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Mann entzieht sich Militärdienst: Ukrainische Politiker fordern Konsequenzen nach Angriff auf Armee-Rekrutierer

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 9, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Mann entzieht sich MilitärdienstUkrainische Politiker fordern Konsequenzen nach Angriff auf Armee-Rekrutierer

Eine Menschenmenge umstellt in Lwiw ein Militärfahrzeug. (Quelle: Defence Forces of Ukraine)

In ihrem Kampf gegen die russische Invasion verzeichnet die Ukraine jüngst einige Erfolge. Viele Ukrainer wehren sich aus Angst vor dem Dienst an der Front jedoch erbittert gegen Zwangsrekrutierungen auf offener Straße. Bei einem Vorfall in Lwiw gehen 200 Menschen gegen das Militär vor.

Nach gewalttätigen Ausschreitungen infolge der versuchten Rekrutierung eines jungen Mannes für die Armee in der westukrainischen Stadt Lwiw haben die Justizbehörden dort Ermittlungen eingeleitet. Eine wütende Menschenmenge hatte am Mittwochabend ein Fahrzeug der Armee nach einer Personenkontrolle im Zusammenhang mit der Militärpflicht attackiert und umgekippt. Im Zusammenhang mit dem Vorfall seien „zwei Strafverfahren“ unter anderem wegen eines Angriffs auf Polizisten eingeleitet worden, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft im Onlinedienst Telegram.

An den Zusammenstößen seien „Angehörige der ukrainischen Streitkräfte, Polizeibeamte und etwa 200 Zivilisten“ beteiligt gewesen, führte die Generalstaatsanwaltschaft aus. Ermittelt werde unter anderem wegen eines Angriffs auf Polizeibeamte und „Behinderung der rechtmäßigen Tätigkeit der ukrainischen Streitkräfte“.

Zuvor hatte ein im Internet veröffentlichtes Handy-Video des Angriffs für Diskussionen in der Ukraine gesorgt. Auf den Bildern ist zu sehen, wie dutzende Menschen ein Fahrzeug der Streitkräfte umstellen, „Schande“ und Beleidigungen rufen und mit Gegenständen auf die Scheiben einschlagen. Unter dem Beifall der Umstehenden kippen sie das Fahrzeug schließlich um.

Dem örtlichen Rekrutierungszentrum zufolge kam es zu den Ausschreitungen, nachdem die Beamten einen jungen Mann wegen Verstößen „gegen die Vorschriften zur militärischen Registrierung“ kontrolliert hätten. Der Mann wurde demnach festgenommen unter dem Verdacht, sich dem Militärdienst entzogen zu haben. Die Menschen „umringten das Fahrzeug der Militärbehörde, verhielten sich aggressiv, beschädigten es und kippten es schließlich um“, erklärte das Rekrutierungszentrum im Onlinedienst Facebook.

Viele ukrainische Männer haben Angst vor der Einberufung zum Militärdienst, weil sie nicht in den Krieg gegen Russland gezwungen werden wollen. Sie meiden etwa Innenstädte, um nicht angetroffen und eingezogen zu werden. Andere verlassen das Land, um dem Militärdienst zu entgehen.

Weil die ukrainische Armee im Krieg mit Russland aber auf Soldaten angewiesen ist, setzt sie bei der Rekrutierung zunehmend auch auf repressivere Maßnahmen. Zuletzt kam es vermehr zu Zusammenstößen zwischen Bürgern und den Einberufungsbehörden.

„Unser einziger Feind ist die Russische Föderation“, erklärte die Rekrutierungsbehörde weiter. „Wir rufen die Bürger dazu auf, sich nicht auf feindliche Provokationen einzulassen und Militärangehörige sowie die Polizei nicht bei der Ausübung ihrer rechtmäßigen Pflichten zu behindern.“

Täter werden „zur Rechenschaft gezogen“

Ukrainische Politiker kritisierten die Proteste ebenfalls. „Was wir gestern in Lwiw gesehen haben, ist absolut entsetzlich“, erklärte der Bürgermeister der Stadt, Andriy Sadowyj, im Onlinedienst Telegram. Es sei „inakzeptabel, die Armee bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu behindern, Eigentum zu zerstören oder das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen“, fügte er hinzu.

Der Leiter des ukrainischen Präsidialamts, Kyrylo Budanow, erklärte im Onlinedienst X, die Sicherheitskräfte müssten „angemessen auf die Ereignisse in Lwiw reagieren“. Regionalgouverneur Maksym Kosytzkyj erklärte, die Täter würden „identifiziert und zur Rechenschaft gezogen“.

Die EU hat unlängst den temporären Schutzstatus für Ukrainer bis März 2027 verlängert. Zur Debatte steht allerdings auch, Ukrainern im wehrfähigen Alter diesen Schutzstatus zu entziehen, um sie so zur Rückkehr in ihre Heimat zu bewegen. Männern im Alter von 25 bis 60 Jahren ist es untersagt, das Land ohne Sondergenehmigung zu verlassen.

Quelle: ntv.de, dsc/AFP

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