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Politik

UN-Menschenrechtsrat: Der Versuch, Menschenrechte vor KI zu schützen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerOktober 7, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 07.10.2026 • 02:11 Uhr

Debatten über die Zukunft Künstlicher Intelligenz drehen sich zunehmend um ihre Auswirkungen auf die Menschheit. Nun hat sich der UN-Menschenrechtsrat mit dem Thema befasst – und einstimmig eine Resolution verabschiedet.

Sandra Biegger

Als der UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk die 63. Sitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf Anfang September eröffnet, trägt er mit eindringlichen Worten eine Art Liste des Grauens vor. In seiner Rede geht es unter anderem um bewaffnete Konflikte und Kriege, die Klimakrise, Desinformationskampagnen und gesellschaftliche Spaltung im großen Stil.

Viel Raum räumt Türk auch dem Thema Künstliche Intelligenz ein. Von der Staatengemeinschaft fordert er mit Nachdruck, die Technologie endlich zu regulieren – für die Sicherheit aller, bevor es zu spät sei. Ansonsten könne KI eine existenzielle Gefahr für die Menschheit werden, zeigt sich der UN-Menschenrechtskommissar überzeugt.

Resolution zum Umgang mit KI verabschiedet

Am Ende ihrer mehrwöchigen aktuellen Sitzung haben die Mitglieder des Menschenrechtsrats jetzt einstimmig eine Resolution zum Umgang mit KI verabschiedet. Der Titel des fünfseitigen Textes: „Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf die Förderung und den Schutz der Menschenrechte“. Titel und Inhalt sollen nahelegen, dass die Mitglieder des Rats KI nicht verteufeln, es komme vielmehr darauf an, wie sie genutzt werde.

Chancen sehen die Verfasser der Resolution etwa darin, dass Künstliche Intelligenz den Zugang zu Informationen, Bildung oder Gesundheitsversorgung erleichtern könne. Ein weiterer Vorteil sei, dass sie wissenschaftliche Forschung und Innovation zu beschleunigen vermag.

Durch die schnellere Auswertung von Daten könnte so etwa besser vor Gefahren wie Naturkatastrophen gewarnt werden. Oder KI könnte beispielsweise helfen, das Krisenmanagement im Fall einer Pandemie zu verbessern.

Schutz von Minderheiten und Schwächeren

Grundvoraussetzung ist laut der Resolution aber, dass die Technologie im Einklang mit dem Völkerrecht angewendet werde und dabei Menschenrechte respektiert würden. Deren Grundgedanke, dass alle Menschen gleich viel wert seien und dieselben Rechte hätten, sei von zentraler Bedeutung. Zum Beispiel wenn es darum geht, Menschen in ärmeren Ländern Zugang zu KI zu ermöglichen.

Wichtig ist den Mitgliedern des Menschenrechtsrats auch, dass Künstliche Intelligenz nicht Diskriminierung, strukturelle Ungleichheiten, Vorurteile und Stereotypen bedient und verfestigt. Diese Gefahr besteht unter anderem, wenn sie mit Daten gefüttert wird, in denen rassistische, sexistische, antisemitische oder andere Vorurteile bereits enthalten sind.

In der jetzt verabschiedeten Resolution steht, vor allem beim Einsatz von KI in der Justizverwaltung, der Migrationssteuerung, im Gesundheits- und Bildungswesen, im sozialen Bereich, an Arbeitsplätzen und auf Arbeitsmärkten müsse darauf geachtet werden. Daneben fordert die Resolution, besonders die Rechte vulnerabler Gruppen zu schützen, etwa die von Kindern, Jugendlichen und Frauen.

„Schrittweise zur engeren internationalen Zusammenarbeit“

Sowohl der UN-Menschenrechtsrat als auch die UN-Generalversammlung haben bereits in der Vergangenheit Resolutionen zum Thema KI verabschiedet. Keine hat zu einem weltweiten Regelwerk geführt.

Michaela Lissowsky von der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung in Genf sieht in der vom Menschenrechtsrat jetzt verabschiedeten Resolution dennoch einen wichtigen Schritt. Die Expertin für Menschenrechte und Völkerstrafrecht sagt: Resolutionen wie diese könnten schrittweise zur engeren internationalen Zusammenarbeit von Staaten beitragen: „Politische Interessen werden ausgelotet. Dies kann zu einer multilateralen Initiative oder einem neuen völkerrechtlichen Vertrag führen.“

Wichtig sei der Vorstoß im Menschenrechtsrat auch, weil hier politisch schwächere Akteure wie Entwicklungsländer und Zivilgesellschaft eingebunden würden. Das sei gerade auch vor dem Hintergrund des Wettstreits um Künstliche Intelligenz zwischen den USA und China wichtig.

Die Vereinten Nationen haben das Thema KI und Menschenrechte auf der Agenda – und wollen es weiter vorantreiben. Im kommenden Sommer beispielsweise findet bereits der zehnte „AI for Good“-Gipfel in Genf statt – veranstaltet mit mehr als 50 UN-Partnerorganisationen. Die Veranstaltung hat das Ziel, praktische Anwendungen von KI zum Wohle der Menschheit auszuloten.

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Dr. Heinrich Krämer
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