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Erst hieß es, alles ist sicher“: Urlauber aus Waldbrandgebiet evakuiert – „wühlt einen auf

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 1, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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„Erst hieß es, alles ist sicher“Urlauber aus Waldbrandgebiet evakuiert – „wühlt einen auf“

Borowski musste mit seinen Enkeln ein neues Urlaubsziel ansteuern. (Foto: dpa/Katharina Kausche)

Viele Deutsche zieht es im Sommer nach Frankreich. Urlaub auf dem Campingplatz verspricht Erholung in der Natur. Doch was tun, wenn in der Nähe Tausende Hektar Wald verbrennen? Zwei Familien berichten.

Eigentlich wollte Hartmut Borowski ganze sechs Wochen lang mit seiner Frau und beiden Enkelkindern auf seinem Stammcampingplatz in Westfrankreich ausspannen. Doch schon kurz nach seiner Ankunft am idyllischen See von Lacanau müssen der 69-Jährige und seine Familie hastig ihre Siebensachen packen und den Urlaubsort in aller Eile verlassen – wegen der verheerenden Waldbrände, die nur wenige Kilometer entfernt riesiges Unheil anrichten.

„Erstmal hieß es, alles ist sicher“, erinnert sich der Rentner an den Beginn des Urlaubs. „Und dann drehte der Wind, dann kam Rauch zu uns rüber, und dann wurden wir sicherheitshalber evakuiert.“ Ihren Wohnwagen samt Campingausrüstung muss die Familie aus Ratingen zurücklassen. Nur mit einem voll bepackten Anhänger geht es Richtung Norden bis nach Hourtin, auf einen anderen Campingplatz.

Borowski ist einer von rund 4000 Urlaubern, die diese Woche in Lacanau spontan ihren Campingplatz verlassen mussten. Sie waren die letzten von mehr als 220.000 Menschen, die wegen der Waldbrände in der Nähe von Bordeaux ihre Bleibe räumten. Mittlerweile durften Zehntausende wieder nach Hause oder an ihren Ferienort zurückkehren. Und auch Borowski hofft, schon in wenigen Tagen wieder an jenem Wohlfühlort zu sitzen, wo er traditionell den Urlaub verbringt.

Patrick Behrens und sein zwölfjähriger Sohn Oskar verbrachten die Ferien ebenfalls in Lacanau – bis die Gefahr, die von dem Flammeninferno ausging, zu groß wurde. „Ich war eigentlich guter Dinge, weil es ja am Vortag geregnet hat und ich hatte es wirklich schon abgeschlossen, dass gar nichts passiert“, schildert der 53-Jährige. Doch dann hätten die Warn-Apps auf den Handys gepiept. „Das konnte ich nicht so ganz glauben, aber wenn man sich so umschaute auf dem Platz, packten wirklich alle, selbst die eisernen Niederländer, die ja wirklich zuletzt gehen.“

„Löschflugzeuge strahlten Sicherheit aus“

Mit der Feuersbrunst im Süden bleibt nur der Weg gen Norden und so finden die Lüdenscheider in Hourtin eine neue Bleibe für die Ferien – und laden ihren Freund Hartmut Borowski ein. Behrens bietet ihm das eigene Wohnmobil an und nimmt selbst mit dem Zelt vorlieb. Auch eine dritte Familie stößt dazu. „Das war wirklich ganz schön, muss ich sagen. Ja, und jetzt ist auch gut, wenn wir wieder zurückkommen“, meint Behrens.

So schlimm die Bilder von den Bränden auch sind, in Gefahr fühlt sich Behrens nicht, als er noch in Lacanau ist. „Ich habe das gar nicht so wild empfunden, weil wenn man drei, vier Tage lang die Löschflugzeuge ständig über seinem Kopf fliegen sieht, dann strahlte das auch so ein bisschen Sicherheit aus.“

Dennoch sehen der Vater und sein Sohn Ascheregen und auch Holzkohlestückchen vom Himmel rieseln. Einmal, als sie vom Strand zurückkommen, ist der Wohnwagen komplett mit einer Rußschicht überzogen. „Da wurde einem so ein bisschen mulmig.“ Der Sohn habe dann entschieden: Die beiden bleiben so lange auf dem Campingplatz, wie es eben geht.

„Wir waren wirklich ein bisschen erstaunt, dass wirklich jeder packte.“ Von vielleicht 600 Plätzen seien noch 40 belegt gewesen, erzählt Behrens. Immerhin, etwas Positives können sie den besonderen Umständen auch abgewinnen. „Es war wirklich ein Geistercampingplatz, aber wir fühlten uns dadurch eigentlich ganz wohl und an die Nebensaison erinnert.“

„Wühlt immer wieder auf“

Auch Borowski meint, er habe an sich keine Angst gehabt, „weil ich wusste ja, dass das Feuer nicht bei uns ankommt“. Dennoch sei er nun mal mit den Enkeln unterwegs und habe deshalb besondere Verantwortung gespürt. Gerade seiner Frau habe die Evakuierung zu schaffen gemacht, erzählt der Rentner an seinem lauschigen Zufluchtsort in Hourtin zwischen Büschen und Campingstühlen.

„Im Moment ist es gut, weil die Kinder entspannen können. Meine Frau ist auch wieder runtergekommen und ich auch an und für sich.“ Doch kalt lässt ihn das Erlebte nicht. Mit brüchiger Stimme gesteht Borowski ein: „Wühlt einen trotzdem immer wieder auf.“

Auch viele andere Touristinnen und Touristen aus Deutschland, die ohnehin weiter nördlich an der französischen Westküste im Urlaub waren, sehen die Brände. Einige finden sie beängstigend, viele haben Mitgefühl mit den Betroffenen vor Ort. Und wieder andere haben ihren Frankreichurlaub gleich ganz storniert, wie eine Campingplatzbetreiberin betrübt erzählt.

Borowski und Behrens kommen beide schon seit 36 Jahren immer wieder nach Lacanau in den Urlaub. Nun hoffen sie, schnell wieder zurückzukönnen – und dass mit dem zurückgelassenen Camper noch alles in Ordnung ist.

Die Gegend will Behrens wegen der Brände keinesfalls meiden, wie er erzählt. „Das Einzige, was wir zukünftig machen, ist, dass wir noch ein Zelt im Wohnwagen haben.“ Falls jemand ein Notlager braucht oder sie den Wohnwagen nicht mitnehmen können. Ruiniert ist der Urlaub für ihn wegen der Brände jedenfalls nicht. „Im Rückblick hat es sich zum Abenteuerurlaub entwickelt“, schließt er gelassen.

Quelle: ntv.de, Rachel Sommer, dpa

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