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Politik

In Haft statt im Krankenhaus

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 13, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 13.07.2026 • 05:32 Uhr

Abu Safiya war Direktor des Kamal-Adwan-Krankenhauses im Gazastreifen. Doch 2024 wurde er von Israel verhaftet und sitzt seitdem im Gefängnis – ohne Anklage. Inzwischen gibt es in Israel und anderen Ländern Proteste.

Jan-Christoph Kitzler

Abu Safiya ist inzwischen wahrscheinlich der bekannteste Gefangene aus dem Gazastreifen. Weltweit wird für seine Freilassung demonstriert. Vor ein paar Tagen gab es sogar eine kleine Kundgebung vor der deutschen Botschaft in Tel Aviv. „Freiheit für alle Ärzte“ wurde dort gerufen und „Freiheit für Dr. Abu Safiya“.

Anwalt berichtet von Folterspuren

Der Mediziner ist schon seit über eineinhalb Jahren in israelischen Gefängnissen und Lagern. Erst vor etwa zwei Wochen wurde er in den Hochsicherheitstrakt des Nizan-Gefängnisses in Ramleh verlegt. Dort ist er in Isolationshaft. Sein Anwalt Nasser Odeh konnte ihn vor ein paar Tagen besuchen.

Dem US-Sender CNN hat er berichtet, in welchem Zustand er den Gefangenen gesehen hat: Er sei mit Hand- und Fußfesseln in den Besucherraum gebracht worden, im Gesicht und im Augenbereich seien Spuren von Gewalteinwirkung sichtbar gewesen. Er habe weder atmen noch gehen können.

Abu Safiya sitzt seit mehr als einem Jahr in israelischer Haft.

Sorge um Gesundheit des Arztes

Berichte über Folter des Arztes hatte es schon früher gegeben. Inzwischen besteht die Sorge, ob Abu Safiya die israelische Haft überlebt. Den Berichten seines Anwalts zufolge soll er gesagt haben: „Das könnte das letzte Mal sein, dass wir uns sehen.“ Israelischen Angaben zufolge ist das Leben des Arztes nicht in Gefahr. Er werde medizinisch überwacht, heißt es.

Thirza Leibowitz von der Organisation Physicians for Human Rights Israel sieht das kritisch. Der Staat habe in seiner Antwort an das Oberste Gericht gesagt, dass Abu Safiya mehrfach von medizinischem Personal untersucht wurde, seit er in dem unterirdischen Gefängnis ist. „Das beunruhigt uns sehr, denn es erklärt nicht, warum diese Untersuchungen notwendig waren, was die Ergebnisse sind und wie das mit der Behauptung zusammenpasst, sein Leben sei nicht in Gefahr.“

Anderthalb Jahre ohne Anklage

Was gegen Abu Safiya vorliegt, ist unklar. Seit er Ende 2024 festgenommen wurde, gibt es keine Anklage. Er wird als sogenannter ungesetzlicher Kombattant festgehalten. Israel hat dem Arzt vorgeworfen, Mitglied der Hamas zu sein. Es kursiert ein Foto, das ihn in Uniform zeigt. Sein Sohn sagt dem ARD Studio Tel Aviv, das Foto zeige ihn als Angestellten der Palästinensischen Autonomiebehörde.

Bekannt wurde Abu Safiya vor allem als Leiter des Kamal-Adwan-Krankenhauses im Gazastreifen. Mehrfach wurde es von der israelischen Armee angegriffen, schließlich eingenommen und zerstört. Bis zum Schluss hatte er sich geweigert, das damals letzte noch funktionierende Krankenhaus im nördlichen Gazastreifen zu räumen.

Kritik an Haftbedingungen

Immer wieder hatte Abu Safiya internationalen Journalisten Interviews gegeben und von den Angriffen der israelischen Armee auf das Gesundheitssystem im Gazastreifen berichtet. Israels Armee hatte die Angriffe damit begründet, dass Terrorgruppen wie die Hamas im Gazastreifen aus Krankenhäusern operieren würden. Beweise dafür gab es häufig nicht. Dafür wurden immer wieder Krankenhäuser angegriffen, in denen beispielsweise Intensivpatienten versorgt wurden.

Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Haftbedingungen von Abu Safiya. In ihren Augen sind sie beispielhaft für die Lage Tausender weiterer Gefangener aus dem Gazastreifen. Sie berichten von systematischer Folter in israelischen Gefängnissen und Lagern. Etliche Fälle sind dokumentiert.

Familie sorgt sich

Abu Safiyas Sohn Iliyaz konnte den Gazastreifen verlassen. Im Gespräch mit der ARD macht er sich Sorgen um seinen Vater. „Leider durchleben wir als Familie die schwersten Momente unseres Lebens, besonders in diesen Stunden, in denen mein Vater hinter Gittern leidet. Und natürlich führen wir ein Leben, das nicht normal ist. Ein Leben wie in der Hölle. Mein Vater wird im Gefängnis gefoltert und wir erleben draußen dasselbe Leid und denselben Schmerz.“

Ob internationaler Druck zur Freilassung von Hussam Abu Safiya führt, ist unklar. Die Haft wurde verlängert und könnte noch mindestens vier weitere Monate andauern.

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Dr. Heinrich Krämer
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