Im April wurde die untergetauchte Rechtsextremistin Liebich in Tschechien gefasst – nun ist sie nach Deutschland gebracht worden. Zumindest vorerst soll sie ins Frauengefängnis in Chemnitz kommen.
Neonazi Marla Svenja Liebich ist von Tschechien nach Deutschland gebracht worden. Das teilte die tschechische Polizei am Vormittag auf der Plattform X mit.
Im Anschluss wurde die verurteilte Rechtsextremistin von der Ländergrenze in das Frauengefängnis in Chemnitz gebracht, wie Oberstaatsanwalt Dennis Cernota der Nachrichtenagentur dpa sagte. Nun muss die Anstaltsleitung des sächsischen Gefängnisses entscheiden, ob Liebich dort einsitzt.
Bei der Ankunft in der JVA Chemnitz um 11.40 Uhr habe Liebich „voll kooperiert“, es sei zu keinen besonderen Vorkommnissen gekommen, sagte Cernota.
Eineinhalb Jahre Haft
In Deutschland soll die 55-Jährige eine Haftstrafe von eineinhalb Jahren verbüßen. Im Juli 2023 hatte das Amtsgericht Halle die Rechtsextremistin – damals als Mann mit dem Vornamen Sven – wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung verurteilt.
Ursprünglich sollte Liebich die Haft schon Ende August 2025 antreten, war jedoch geflohen. Erst im April dieses Jahres wurde sie aufgrund eines Europäischen Haftbefehls in Tschechien gefasst und ins tschechische Pilsen (Plzen) gebracht. Dort entschied das Gericht Anfang Juni, dass sie an die deutschen Behörden übergeben werden soll. Das Oberlandesgericht in Prag wies später Beschwerden der 55-Jährigen gegen die Auslieferung ab.
Missbrauch des Selbstbestimmungsrechts?
Liebich wehrte sich gegen das Urteil des Amtsgerichts, scheiterte damit jedoch. Nach der Verurteilung zu der Haftstrafe hatte Liebich dann das Geschlecht von männlich auf weiblich ändern lassen, der Name wurde von Sven in Marla Svenja angepasst. Kritiker hielten das für eine Provokation und sprachen von einem Missbrauch des Selbstbestimmungsgesetzes.
Liebich ist eine bundesweit bekannte Figur der rechtsextremen Szene. Seit 2014 hatte sie regelmäßig Demonstrationen organisiert, oft auf dem Marktplatz in Halle in Sachsen-Anhalt. Immer wieder kam es dabei auch zu Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten. Mehrfach mussten sich Gerichte mit Beschuldigungen gegen Liebich auseinandersetzen.
