Auf X wird derzeit ein Beitrag verbreitet, der mit der Überschrift „Alice Weidels umstrittenes Testament“ Aufmerksamkeit erzeugen soll. Das Vorschaubild zeigt Alice Weidel vor einem angeblichen Dokument, verbunden mit der Frage: „Warum spricht plötzlich ganz Deutschland darüber?“
Nach derzeitigem Stand gibt es keine belastbaren Hinweise darauf, dass ein solches Testament existiert oder Gegenstand einer öffentlichen Debatte ist. Ebenso fehlt eine Berichterstattung etablierter Medien über eine entsprechende Enthüllung.
Ein Beleg fehlt vollständig
Der Beitrag nennt weder eine Quelle noch erklärt er, worum es bei dem angeblichen Testament überhaupt gehen soll. Stattdessen arbeitet er ausschließlich mit Formulierungen wie „umstritten“ oder „ganz Deutschland spricht darüber“, ohne überprüfbare Informationen zu liefern.
Gerade diese Kombination aus einer emotionalen Überschrift und einem bewusst vagen Teaser ist typisch für Clickbait. Ziel ist nicht die Information, sondern der Klick.
Die Domain führt auf eine andere Webseite
Der Link verweist zunächst auf die Domain relaydns.xyz. Nutzer, die den Link aus Deutschland öffnen, werden stattdessen auf die Domain elle.study weitergeleitet.
Bereits diese Weiterleitung ist ein deutliches Warnsignal. Seriöse Nachrichtenportale veröffentlichen ihre Inhalte üblicherweise auf ihren eigenen Webseiten und leiten Leser nicht auf andere Internetadressen weiter.
Die Seite imitiert ein Nachrichtenportal
Die Zielseite elle.study präsentiert sich in einer Gestaltung, die den Eindruck eines Nachrichtenangebots vermittelt und sich optisch an die Tagesschau anlehnt.
Eine erkennbare Verbindung zur ARD oder zur Tagesschau besteht jedoch nicht. Stattdessen dient der angebliche Nachrichtenartikel lediglich als Einstieg für ein anderes Thema.
Im weiteren Verlauf wird für die angebliche Investmentplattform Kernvestium geworben. Solche Konstruktionen sind als Fake-Advertorials bekannt: Eine vermeintliche Nachricht soll Vertrauen schaffen und Leser anschließend zu einem Finanzangebot führen.
Kernvestium ist nicht in der BaFin-Unternehmensdatenbank auffindbar
Eine Recherche in der Unternehmensdatenbank der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ergibt keinen Eintrag für „Kernvestium“.
Ein fehlender Eintrag allein beweist zwar nicht automatisch, dass ein Angebot betrügerisch ist. Wer jedoch Finanzdienstleistungen oder Geldanlagen anbietet, sollte transparent nachvollziehbar sein. Fehlen überprüfbare Unternehmensangaben oder eine erkennbare regulatorische Einordnung, ist besondere Vorsicht geboten.
Nutzer sollten in solchen Fällen weder persönliche Daten eingeben noch Geld investieren, bevor sie Anbieter und Zulassung unabhängig überprüft haben.
Auch der X-Account wirft Fragen auf
Der Beitrag stammt von dem verifizierten X-Account RelayDNS. Dieser Name ist eigentlich einem Unternehmen aus dem Bereich DNS- und Netzwerktechnik zuzuordnen.

Die im Account hinterlegte URL relaydns.xyz verweist wiederum auf elle.study.
Dass ein solcher „Unternehmensaccount“ plötzlich deutschsprachige Sensationsmeldungen über Politiker verbreitet, passt nicht zum eigentlichen Unternehmenszweck. Solche Konstellationen treten immer wieder auf, wenn Accounts kompromittiert, zweckentfremdet oder für Werbekampagnen missbraucht werden.
Ein aktuelles Thema wird offenbar als Köder genutzt
Tatsächlich gibt es derzeit Berichte über einen Rechtsstreit um das Testament eines AfD-Unterstützers, der der Partei ein Millionenvermögen hinterlassen haben soll. Dabei geht es jedoch um den Nachlass des Erblassers Reiner Strangfeld – nicht um ein Testament von Alice Weidel.
Es liegt daher nahe, dass eine reale Nachricht als Vorlage für eine frei erfundene Überschrift verwendet wurde, um zusätzliche Aufmerksamkeit zu erzeugen.
So erkennen Sie solche Maschen
Mehrere Merkmale sprechen gegen ein seriöses Nachrichtenangebot:
- reißerische Überschrift ohne konkrete Informationen,
- fehlende Quellen oder Originaldokumente,
- eine Webseite, die bekannte Nachrichtenportale imitiert,
- Werbung für eine angebliche Investmentplattform statt journalistischer Inhalte.
Treffen mehrere dieser Merkmale zusammen, ist besondere Vorsicht geboten. Vor allem bei Finanzangeboten sollten Unternehmen und Zulassungen immer über offizielle Register überprüft werden.
Bewertung: Irreführender Clickbait. Für ein angebliches „umstrittenes Testament“ von Alice Weidel gibt es keine belastbaren Belege. Stattdessen führt der Link über die Domain relaydns.xyz auf eine nachrichtenähnliche Webseite (elle.study), die für die dubiose Investmentplattform Kernvestium wirbt. Das entspricht einem bekannten Muster von Fake-Advertorials, bei denen politische Schlagzeilen als Köder für Finanzwerbung eingesetzt werden.
FAQ: Alice Weidel und das angebliche Testament
Gibt es ein öffentlich bekanntes Testament von Alice Weidel?
Nein. Dafür gibt es nach aktuellem Stand keine belastbaren Belege und keine seriöse Berichterstattung.
Warum führt der Link auf eine andere Webseite?
Zum Zeitpunkt der Überprüfung leitete relaydns.xyz Besucher aus Deutschland auf elle.study weiter. Solche Weiterleitungen sind bei Clickbait- und Werbekampagnen keine Seltenheit.
Ist Kernvestium bei der BaFin registriert?
Bei der Überprüfung fand sich kein Eintrag für „Kernvestium“ in der Unternehmensdatenbank der BaFin. Das ist ein Warnsignal und sollte Anleger zu besonderer Vorsicht veranlassen.
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
aktualisiert am 18.06.2026
Mimikama
aktualisiert am 20.05.2026
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
Stand der Daten: 09.07.2026
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