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Langroths „Schwarzer Samstag“: Zwischen SS-Schergen und Kuba-Krise

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 1, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Langroths „Schwarzer Samstag“Zwischen SS-Schergen und Kuba-Krise

01.08.2026, 12:17 Uhr Von Thomas Badtke
Havana-Cuba-Cuban-Premier-Fidel-Castro-pictured-during-his-television-broadcast-late-October-23-when-he-discribed-US-President-Kennedy-s-blockade-on-Cuba-as-Piracy-and-declared-that-anyone-who-tries-to-carry-out-an-arms-inspection-in-Cuba-Had-better-come-ready-for-combat
Ein Interview mit Fidel Castro mitten in der Kuba-Krise, dafür nimmt Gerbers Frau Eva einiges auf sich. (Foto: picture alliance/United Archives)

Im Herbst 1962 steht die Welt am atomaren Abgrund. In Deutschland schüttelt zudem die „Spiegel-Affäre“ Politik und Öffentlichkeit durch. Aber können diese beiden Themen zusammenhängen? Bei Ralf Langroth und BKA-Ermittler Philip Gerber geht das – fantastisch!

September 1962: In Großbritannien wird über einen Beitritt zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) diskutiert. In den USA setzt Justizminister „Bobby“ Kennedy 100 FBI-Agenten, unterstützt von einer Pioniereinheit der Armee, in Mississippi ein, weil der dortige Gouverneur einem farbigen Studenten den Zutritt zu einer Universität verweigert hat. „Bobbys“ Bruder wiederum, US-Präsident John F. Kennedy, kündigt indes den Einsatz von Kernwaffen für den Fall an, dass Kuba mit sowjetischer Unterstützung die USA angreifen würde. Heiße Zeiten also. Rückblickend lässt sich heute sagen, dass die Welt nie näher an einem Atomkrieg gestanden hat.

Soviel zur Außenpolitik. Innenpolitisch hat in der Bonner Republik immer noch Konrad Adenauer das Sagen. Aber seine Zeit als Kanzler geht dem Ende zu. Als Nachfolger will sich der Bayer Franz-Josef Strauß in Stellung bringen. Aber er legt sich mit der „vierten Gewalt im Staate“ an, die sogenannte Spiegel-Affäre erschüttert die noch junge Republik – und beendet die Straußschen Kanzlerpläne frühzeitig.

Gerber in seinem Element

Und mittendrin: BKA-Ermittler Philip Gerber und seine Frau Eva Herden, Journalistin im Bonner „Spiegel“-Büro. Auf einer Kreuzfahrt versuchen sie gerade abzuschalten, als ihnen ein paar merkwürdige Gestalten über den Weg laufen. Gerber ist sofort alarmiert, stellt Nachforschungen an – und soll vorerst die Füße stillhalten. Ansage von ganz oben. Aber Gerber wäre nicht Gerber, wenn er das täte.

Ein Feldwebel der Waffen-SS, ein Feuerwerker der Wehrmacht-Elitedivision Großdeutschland und ein Angehöriger der berüchtigten Sondereinheit Dirlewang: Um Tee- und Weinhandel, wie es die offiziellen Papiere vorgeben, dürfte es den Dreien wohl eher nicht gehen. Waffenschmuggel in großem Stil ist da schon eher wahrscheinlicher.

Gerber ermittelt in Hamburg, auf St. Pauli kommt es zu einem Wiedersehen, mit tödlichem Ausgang. Eine bekannte Sängerin stirbt, zuvor war bereits ein Polizist schwer verletzt worden. „Messer-Bruno“ hatte zugestochen. Nun scheint er, ebenso wie der Rest der anrüchigen Gestalten, des braunen Abschaums, auf dem Weg nach Kuba zu sein.

Dahin ist auch Gerbers Frau Eva unterwegs. Sie hat das Angebot eines Interviews mit Kubas neuem Staatschef Fidel Castro erhalten. Eine einmalige Chance, wie sie denkt. Aber vor Ort versucht man sie hinzuhalten, wirft ihr immer wieder bürokratische Steine in den Weg. Erst als sie hinschmeißen und abreisen will, tut sich etwas: Sie wird zu Castro geführt, der gerade Tischtennis spielt und bei dieser Inszenierung einen auf dicke Hose macht.

Eva lässt sich von dem Machtgehabe des „Ultimo Leaders“ nicht beirren, sie hat längst gemerkt, dass im Hintergrund eine ganz große Sache am Laufen ist. Die Kuba-Krise steckt in ihrer heißesten Phase, Waffenschmuggel soll mit Hilfe einer US-Seeblockade verhindert werden. Da erscheint die „Völkerfreundschaft“ vor der Küste der Kubas, ein Kreuzfahrtschiff aus der DDR, an Bord verdiente Genossinnen und Genossen. An Bord befindet sich aber auch ein Geheimagent, den Gerber kurzerhand und auf eigene Kappe an Bord gebracht hat.

Die Sache ist nicht ungefährlich. Erst recht, als der längst tot geglaubte Bruder des Geheimagenten auftaucht, mit Ehefrau und als Landmaschinen-Ingenieur unterwegs. Die Lage droht zu eskalieren – und könnte den Funken liefern, der die Welt in Brand steckt …

Stimmungsvoll, detailreich

Die Welt gibt es noch, wie wir heute sehr gut wissen. Aber das Thema Kuba-Krise gehört zu den wohl spannendsten und geheimnisvollsten der Nachkriegszeit. Perfekt für Bestsellerautor Ralf Langroth und den Titelhelden seiner „Philip Gerber“-Reihe. „Schwarzer Samstag“, erschienen bei Rowohlt und Argon, ist der mittlerweile fünfte Teil der Serie, die auch schon rund um den Berliner Mauerbau spielte und immer wieder historische Meilensteine in die jeweiligen Plots einbaut.

Historisch detailliert, spannungsgeladen und auch witzig kommt das neue Werk daher, das in der Hörbuchfassung wie gewohnt von Johannes Steck brillant inszeniert wird. Es glänzt mit Tiefgang, Charaktertiefe und jeder Menge kleiner Bonmots: So war die „Völkerfreundschaft“ eigentlich ein schwedisches Schiff, das 1956 für das Unglück der „Andrea Doria“ verantwortlich war und deshalb regelrecht an die DDR verramscht wurde. Es werden Armbanduhren des VEB Ruhla getragen und stilecht Rostocker Hafenbräu zum Mittags-Dorsch in Dill-Senf-Soße konsumiert.

„Schwarzer Samstag“ ist eine Reise zurück in der Zeit. In eine Zeit, die aus heutiger Sicht völlig entschleunigt wirkt. Keine Handys, kein Internet, dafür aber viel Kaffee und jede Menge Zigaretten. Eigentlich alles ganz schön, wenn die globalen Begleitumstände nicht wären. Die ziehen einen sofort in die heutige Zeit. Iran, Israel, Trump, Putin. Da kann einem die Kuba-Krise wie eine Kindergartenparty vorkommen. Ungefährlich, aber stimmungsgeladen – wie Langroths fünfter Gerber-Streich. Es wird nicht der Letzte gewesen sein!

Quelle: ntv.de

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