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Politik

Bundesregierung: Ostdeutsche haben seltener Spitzenämter

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 16, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 16.07.2026 • 17:27 Uhr

Bis heute gibt es in Politik, Justiz oder Wirtschaft eine „Repräsentationslücke Ost“. Heißt: Top-Jobs gehen eher an Westdeutsche. Das gesteht auch die Bundesregierung ein. Die Linke fordert Veränderung.

Frank Aischmann, MDR

Im Grunde reicht der Taschenrechner: Knapp 20 Prozent der Gesamtbevölkerung sind Ostdeutsche. Aber unter den Abteilungsleitern der Bundesministerien finden sich keine 20 Prozent – nur 8,8 Prozent haben eine Ostbiografie. Ähnlich die Zahl bei Richtern oberer Bundesgerichte. Keine der Hochschulen des Bundes und kein Bundesforschungsinstitut wird von einem Ostdeutschen oder einer Ostdeutschen geleitet.

Und selbst eine Erfolgszahl der Regierung klingt da bescheiden: In den obersten Bundesbehörden arbeiteten vor vier Jahren nur 14 Prozent Ostdeutsche, inzwischen sind es 15,5 Prozent. Wenig ermutigend also die Zahlen, die die Bundesregierung auf die Anfrage der Linken im Bundestag lieferte, insbesondere vor den drei bevorstehenden Landtagswahlen im Osten, sagt die in Greifswald geborene Linkenabgeordnete Ina Latendorf.

„Wir erleben gerade große Erdbeben im politischen Bereich, den Niedergang der sogenannten Volksparteien in Umfragen und im Vertrauen gegenüber der Politik“, sagt Latendorf. Es fehle der politische Weitblick und Wille, hier Veränderungen vorzunehmen.

Linke sieht Mangel

Die Linkenpolitikerin betont: „Es geht weniger um die Geografie als um die Sozialisation. Da gibt es große Unterschiede, auch mit der Lebenserfahrung, die nicht nur auf eine Generation beschränkt ist.“ Es sei ein Mangel, dass „Lebenserfahrung, die in den 1990er-Jahren gemacht wurde“, in der Bundesregierung maximal in den unteren Hierarchien vorhanden sei.

Schließlich solle die ganze Bundesrepublik mit ihren Erfahrungen repräsentiert werden, und das sei nicht der Fall.

Die Bundesregierung erkenne das durchaus an, räumen auch die Linken im Bundestag ein. Im Koalitionsvertrag gab es ein eigenes Kapitel Ost mit Lob für das Erreichte und die so wichtigen Transformationserfahrungen. Und es gibt weiterhin eine Ostbeauftragte der Bundesregierung. Sie heißt Elisabeth Kaiser, kommt von der SPD und stammt aus Gera.

Ostbeauftragte spricht von zähem Job

Kaiser gibt freimütig zu: Manchmal sei das schon ein zäher Job und immer wieder für sie und Ostdeutsche insgesamt frustrierend, dass man das Gefühl habe: „Wir reden schon so lange darüber und trotzdem ist das Verständnis nicht so da.“ Denn natürlich: Die 20 Prozent – das ist eine Minderheit. Und so muss die Ostbeauftragte gerade bei der westdeutschen Mehrheit Verständnis suchen.

„Das ist alles nicht in ihrem Lebensalltag, spielt keine Rolle, und so ist es schwer, Verständnis aufzubringen wenn man immer nur die Finanzdebatten hört und das Geld, das in den Osten geht. Und wenn die Straßen bei einem kaputt sind, und die Stadtentwicklung schwierig, dann fragt man sich, warum ist das so wichtig?“, sagt die Ostbeauftragte. Es sei ein ständiges Werben und sie mache langsame Fortschritte, meint Kaiser.

Aber warum schaffen es bis heute so wenige Ostdeutsche bis in Führungspositionen des Landes? Die Linkenabgeordnete Latendorf beschreibt ihren – durchaus typischen – Fall: Anfang der 1990er-Jahre nahm sie ihr Jurastudium auf, zugleich wurden Juristen im Osten gesucht. Die kamen dann aus dem Westen. Und nach dem Studium waren die Jobs besetzt.

Westdeutsche Netzwerke im Osten

Es habe die Erzählung gegeben, dass es eine riesige Fluktuation gibt, wenn die Menschen „aus den 90er-Jahren“ aus dem Berufsleben aussteigen. „Das ist bisher nicht eingetreten“ sagt Latendorf.

Weil inzwischen eingeführte westdeutsche Netzwerke im Osten funktionieren, Ostdeutsche dagegen weiterhin tendenziell zurückhaltender auftreten in Bewerbungsverfahren, sagt die Linkenpolitikerin. Absehbar, dass die nächste Anfrage an die Bundesregierung im nächsten Jahr ähnliche Ergebnisse bringen wird.

Trotzdem sei es wichtig, über die „Repräsentationslücke Ost“ zu reden, macht sich Latendorf Mut: „Um Defizite aufzuzeigen, Selbsterkenntnis herbeizuführen und die Bundesregierung dazu zu bewegen, politisch etwas bewegen zu können und wollen – und da hilft ja jede Erkenntnis.“

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