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Startseite»Nachrichten»„Ball fällt aus Himmel“: Norwegen fassungslos nach Englands Kabel-Tor und WM-Aus
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„Ball fällt aus Himmel“: Norwegen fassungslos nach Englands Kabel-Tor und WM-Aus

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 12, 2026Keine Kommentare7 Minuten Lesezeit
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Eine Szene in der ersten Halbzeit des WM-Viertelfinals zwischen Norwegen und England sorgt für reichlich Wirbel. Ein Ball fällt aus dem Himmel, das sollte er nicht. Norwegen verliert und schäumt. Die FIFA hat ihre Reputation verspielt und kann die Debatte kaum aufhalten.

Asterix und seine Gallier hatten bekanntlich nur eine Sorge: dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Ansonsten würde alles schon irgendwie gut gehen. Erling Haaland und seine Wikinger haben seit diesem Samstag eine ganz andere Sorge: dass ein Ball aus dem Himmel fällt.

Genau das passiert den Norwegern in ihrem ersten WM-Viertelfinale überhaupt. Es wird ihnen zum Verhängnis. 64.478 Zuschauer im Stadion und Hunderte von Millionen weltweit vor den Bildschirmen sind Zeuge. England zieht nach einem 2:1 (1:1/1:1) n. V. gegen das große Überraschungsteam der WM ins Halbfinale, die Ruderer aus Europas Norden fliegen heim.

Experte erklärt Wirbel um mutmaßliches Skandal-Tor

Dabei läuft doch alles so gut. Gerade haben die Norweger Thomas Tuchels Three Lions nach einem Sonntagsschuss von Andreas Schjelderup (36.) kurz vor der Pause in die Seile geschickt. Die ringen nach Luft, zittern vor dem nächsten Schlag, da segelt ein Abschlag des Torhüters Ørjan Nyland gegen ein Kabel der über dem Spielfeld in Miami schwebenden Spidercam. Oder nicht?

FIFA versucht sich an Erklärung

Obwohl die FIFA sich mit Feuereifer daran macht, den Ärger einzufangen, indem sie den „Herzschlag des Balls“ veröffentlicht, gelingt das nicht. Der Weltverband ist in diesen Dingen nach den jüngsten Ereignissen bei dieser WM in etwa so glaubwürdig wie der Inhalt der Hitler-Tagebücher.

Was aber passiert überhaupt? Der Ball fällt im Mittelfeld in diesem Moment kurz vor der Pause jedenfalls relativ steil herunter. Über die Stationen Elliot Anderson, Anthony Gordon und Jude Bellingham schlägt er hinter Nyland ein (45.+2). Der ist fassungslos, zeigt in den Himmel. Haaland, Trainer Ståle Solbakken und die norwegische Bank tun es ihm gleich.

Bellingham versenkt den Norwegen-Schocker

Video poster

„Der Ball wird wohl einen Assist bekommen. Er ist direkt aus dem Himmel gefallen“, sagt Solbakken nach dem Spiel. Er hält sich zurück. „Wir können daran nichts ändern. Es ist, wie es ist.“

So ist es. Es hilft nichts. Der Ausgleich bleibt bestehen. England erhebt sich. Bellingham wird im weiteren Verlauf des Spiels in Abwesenheit der Tormonster Haaland und Harry Kane zum Helden werden. Der ehemalige Dortmunder erzielt in der Verlängerung nach einem seltenen, aber schwerwiegenden Patzer Nylands das 2:1 (93.).

Der Chip im Ball erkennt: nichts

An diesem Abend in Florida dreht sich jedoch vieles um die Szene in der zweiten Minute der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. Schiedsrichter Clément Turpin hat den Kontakt des Balls mit dem Kabel wohl nicht wahrgenommen, Videoschiedsrichter Jérôme Brisard auch nicht. Der Ball auch nicht.

„Der Schiedsrichter sagt, er hat das nicht gesehen“, erzählt Solbakken. „Er sagt, er hat keine Nachricht erhalten, dass etwas passiert ist. Wenn die FIFA das sagt, kann er nichts machen. Der Ball ist aber direkt vor der Bank runtergefallen.“

Norwegen trifft mit völlig unwahrscheinlichem Traumtor

Video poster

Das mit dem Ball teilt die FIFA mit. Nicht der Ball. „Wir haben in die Daten geschaut. Dort können wir keinen Kontakt erkennen“, lässt die FIFA verlauten. Es habe „keinen Ausschlag beim Herzschlag des Balls“ gegeben und daher gebe es auch keinen Beweis für die Kabeltheorie. Die Technik als Retter?

Bei Weltmeisterschaften soll ein Sensor im Ball genau diese Funktion erfüllen. Die TV-Bilder lassen zumindest eine andere Interpretation zu. Eine, die von den Norwegern aufrechterhalten werden wird, und eine, die sich die FIFA selbst zuzuschreiben hat. Auch Solbakken weiß nicht, was er sagen soll. Wieder und wieder spricht er vom Ball, der aus dem Himmel fällt und sagt dann: „Es ist klar, dass es passiert ist. Das ist seltsam.“ Die Zweifel an allem sind unüberhörbar. „Ich möchte darüber nicht sprechen, bis wir tot sind. Ich hoffe, dass es nicht die Geschichte dieses Teams sein wird. Aber der Ball hat da oben was berührt“, sagt Solbakken, dann geht er.

Der FIFA fehlt die Glaubwürdigkeit

Die FIFA hat bei dieser WM mit der Entscheidung rund um den US-Spieler Folarin Balogun ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt. Jetzt hat sie den Salat.

