Die Ukraine wehrt sich gegen Russlands Angriffskrieg inzwischen verstärkt mit Attacken auf russischem Staatsgebiet. Erneut gerieten dabei offenbar eine Raffinerie und ein Militärplatz ins Visier. Moskau meldete zwei Tote.
Russlands Luftabwehr hat nach eigenen Angaben in der Nacht 635 ukrainische Drohnen abgewehrt. In mehr als einem Dutzend Regionen hätten die Streitkräfte Drohnen „abgefangen und zerstört“, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau. Auch die annektierte Krim war demnach Ziel von Angriffen.
Behördenangaben zufolge starben in der Region Saratow im Südwesten Russlands zwei Menschen. Zivile Infrastruktur in Saratow und Engels sei beschädigt worden, erklärte der Gouverneur der Region, Roman Bussargin ohne Details zu nennen. Die Region liegt mehr als 700 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt.
Das ukrainische Militär erklärte, in der Gegend eine Ölraffinerie und einen Militärflugplatz beschossen zu haben. Die Angriffe hätten in beiden Anlagen Feuer ausgelöst, hieß es. Auch ein Öldepot in der westlichen Region Kaluga sei demnach im Visier der Streitkräfte gewesen.
Logistik-Unternehmen erneut getroffen
In sozialen Medien kursierten Fotos und Videos, die Feuer auf dem Gelände der Raffinerie in Saratow zeigen sollen. Sie war in der Vergangenheit schon oft Ziel ukrainischer Gegenangriffe. In Engels wiederum ist einer der größten Luftwaffenstützpunkte Russlands. Von dort steigen immer wieder Bomber auf, um Städte in der Ukraine mit Raketen zu beschießen. Auch Engels war daher schon mehrfach Ziel ukrainischer Attacken.
Nach russischen Angaben trafen ukrainische Drohnen außerdem ein Logistikzentrum des Online-Versandhändlers Wildberries, diesmal in der Region Samara. In der Folge sei ein Feuer ausgebrochen, erklärte das Unternehmen. Verletzte habe es nicht gegeben, hieß es.
Selenskyj bittet um „Patriot“-Raketen
Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als vier Jahren gegen den russischen Angriffskrieg. Dabei gibt es weiterhin keine Aussichten auf eine diplomatische Lösung. Beide Seiten verstärkten zuletzt ihre Luftangriffe. Dabei führt die ukrainische Armee zunehmend auch Gegenangriffe tief im russischen Staatsgebiet aus. Kiew will damit Moskau zurück an den Verhandlungstisch zwingen.
In der Verteidigung gegen Russland bat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj seine westlichen Partner erneut um „Patriot“-Flugabwehrraketen. „Raketen zur Abwehr ballistischer Raketen sollen Menschen schützen und nicht in Lagern liegen bleiben“, erklärte der Präsident in seiner abendlichen Videoansprache. Jeder weitere Tag ohne diese Hilfe sei eine Gelegenheit für Russland, Menschen in der Ukraine zu töten.
