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Startseite»Politik»Neue Regeln der EU: Diese Verpackungen gibt es bald nicht mehr
Politik

Neue Regeln der EU: Diese Verpackungen gibt es bald nicht mehr

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 12, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 12.08.2026 • 05:47 Uhr

Ab heute gelten in der EU schärfere Regeln bei Verpackungen. Das Ziel: die Menge an Müll deutlich reduzieren. Nach dem Aus für Plastikstrohhalme heißt es für Verbraucher bald Abschied nehmen von bestimmten Verpackungen.

Sarah López

Die Europäische Union hat ein großes Ziel: Bis 2030 sollen Verpackungen in der EU bis auf wenige Ausnahmen recycelbar sein. Gelingen soll das mit der EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle. Hinter dem sperrigen Namen steckt ein 124-seitiges Dokument mit 71 Artikeln. Viele davon werden die Verbraucher ganz konkret im Alltag bemerken. Ab heute gelten die ersten Änderungen.

Für Lebensmittelverpackungen gibt es neue Grenzwerte für PFAS, also für eine Gruppe von künstlich hergestellten Chemikalien, die in der Umwelt praktisch nicht abgebaut werden. Auch für die Gesundheit können die Chemikalien ein Problem werden, denn manche können zum Beispiel zu Krebs und Leberschäden führen.

Unterm Strich dürften die Veränderungen aber eher bei den Unternehmen für Aufregung sorgen als bei den Verbrauchern. Denn mit der neuen Verordnung ändern sich ab heute teilweise die Rollen und damit auch die Aufgaben der Unternehmen beim Thema Verpackungsmüll. Es geht etwa darum, wer welche Informationen bereitstellen muss.

Kritik aus der Wirtschaft: zu komplex

„Das ist von der Komplexität her einfach zu sperrig“, kritisiert Christoph Petri, Referatsleiter für Kreislaufwirtschaft und Umweltpolitik bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Er bekomme gerade täglich Fragen von Unternehmen zu den neuen Regeln auf den Tisch. Seiner Einschätzung nach gibt es noch viel Unsicherheit bei den Unternehmen. Petri plädiert dafür, die Umsetzung der Verordnung zu pausieren: „Weil es einerseits rechtlich noch Grauzonen gibt, aber auch weil es für viele Unternehmen völliges Neuland ist.“

Tatsächlich sind die neuen Regeln, die ab heute gelten, nur ein kleiner Teil der EU-Verpackungsverordnung. In den kommenden Jahren werden weitere Veränderungen folgen, die einerseits bei den Unternehmen für weitere Umstellungen sorgen werden, sich aber andererseits auch bei den Verbrauchern bemerkbar machen werden – ob beim Online-Shopping oder im Supermarkt.

Pakete sollen möglichst klein sein

Die Europäische Union wird unnötig große Pakete bei Online-Bestellungen verbieten. Es soll also nicht mehr möglich sein, online einen einzelnen Lippenstift zu bestellen und diesen dann in einem Paket in der Größe eines Schuhkartons zu erhalten. Die generelle Vorgabe regelt: Maximal 50 Prozent Leerraum dürfen es dann noch sein.

Manche Verpackungstypen werden ab 2030 außerdem verboten. Dazu gehört etwa das Ketchup-Tütchen im Fast-Food-Restaurant, das Plastik-Netz für die 500 Gramm Zitronen im Supermarkt und das Mini-Shampoo im Hotel.

Die EU will die Menge an Verpackungsmüll in der EU deutlich reduzieren. 2023 kamen nach Angaben der europäischen Statistikagentur Eurostat im Schnitt 178 Kilogramm Verpackungsmüll auf jeden EU-Bürger. In Deutschland war es sogar noch mehr: knapp 215 Kilogramm.

Dosenpfand bald auch im Urlaub in Spanien

Die Verpackungen, die es weiterhin gibt, sollen recycelbar sein. Die EU gibt zukünftig vor, wie hoch der Rezyklatanteil in verschiedenen Verpackungsarten sein muss, also der Anteil aus bereits recyceltem Material. Außerdem setzt die EU auf Mehrweg-Systeme.

Bis 2029 müssen die Mitgliedstaaten Pfandsysteme für Einweggetränkebehälter aus Kunststoff und Metall einrichten – ähnlich wie es das bereits in Deutschland gibt. Das würden viele also zum Beispiel im Urlaub in Spanien oder Italien merken.

Plastikdeckel waren nur der Anfang

Die Europäische Union will außerdem, dass Glas öfter recycelt und wiederverwendet wird. Dafür gibt es Lob von der Verbraucherzentrale NRW. „Dass wir Mehrwegflaschen für Essig und Öl bekommen werden und dass wir vielleicht auch die Glaskonserven, die jetzt noch Einweggefäße sind, zukünftig als Mehrwegsysteme haben, das spart uns natürlich eine ganze Menge Müll“, sagt Philip Heldt, Referent für Ressourcenschutz bei der Verbraucherzentrale NRW.

Die EU-Verpackungsverordnung ist der logische Schritt auf dem Weg zur angepeilten Klimaneutralität bis 2050. Die Europäische Union verfolgt damit weiter konsequent ihre Anti-Plastik-Strategie. Vor mehr als fünf Jahren beschloss sie das Aus für Plastikstrohhalme und -besteck, vor rund zwei Jahren das Ende für den losen Plastikdeckel von Trinkflaschen. Bald ist nun also das Mini-Shampoo aus dem Hotel an der Reihe.

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