Ihr Statement wird die Debatte nicht beenden. Zu sehr hat sie genau diesen Diskussionen Tor und Tür geöffnet. Die Verschwörungstheoretiker haben die WM übernommen, und sie erscheinen glaubwürdiger als die FIFA. Zu gravierend, zu lebensverändernd ist diese Entscheidung. Für Norwegen könnte es die einzige Chance überhaupt auf ein Halbfinale bei einer WM gewesen sein.

Verheerender Torwartfehler bringt die Höchststrafe

Video poster

Die Regeln sind eigentlich klar: Bei einer Berührung mit dem Kabel hätte dieser Ausgleich nicht zählen dürfen. So wie im Amateurbereich hin und wieder mal Äste in ein Spielfeld hineinragen, so übernehmen Kabel von Spidercams im modernen Fußball diese Aufgabe. Die Regel bleibt gleich: Nach einem derartigen Vorfall folgt ein Schiedsrichterball. Im Profibereich muss auch der VAR eine derartige Situation im Blick haben.

Aber auch um diese Regelauslegung gibt es unter den Experten bereits Streit. Nichts erscheint so, wie es ist. Es geht um die Definition der Angriffsphase, es geht darum, dass ein derartiger Fall in dieser Form eine Kuriosität darstellt. Es geht darum, ob ein derartiger Vorfall überhaupt wahrzunehmen ist. Es geht auch darum, ob der FIFA überhaupt noch zu glauben ist.

Norwegisches Tor wird aberkannt

Natürlich lässt sich das Aus der Norweger nicht allein an dieser einen Szene festmachen, sie ist jedoch ein großer Baustein. Will eine qualitativ unterlegene Mannschaft eine Sensation herbeiführen, wird sie eine derartige Situation kurz vor dem Pausenpfiff aus der Bahn werfen können.

Nicht einmal das passiert Norwegen in einer zweiten Halbzeit, die im 32 Grad warmen Miami vornehmlich von der Spannung lebt. Die Wikinger, deren Fans auf den Tribünen unentwegt rudern und aufspringen und niemals aufgeben, sind dabei dem Siegtreffer näher. Einmal gehen sie sogar in Führung. Nach einer Ecke trifft Torbjörn Heggem mit dem Kopf (55.).

All der Jubel ist vergeblich. Vor der Ausführung der Ecke schubst Haaland den Engländer Anderson in der Mitte. Der fällt, sehr leicht. Das hat der VAR gesehen. Dazu braucht es nicht einmal einen Chip im Körper. Der Eckstoß wird wiederholt, weil der Ball noch nicht im Spiel ist.

„Glücklich, wir waren sehr glücklich“, sagt Tuchel nach dem Spiel. Er erwähnt die Situation bei der Ecke explizit. Auch Solbakken geht noch einmal auf die Szene ein. Er spricht über den Druck auf die Schiedsrichter und den VAR während der K.o.-Phase. Er deutet an, dass der womöglich zu groß sein kann. Die Laune ist im Keller. Norwegen hat das Gefühl, dass ihnen ein korrekter Treffer geraubt wurde. Auch das noch.

Bellingham spielt groß auf

Norwegen bleibt dem Siegtreffer näher, doch den erzielt am Ende eben Bellingham. Als der 23-Jährige in der 111. Minute nach seinem Doppelpack vom Platz genommen wird, geht ein langgezogenes „Juuuuuude“ durch das Stadion. In 54 Länderspielen hat er nun zwölf Tore erzielt.

Während einer durchwachsenen Saison und einiger kleinerer Verletzungen bestanden beim Star von Real Madrid im vergangenen Herbst sogar Zweifel an seiner WM-Teilnahme. „Leave Jude at home“, lasst Jude zuhause, titelte die „Daily Mail“ im November 2025 in dicken Lettern. Das ist längst Geschichte. Jude Bellingham trägt England durch die schweren Spiele der K.o.-Phase: zwei Treffer gegen Mexiko, zwei gegen Norwegen. England singt „Hey Jude“ und Bellingham lässt sich feiern. „Brillanter Bellingham macht es schon wieder“, titelt die „Daily Mail.“ Sie vergisst gerne ihre eigenen Worte.

„Er macht es jedes Mal. Er ist Weltklasse“, sagt Tuchel in einem bemerkenswerten Wutinterview nach dem Spiel. Er ist überhaupt nicht mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden. „Wir haben jetzt drei Tage, wir müssen besser spielen“, sagt er. Tuchel hat die Faxen satt: von der Leistung seiner Mannschaft an diesem Tag, vom Interviewer von ITV. Trotzdem liebt er seine Mannschaft weiter innig. Trotzdem blickt er in Richtung Halbfinale. Die Norweger können das nicht.

England erreicht damit das erst vierte WM-Halbfinale der Verbandsgeschichte. Nur einmal, beim Triumph bei der Heim-WM 1966, ziehen sie ins Finale ein. 1990 und 2018 scheitern sie an Deutschland und Kroatien respektive.

Das ist den Fans der Three Lions egal. Wieder singen sie mit ihrer Mannschaft die neue Hymne „Wonderwall“. Auf der anderen Seite stehen und liegen die Norweger. Bald erheben sie sich und bauen sich vor den mitgereisten Wikingern auf. Sie applaudieren. Rudern können sie nicht mehr. Zu enttäuscht sind sie, zu wütend sind sie. Ein Ball ist aus dem Himmel gefallen. Viel mehr lässt sich nicht beweisen.

Verwendete Quelle: ntv.de

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