Zum 80. Geburtstag gibt es für Bruneis Sultan eine große Parade. Zwar ist die politische Freiheit der Bevölkerung in dem südostasiatischen Staat stark eingeschränkt – dennoch ist der Alleinherrscher beliebt.
Schulkinder säumen die Straße in Bruneis Hauptstadt Bandar Seri Begawan, schwenken die gelbe Nationalflagge des Landes, während Sultan Hassanal Bolkiah in einem seiner vielen Oldtimer vorbeifährt. Am Festplatz angekommen, beobachtet er von einer Tribüne die große Militärparade zu seinem 80. Geburtstag, neben ihm sind seine Söhne. Insgesamt hat Sultan Hassanal Bolkiah zwölf Kinder aus drei Ehen.
Über das Leben des Sultans erfährt man mehr im Royal Regalia Museum im Stadtzentrum, nur wenige hundert Meter von der Zeremonie entfernt. Seit dem Tod von Queen Elizabeth ist Sultan Hassanal Bolkiah der am längsten amtierende Monarch der Welt.
Mit 21 Jahren wurde er zum Sultan gekrönt. Zwei Jahre zuvor hatte er seine Cousine ersten Grades geheiratet. Mit Königin Saleha lebt er noch heute im Palast, wohingegen seine zwei späteren Ehen mit einer Flugbegleiterin und einer Fernsehmoderatorin geschieden sind.
Brunei liegt auf der Insel Borneo in Südostasien und ist kleiner als Schleswig-Holstein.
Palast mit 1.700 Zimmern und eigener Rennstrecke
Brunei liegt auf der Insel Borneo, mitten in Malaysia in Südostasien. Anfang des Jahres war Bundesaußenminister Johann Wadephul zu Besuch in dem muslimischen Sultanat. Noch im Mai besuchte der Sultan auf Einladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Berlin. Flächenmäßig ist Brunei kleiner als Schleswig-Holstein, hat rund 450.000 Einwohner und ist eine absolute Monarchie.
Das Herrschaftsgebiet des Sultans ist zwar klein, aber er sitzt auf einem Schatz aus Rohstoffen. Brunei ist einer der größten Ölproduzenten Südostasiens und einer der weltweit wichtigsten Exporteure von Flüssigerdgas. Der Export dieser Rohstoffe hat Brunei reich gemacht.
Das Vermögen des Sultans wird auf rund 25 Milliarden Euro geschätzt. Sein Palast gilt als der größte der Welt, mit mehr als 1700 Zimmern, rund 250 Badezimmern und fünf Swimmingpools. Im Museum können sich Besucher den Prunksaal des Palasts als Miniatur-Modell anschauen, wo auch sein Geburtstag mit internationalen Gästen gefeiert wird.
Sultan Hassanal Bolkiah hat alle wichtigen Ämter des Landes inne.
Seine Sammlung von etwa 7.000 Luxusautos – darunter Schätzungen zufolge 600 Rolls-Royce und 450 Ferraris – gilt ebenfalls als die größte der Welt. Um die Luxuskarossen gebührend nutzen zu können, ließ Bolkiah auf dem Palastgelände eine Rennstrecke bauen. Bis 1991 galt er als reichster Mann der Welt, bevor Tech-Milliardäre wie Bill Gates und Elon Musk ihn von der Spitze der Rangliste verdrängten.
Sultan bekleidet alle wichtigen Ämter
Als einer der letzten absoluten Herrscher der Welt hat Bolkiah fast alle wichtigen Ämter des Landes inne. Er ist Premierminister, Finanzminister, Außenminister, Verteidigungsminister, Oberbefehlshaber der Armee, Chef der Polizei und oberster Hüter des Islam.
Er ist der mächtigste Politiker Südostasiens, was diese Fülle an Rollen und Aufgaben angeht.
Dominik Müller beschäftigt sich seit Jahren mit Brunei, hat das Land mehrfach bereist. Obwohl er die Möglichkeit hätte, sei der Sultan kein diktatorischer Gewaltherrscher, sagt er. Es sei ein etwas subtileres Spiel der Machterhaltung, erklärt Müller.
