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Startseite»Nachrichten»FIFA-Knall ist terminiert: Die UEFA hat auch Glück bei ihrem Mut-Anfall
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FIFA-Knall ist terminiert: Die UEFA hat auch Glück bei ihrem Mut-Anfall

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 31, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Die UEFA tritt als Einheit auf – und wehrt sich machtvoll gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino. Dessen WM-Verkaufsplan droht auch deswegen zu scheitern. Das ist ein wichtiges Zeichen des Europäischen Fußball-Verbands. Der Zeitpunkt ist aber auch passend.

Der UEFA ist Bemerkenswertes gelungen. Innerhalb weniger Stunden gibt es beim Europäischen Fußballverband derartige Einigkeit, dass man sich einstimmig gegen die FIFA stellt. Die Androhung des Boykotts von Weltmeisterschaften ist eine radikale Maßnahme. „Europas Position ist eindeutig. Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität verleihen. Niemand hat das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet“, schrieb die UEFA nach einer Dringlichkeitssitzung.

Herzlichen Glückwunsch dazu! Es ist ein wichtiges Zeichen, noch dazu, wo es für jeden Mitgliedsverband um viel Geld geht: 20 Millionen Euro Bonus stellt die FIFA in Aussicht, wenn der Deal zustande kommt, den Gianni Infantino bei der FIFA durch den Verkauf von Anteilen an Weltmeisterschaften an private Investoren abschließen will. Kritiker sprechen daher auch von Bestechung. Doch dieser ist augenscheinlich niemand in der UEFA erlegen. Und das ist ein mächtiges Zeichen.

Doch der Hinweis sei erlaubt: Der Zeitpunkt für den Mut-Anfall der UEFA und ihrer Mitgliedsverbände ist perfekt. Die Weltmeisterschaft der Männer, von der die UEFA-Mitgliedsnationen neben dem Prestige auch finanziell maßgeblich partizipieren, ist gerade unter lautem Getöse zu Ende gegangen. 13 Milliarden Euro Einnahmen hat die WM der FIFA beschert, hatte Infantino verkündet. Der nächste milliardenschwere Geldregen steht für die FIFA erst 2029 an: die nächste Klub-WM. Die FIFA beteiligt ihre Mitgliedsnationen mit jährlichen Zahlungen am wirtschaftlichen Erfolg. Bei der Klub-WM schüttete sie eine Milliarde Dollar über den Vereinen aus, das Geld ging zum größten Teil nach Europa. Verzichten die Nationen auf die Männer-WM, die größte Bühne und die größte Geldmaschine des Welt-Fußballs, wäre das schmerzhaft. Prämien brechen weg, die Sponsoren und TV-Anstalten würden zum Sturm auf die Verbandszentralen rufen.

Schon in vier Wochen steht WM an

Weil der angekündigte Boykott aber alle Fußball-Weltmeisterschaften betrifft, stehen andere Turniere zunächst zur Disposition. Es geht eben nicht nur um die WM der Männer, an die vorrangig alle beim Wort Weltmeisterschaften denken. Es ist fraglich, ob die UEFA so einstimmig agieren würde, wenn das größte Aushängeschild des Sports vor der Tür stünde.

UEFA bereitet „Kampfkandidatur gegen Infantino“ vor

So aber sind in den kommenden Monaten vor allem die Frauen vom angedrohten Boykott betroffen. Bereits vom 5. bis 27. September soll die U20-WM der Frauen stattfinden – in Polen. Also ein Turnier in Europa mit sechs Teilnehmerteams aus dem Kreis der UEFA: Polen als Gastgeber, dazu Spanien, Frankreich, Italien, Portugal und England. Es wäre entsprechend nicht nur so, dass die europäischen Teams dem Turnier fernbleiben könnten, sondern der Ausrichter würde wegbrechen, wenn die UEFA und Polen im Konkreten stark bleiben. Innerhalb eines Monats einen neuen Ausrichter zu finden, würde eine enorme Herausforderung für die FIFA. Die andere Möglichkeit: das Turnier absagen.

Das erste Erwachsenen-Turnier, das vom Boykott betroffen wäre, ist im kommenden Sommer die WM der Frauen in Brasilien. Von den 32 teilnehmenden Nationen kommen elf aus Europa – darunter die amtierenden Weltmeisterinnen aus Spanien. Auch das DFB-Team hat sich sportlich bereits qualifiziert. Nun ist bis zum kommenden Sommer noch viel Zeit – aber auch die europäischen Playoffs im Oktober wären von einem Boykott betroffen. Schließlich ist es unnütz, eine Qualifikation für ein Turnier auszutragen, an dem man gar nicht teilnehmen möchte.

Das Fehlen Europas wäre für die FIFA ein krasser Einschnitt. Das Ansehen leidet enorm. Finanziell wäre es allerdings nur ein kleiner Makel. Zwar hatte die FIFA nach der WM 2023 in Australien und Neuseeland von Rekordeinnahmen in Höhe von gut 495 Millionen Euro berichtet. Es ist also nicht mehr so, dass das Turnier der Frauen ein Zuschussgeschäft ist. Es ist allerdings auch nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Bei den Männern hat es eben mehr 26 Mal so viel wie bei den Frauen gegeben. Bei der Klub-WM war es das Vierfache, etwa zwei Milliarden Euro.

UEFA kann Einheit – wenn sie will

Was der UEFA definitiv positiv zuzuschreiben ist: Sie geht beispielhaft voran. Die nationalen Verbände sind aufgeschreckt, haben festgestellt, dass sie als Einheit mächtig auftreten können. (Zu) lange haben sie das nicht gemacht, Infantino und seinem Gebaren Nichts entgegengesetzt. Bis jetzt. Neben dem europäischen Verband stemmen sich auch der Verband von Nord- und Mittelamerika sowie Asien gegen die Pläne Infantinos. Obwohl diesem eine einfache Mehrheit reicht, also 106 der 211 Mitgliedsverbände auf seiner Seite benötigt, hätte er keine Chance auf Zustimmung, wenn jeder Mitgliedsverband tatsächlich so geeint gegen den Verkauf stimmt, wie es die Kontinentalverbände aussehen lassen. Die Idee ist dann krachend gescheitert und der bislang als unantastbar wirkende Infantino schwer beschädigt.

Das Ergebnis ist es, was zählt. Womöglich ist es also vielleicht glücklich gelaufen, dass die Männer-WM gerade vorbei war, als Infantino seine neuesten Pläne präsentierte. Es war der perfekte Zeitpunkt für die UEFA, klare Kante zu zeigen, ohne das Allergrößte aufs Spiel zu setzen.

Verwendete Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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