 2026) ist dieser Kohlebrocken ein besonderes Ausstellungsstück im Bonner Haus der Geschichte.
Am 21. Dezember 2018 hatten Bergleute der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop zum allerletzten Mal ein Stück Kohle ans Tageslicht gebracht. Das übergab der Reviersteiger Jürgen Jakubeit dann während eines großen Festakts an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Ein Tag, den ich nicht vergessen werde. Eine Stunde, in der Jürgen Jakubeit mit seinen Kollegen aus dem Förderkorb kam und dieses letzte Stück in Deutschland geförderte Steinkohle herausbrachte. Und den Kollegen stand die Trauer ins Gesicht geschrieben.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
Abschied vom Bergbau mit Tränen
Es seien damals tatsächlich viele Tränen geflossen, erinnert sich auch Bergmann Jakubeit, der ebenfalls nach Bonn gekommen ist. Denn das Stück Kohle bedeutete für viele nicht nur den persönlichen Abschied vom Bergbau. Es markierte auch das Ende einer 200 Jahre dauernden Ära von Steinkohle- und Industriegeschichte.
Bergmann Jürgen Jakubeit im Haus der Geschichte.
Auch wenn er den Abschied gut verarbeitet hat, kann Jakubeit immer noch nicht von der Kohle lassen. Unter anderem bietet er regelmäßig Führungen im ehemaligen Trainingsbergwerk in Recklinghausen an. Dort, wo früher angehende Bergleute ausgebildet wurden, können Besucher heute in die Welt des Bergwerks eintauchen.
„Bundespräsident hat gut auf das Stück Steinkohle aufgepasst“
2018 sei seine größte Sorge gewesen, dass er das letzte Stück Steinkohle vor dem Bundespräsidenten fallen lassen könnte, erinnert sich Jakubeit lächelnd. Heute freut er sich nicht nur, dass es heil geblieben ist. Er ist auch glücklich darüber, dass der Bundespräsident gut auf die Kohle aufgepasst hat, so dass sie jetzt ein besonderes Ausstellungsstück im Bonner Museum wird.
„Das ist mehr als ein Stück Kohle. Das ist Geschichte“, hatte Frank-Walter Steinmeier schon 2018 gesagt. Seitdem lag es in seinem Büro im Schloss Bellevue. Dort sei es häufig nicht für Kohle gehalten worden, „sondern für ein Kunstwerk, was so bei Bundespräsidenten einfach mal rumsteht“, berichtete der Bundespräsident bei der Übergabe in Bonn. Daraus hätten sich viele Gespräche über die Industrie- und Sozialgeschichte Deutschlands ergeben.
Kohlebrocken steht für eine große Ära
Jetzt kann das Stück Steinkohle seine Geschichte in Bonn weiter erzählen. Schon vor Jahren hatte der Bundespräsident versprochen, dass er die Kohle dem Haus der Geschichte schenken wird, wenn er mal aus dem Schloss Bellevue ausziehen muss. Wegen der anstehenden Renovierungsarbeiten ist das jetzt schon vor dem Ende seiner Amtszeit der Fall.
Bundespräsident übergibt Steinkohle in Bonn
Über das geschichtsträchtige Ausstellungsstück freut sich auch Harald Biermann, der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte. Es sei ein Symbol für den Treibstoff der industriellen Revolution. Ohne Kohle hätte es den Reichtum in Deutschland nicht gegeben, ist Biermann überzeugt. Das letzte in Deutschland geförderte Stück Steinkohle ist ab sofort ein Teil der Dauerausstellung „Du bist Teil der Geschichte. Deutschland seit 1945“.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des Reporters im Haus der Geschichte
- Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
- Interview mit Bergmann Jürgen Jakubeit
- Interview mit Prof. Dr. Harald Biermann, Haus der Geschichte
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 09.07.2026, 12.45 Uhr