Wichtige Entscheidungen verkündet der Sultan in seinen seltenen Reden an das Volk. Gesetze erlässt er per Dekret. Das Parlament hat nur beratende Funktion. Die Mitglieder kommen einmal im Jahr zusammen. Wahlen gibt es nicht.
Homosexuellen droht der Tod durch Steinigung
Mit zunehmendem Alter scheint der Sultan immer konservativer geworden zu sein. Massive internationale Kritik gab es, als der Sultan 2014 das islamische Recht der Scharia einführte. Sex vor der Ehe, Abtreibung oder Ehebruch sind verboten. Seit 2019 kann Dieben die Hand und Wiederholungstätern der Fuß abgetrennt werden. Homosexuellen droht auf dem Papier sogar der Tod durch Steinigung.
Daraufhin gab es Proteste und Boykottaufrufe gegen internationale Hotels der Herrscherfamilie. Unterstützt von Prominenten wie George Clooney und Elton John. Der Sultan erklärte schließlich, dass das seit Jahrzehnten geltende Moratorium für die Todesstrafe auch für die meisten Scharia-Urteile gelte.
Tatsächlich wurde in Brunei seit 1957 niemand mehr hingerichtet. Für Menschen aus der LGBTQI+-Community ist das Leben im Land mit den Scharia-Gesetzen jedoch deutlich schwieriger geworden.
Bruneis Sultan Hassanal Bolkiah feiert seinen 80. Geburtstag mit einer großen Parade.
„Sultan hilft uns, uns selbst zu kontrollieren“
Brunei sei ein muslimischer Staat, da gehöre die Scharia selbstverständlich dazu, sagt eine Museumsführerin aus dem Royal Regalia Museum. „Für uns bedeutet es weniger Kriminalität. Jeder weiß, welche Strafen drohen. Unser Sultan erinnert uns mit dem Gesetz daran, was richtig ist und hilft uns, uns selbst zu kontrollieren.“ Sie fühle sich dank der Gesetze sicherer.
In vielen Bereichen weicht Brunei jedoch vom Klischee eines Scharia-Staates ab. Frauen dürfen Auto fahren, Sport machen, zur Universität. Sie machen rund 40 Prozent der Arbeitskräfte des Landes aus, sind Richterinnen, Staatsanwältinnen, haben verantwortliche Positionen in Ministerien. Fast niemand im Land verliert ein schlechtes Wort über den Sultan. Das steht in Brunei allerdings auch unter Strafe.
Brunei: „Wohlfühlstaat“ trotz eingeschränkter Freiheit
Obwohl Freiheitsrechte also stark eingeschränkt sind, bildet sich kein organisierter Widerstand. Denn Brunei ist für die Mehrheit der Bevölkerung ein „Wohlfühlstaat“: stabil, sicher, friedlich. „Die Menschen leben in einem komfortablen Kokon. Und dieser Kokon verhindert jede Rebellion“, sagt Südostasien-Expertin Marie-Sybille de Vienne.
Mit dem Geld aus dem Öl- und Gasexport finanziert Brunei einen umfangreichen Wohlfahrtsstaat. Bildung ist kostenlos, sei es Schule oder Universität. Grundnahrungsmittel werden subventioniert. Für einen Arztbesuch müssen die Einwohner nur einen Dollar auf den Tisch legen – egal ob der Arzt einen Schnupfen behandelt oder ein gebrochenes Bein. Es gibt weder eine Mehrwert- noch eine Einkommenssteuer.
Sultan Bolkiah ist beliebt und gilt als nahbar. Ein weiterer Höhepunkt seiner mehrwöchigen Geburtstagsfeierlichkeiten ist eine Reise durchs gesamte Land. Dabei trifft er Bürger persönlich, nimmt Briefe entgegen und posiert für Fotos. Er kümmere sich um die Probleme, sagt die Museumsangestellte, und sei es nur das Schlagloch vor ihrer Haustür.
Seine guten Taten sind auf dem Festplatz in der Hauptstadt auf einem großen Banner festgehalten und werden auch gerne im Staatsfernsehen in Szene gesetzt. So auch in diesen Tagen rund um den 80. Geburtstag des am längsten amtierenden Monarchen der Welt.

