Der Konflikt zwischen den USA und Iran hat sich erneut zugespitzt. Nach Angriffen der USA in der Nacht befehligte Teheran neue Attacken auf US-Verbündete im Golf – und betonte die strategische Bedeutung der Straße von Hormus.
Nach nächtlichen Angriffen des US-Militärs gegen Iran herrschte in den frühen Morgenstunden in mehreren mit den USA verbündeten Golfstaaten Alarm. Als unmittelbare Reaktion auf die US-Attacke griff Iran seinerseits Ziele in der Golfregion an.
Luftalarm in fünf Ländern
In Bahrain ertönten in den frühen Morgenstunden mindestens dreimal die Warnsirenen, wie das Innenministerium mitteilte. Die Bewohner wurden aufgerufen, ruhig zu bleiben und einen sicheren Ort aufzusuchen.
Auch die Vereinigten Arabischen Emirate gerieten wieder unter Beschuss. Dort würden Angriffe mit Raketen und Drohnen aus dem Iran abgewehrt, teilte das Verteidigungsministerium mit. Inzwischen hieß es, die Lage im Land sei stabil.
Im kleinen Golfstaat Kuwait meldete die Armee „feindliche Ziele“ im eigenen Luftraum. Bei Explosionen handle es sich um Flugabwehr, die Angriffe abwehre. Einwohner wurden aufgerufen, Schutz zu suchen. Auch aus dem Oman wurden Angriffe gemeldet.
Das Innenministerium von Katar teilte mit, drei Menschen seien durch herabfallende Trümmerteile verletzt worden. Dem Verteidigungsministerium zufolge wurde ein Raketenangriff abgewehrt.
Iranischer Soldat bei US-Angriffen getötet
Der Konflikt zwischen den USA und Iran war in der Nacht zum Sonntag erneut militärisch eskaliert. Die USA hatten neue Angriffe auf Iran gestartet, nachdem die iranischen Revolutionsgarden ein Schiff in der Straße von Hormus unter Beschuss genommen hatten.
Bei den US-Angriffen wurde nach Angaben Teherans ein iranischer Soldat getötet. Der Marinesoldat sei einem Angriff auf den Hafen von Dschask im Süden des Landes zum Opfer gefallen, meldeten die Nachrichtenagenturen Mehr und Tasnim unter Berufung auf einen Behördenvertreter.
Katar verurteilt Angriffe als „gefährliche Eskalation“
Das katarische Außenministerium verurteilte die Angriffe auf die Golfstaaten mittlerweile „auf das Schärfste“. Die Angriffe auf Katar und die anderen Golfstaaten stellten eine „gefährliche Eskalation“ dar.
Das Land riet nach den neuen iranischen Angriffen zur vorübergehenden Einstellung des Schiffsverkehrs. Für alle Fahrten und andere „meeresbasierte Tätigkeiten“ werde empfohlen, diese bis auf Weiteres auszusetzen, teilte das katarische Transportministerium mit.
Das betreffe auch Fischer- und Freizeitboote, Jetskis und „alle anderen Seefahrzeuge“. Für Katar ist die private und kommerzielle Schifffahrt am Persischen Golf von wichtiger Bedeutung. Das auf einer Halbinsel liegende Land verfügt über Dutzende Fischerei- und Jachthäfen.
Straße von Hormus „wichtiger als Atombomben“
Auch die Straße von Hormus ist weiter nicht befahrbar. Irans Führung benutzt die Meerenge im Krieg mit den USA und Israel als strategisches Druckmittel. Nach Angaben eines Beraters des obersten iranischen Führers Modschtaba Chamenei kommt ihr dabei eine immense strategische Bedeutung zu.
Die Meerenge sei „wichtiger als Dutzende von Atombomben, und die Islamische Republik Iran wird sie schützen“, sagte Mohsen Resai nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Isna.
Wichtige Ader der Weltwirtschaft
Die Straße von Hormus ist seit Beginn des Krieges blockiert. Wechselseitig sorgen Iran und die USA mit Seeblockaden, Angriffen oder Minenlegungen dafür, dass die wichtige Schifffahrtsstraße unbefahrbar ist.
Die Meerenge ist für den weltweiten Öl- und Gashandel von existenzieller Bedeutung. Seit dem Erliegen des Schifftsverkehrs dort sind die ökonomischen Folgen überall auf dem Globus zu spüren, unter anderem auch in den USA, wo die Menschen unter hoher Inflation und massiv erhöhten Spritpreisen leiden.
Politischen Beobachtern zufolge setzt dies die US-Administration unter Präsident Donald Trump zunehmend in Zugzwang, den Konflikt mit Iran zu lösen – vor allem angesichts der bevorstehenden Zwischenwahlen im Herbst.
