Marktbericht
Angetrieben vom KI-Boom hat Europas wichtigster Chipkonzern seine Umsatzziele deutlich übertroffen. Für 2026 winkt ASML ein Rekordjahr. Doch ein Unsicherheitsfaktor bleibt.
Europas wertvollstes Börsenunternehmen hat heute seine Bücher geöffnet. Im abgelaufenen Quartal stieg der Umsatz auf 9,33 Milliarden Euro (Vorjahr: 7,7) und der Nettogewinn auf 2,92 Milliarden (Vorjahr: 2,3). Analysten hatten mit deutlich niedrigeren Werten gerechnet. Die Aktie legte um rund vier Prozent zu.
Der Grund für die Spitzenposition von ASML ist eine technologische Monopolstellung: Das Unternehmen ist der weltweit einzige Hersteller von Maschinen mit extremer ultravioletter Lithografie (EUV). Diese sind für die Produktion der modernsten Halbleiter unverzichtbar, die für Anwendungen im Bereich künstlicher Intelligenz (KI) benötigt werden.
„Unsere Kunden beschleunigen ihre Pläne zum Kapazitätsausbau“, erklärte Konzernchef Christophe Fouquet. Die größten Chiphersteller der Welt wie TSMC, Samsung oder Micron rüsteten ihre Fabriken auf, um die explodierende Nachfrage zu bedienen. Um diesen Bedarf zu decken, will ASML seine Produktionskapazitäten in den kommenden beiden Jahren um jeweils 30 Prozent ausweiten.
Dies gilt sowohl für die Spitzen-Anlagen der EUV-Klasse als auch für die DUV-Maschinen der vorherigen Generation. Als Beleg für die technologische Führungsposition wertete Fouquet die Ankündigung, dass der US-Konzern Intel als erster Kunde die völlig neue, noch leistungsfähigere Anlagengeneration von ASML zur Herstellung seiner fortschrittlichsten Chips einsetzen wird.
IT-Unternehmen wie Microsoft und die Google-Mutter Alphabet investieren Hunderte Milliarden Dollar in den Ausbau ihrer Rechenkapazitäten und benötigen Chips. Davon profitiert ASML mit seinen Maschinen. In der ersten Jahreshälfte sei der Auftragseingang „äußerst stark“ geblieben, sagte Fouquet.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet ASML mit einem Umsatz zwischen 43 und 45 Milliarden Euro. Das wäre der höchste Umsatz der Firmengeschichte. Im April hatte der Vorstand die Prognose schon einmal angehoben. Die Bruttomarge soll mit 54 bis 56 Prozent nun ebenfalls höher ausfallen als zuletzt gedacht.
Experten zufolge könnten die Produktionskapazitäten von ASML bis Ende 2027 ausgebucht sein. Ein Unsicherheitsfaktor bleibt jedoch das Geschäft mit China. Aufgrund von US-geführten Exportbeschränkungen darf ASML seine modernsten Anlagen nicht dorthin verkaufen. Dennoch ist die Nachfrage nach weniger fortschrittlichen DUV-Maschinen in der Volksrepublik ungebrochen stark.
Finanzvorstand Roger Dassen bekräftigte die Schätzung, dass chinesische Kunden in diesem Jahr etwa 20 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen werden. „Der chinesische Markt entwickelt sich im Gleichklang mit dem, was wir weltweit sehen“, sagte Dassen. Ein Risiko bleibt jedoch, dass die US-Regierung die Exportregeln weiter verschärfen könnte.
Anleger jedenfalls bleiben euphorisch. Die Papiere von ASML halfen heute auch der deutschen Halbleiterbranche teilweise nach oben. Technologiekonzern Jenoptik profitierte von den ASML-Aussagen mit einem Plus von 2,6 Prozent. Dagegen sackten die Aktien des Halbleiterherstellers Infineon um 2,3 Prozent ab. Der DAX ringt weiter mit der psychologisch wichtigen Marke von 25.000 Punkten.
Seit Längerem wetten Anleger auf die große Zukunft der Künstlichen Intelligenz. Doch es werden auch Stimmen lauter, die den KI-Boom und die Milliarden-Investitionen in Künstliche Intelligenz kritisieren. Analysten an der Börse jedenfalls stecken ihre Erwartungen immer höher.
