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Erste Stellungnahme: VW-Chef nennt Größenordnung bedrohter Jobs

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 13, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Erste StellungnahmeVW-Chef nennt Größenordnung bedrohter Jobs

Oliver Blume nimmt die Zahl 50.000 nun selbst in den Mund. (Foto: REUTERS)

Lange schweigt der VW-Vorstand zu den radikalen Sparplänen, über die seit Wochen berichtet wird. Im Intranet skizziert Oliver Blume erstmals, dass die Personalkosten drastisch sinken sollen. Tatsächlich stehen Zehntausende weitere Arbeitsplätze auf dem Spiel. Auch zu Werksschließungen äußert er sich.

Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume hat erstmals das mögliche Ausmaß der erwarteten zusätzlichen Einschnitte bei Europas größtem Autobauer genannt. Ohne Veränderung der Arbeitskosten würde sich eine Größenordnung von rund 50.000 Stellen weltweit ergeben, sagte er in einem internen Interview im Volkswagen-Intranet.

Diese Zahl ergibt sich laut Blume aus dem Vorhaben, die Kosten für Verwaltung, Infrastruktur und Unterstützung des Kerngeschäfts auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu senken. Die entsprechenden Kosten lägen bei Volkswagen noch um 20 Prozent über dem Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen. Das bedeute, dass „eine theoretische Ableitung ohne Veränderung der Arbeitskosten rund 50.000 Stellen weltweit ergeben“ würde.

Derzeit werde in allen Marken, Gesellschaften und Regionen ermittelt, welche Anpassungen nötig und möglich seien. Personalkosten ergäben sich neben der Zahl der Beschäftigten aus den Arbeitskosten. „Diesen Hebel müssen wir ebenfalls ziehen“, sagte er und deutete damit an, dass der genaue Personalabbau noch nicht feststehe.

„Sobald Entscheidungen getroffen werden, informieren wir transparent und umfassend“, wird Blume zitiert. Bisher seien keine Details des Sparplans, an dem seit Januar gearbeitet werde, genannt worden, weil es noch keine Zustimmung der zuständigen Gremien gebe.

„Gespräche im Aufsichtsrat kommen gut voran“

Die Gespräche darüber kämen im Aufsichtsrat, anders als es nach Medienberichten den Anschein habe, gut voran. Insidern zufolge war Blumes Restrukturierungsplan in der vergangenen Woche mit der Mehrheit aus Vertretern der Arbeitnehmer und des Landes Niedersachsen abgeschmettert worden.

Was konkret im abgelehnten Paket steht, ist bisher nur aus Medienberichten bekannt – demnach sind insgesamt bis zu 100.000 Stellen in Gefahr, sogar von 120.000 war die Rede. Das wäre eine Verdopplung der vor zwei Jahren beschlossenen Ziele. Die nun von Blume genannte Größenordnung passt somit zu den Berichten. Denn vor zwei Jahren hatte Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland bis 2030 angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte hätten bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben, bis zum Jahresende sollten rund 27.000 Beschäftigte ausgeschieden sein, sagte Blume nun.

Auf dem Tisch liegen sollen auch Pläne, in Deutschland mehrere Werke zu schließen. Blume sagt dazu, in Europa müsse noch eine Überkapazität von 500.000 Einheiten abgebaut werden. „Die Wahrheit ist auch, dass wir heute für die Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm in den 30er-Jahren noch keine wettbewerbsgerechte Belegung bestätigen können.“ Es gebe aber intelligentere Lösungen, als ein Werk zu schließen.

Mut mache, dass die Fabrikkosten bei Volkswagen an den deutschen Standorten allein im vergangenen Jahr um 20 Prozent gesunken seien – das zeige in die richtige Richtung, sagte der Konzernchef. Auch alternative Lösungen würden geprüft, so sei Volkswagen für den Standort Osnabrück mit Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie „in fortgeschrittenen Gesprächen“. Er betonte: „Uns ist es wichtig, Beschäftigung zu sichern.“

Für Mitarbeiter „nicht mehr auszuhalten“

Zuvor hatte der bei Volkswagen mächtige Betriebsrat einen großen Vertrauensverlust in der Belegschaft ausgemacht. Ein Sprecher des Betriebsrates sagte am Sonntag, für Beschäftigte, Zulieferer, Dienstleister und ganze Standortregionen, die am größten Industriekonzern Deutschlands hingen, sei eine schwer erträgliche Lage entstanden: „Insbesondere für unsere mehr als 40.000 Kolleginnen und Kollegen an den namentlich seit Wochen bekannten fünf Standorten Emden, Hannover, Neckarsulm, Osnabrück und Zwickau, deren früher oder später drohendes Aus seit Wochen die Schlagzeilen beherrscht, ist dieser Zustand schlicht nicht mehr auszuhalten.“

Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay forderte, Volkswagen müsse sich immer zum Standort Deutschland bekennen. „Es ist mit Blick auf den internationalen Wettbewerb absurd, darüber nachzudenken, hoch qualifiziertes Personal nach Hause zu schicken und top moderne Fabriken auslaufen zu lassen“, sagte der Grünen-Politiker.

In Emden sagte Oberbürgermeister Tim Kruithoff, er habe schon am Tag der Aufsichtsratssitzung deutlich gemacht, dass Volkswagen „kreative und intelligente Lösungen entwickeln muss, anstatt immer wieder über Werksschließungen oder einen schleichenden Rückbau von Standorten zu diskutieren“. Für Emden erwarte er „eine langfristige Perspektive mit neuen Produkten, neuen Aufgaben und weiteren Investitionen“. Der parteilose Politiker betonte: „Die Beschäftigten haben den Wandel zur Elektromobilität mitgetragen, sie haben ihren Beitrag geleistet und verdienen Respekt.“

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag, Sebastian Lechner, machte klar: „Volkswagen ist mit Niedersachsen und seinen Menschen auf besondere Weise verbunden. Deshalb haben der Erhalt und die Zukunftsfähigkeit der niedersächsischen Standorte für uns als Landespolitik höchste Priorität.“ Er mahnte einen schnellen, klaren und verbindlichen Zukunftsplan an: „Volkswagen braucht wettbewerbsfähige Produkte, effizientere Strukturen und konkrete Investitionsperspektiven für seine Werke.“

Quelle: ntv.de, chl/dpa/rts

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