Stühlerücken in Genf: Im Palais Wilson tauschen zwei UN-Einrichtungen die Räumlichkeiten. Das Menschenrechtsbüro zieht aus, das Flüchtlingshilfswerk zieht ein. Beide haben dafür denselben Grund: sparen.
Schublade um Schublade räumen die Mitarbeiter aus, ziehen unzählige Namensschilder von diversen Konferenzen aus dem Schrank. Damit füllen sie eine große schwarze Mülltonne fast bis zum Rand. Sie steht hinter einer der historischen Flügeltüren des Palais Wilson direkt am Genfer See. Alles muss raus, auch die Überbleibsel aus den fast 30 Jahren, in denen das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte hier gewaltet hat.
Es sei ein Privileg, hier gearbeitet zu haben, sagt Marta Hurtado, Sprecherin des Hochkommissariats. „Es steht für den ersten Versuch, multilateral zu arbeiten – als erstes Hauptquartier des Völkerbundes. Hier sind zum ersten Mal Länder zusammengekommen und haben versucht, Konflikte friedlich zu lösen.“
Stellen streichen und Kosten senken
Im 19. Jahrhundert als nobles Hotel errichtet, wurde der Palais Wilson von 1920 bis 1936 zum ersten dauerhaften Sitz des Völkerbundes, dem Vorläufer der Vereinten Nationen. Geblieben ist der Name – nach US-Präsident Wilson, der eine entscheidende Rolle bei der Gründung des Völkerbundes spielte.
Doch die Miete und Nebenkosten – rund dreieinhalb Millionen Euro pro Jahr – sind in diesen Zeiten zu hoch. „Wir mussten 300 Stellen streichen und die Kosten um 10 Prozent senken“, sagt Hurtado. Die Entscheidung für einen Umzug wurde zwar schon lange vor der UN-Finanzkrise gefällt, aber jetzt passt sie umso besser.
Der Umzugswagen steht schon bereit: Das Hochkommissariat für Menschenrechte soll nun auf dem Gelände des UN-Hauptquartiers sein neues Zuhause finden.
Das Hochkommissariat für Menschenrechte zieht nun in das sogenannte H-Gebäude, einen Neubau auf dem Gelände des UN-Hauptquartiers. Es ist das architektonische Gegenstück zum historischen Palais Wilson: modern, eckig, Glasfassaden und Drehtüren. Hier sitzen auch diverse andere UNO-Organisationen, zum Beispiel das Team, das den Menschenrechtsrat organisiert.
Eine andere UN-Einrichtung wittert ihre Chance
Die Vereinten Nationen schrumpfen derzeit wie nie zuvor. Die USA zahlen viele ihrer Beiträge nicht mehr. Das reißt eine Milliardenlücke. Auch viele europäische Staaten, darunter Deutschland, kürzen ihre humanitäre Hilfe deutlich. In Genf heißt es deshalb: sparen, sparen, sparen – und auch: umziehen, um über die Runden zu kommen.
Die Umzugspläne hat auch eine weitere UN-Organisation mit Sitz in Genf mitbekommen – das Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Es ist ebenfalls heftig von den Kürzungen betroffen. Der Hauptsitz in Genf wird damit zu groß. Das UNHCR ziehe deshalb jetzt in den Palais Wilson, sagt Sprecher Matthew Saltmarsh dem ARD-Studio Genf.
„Wir haben so viel Personal verloren, auch hier im Hauptquartier. Das neue Gebäude ist viel kleiner.“ So werde es weniger Leerstand geben. „Und wir sparen viel Geld, etwa die Hälfte der Miete“, so Saltmarsh.
Der eine spart durch den Einzug, der andere durch den Auszug.

