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Startseite»Politik»Raketenstartbasis: Deutschland sucht seinen Weg ins All
Politik

Raketenstartbasis: Deutschland sucht seinen Weg ins All

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 13, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 13.08.2026 • 14:40 Uhr

Könnten bald Raketen von Deutschland aus starten? Die Bundesregierung prüft den Aufbau einer eigenen Startbasis für Trägerraketen der Bundeswehr, um militärische Satelliten unabhängig ins All zu befördern.

Bianca Schwarz

Im Frühjahr stehen Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und Bundeskanzler Friedrich Merz in Nordnorwegen auf einem Raketenstartplatz. Von der Halbinsel Andøya aus plant der deutsche Raketenbauer Isar Aerospace die Starts seiner Trägerrakete „Spectrum“.

Pistorius besichtigt den Weltraumbahnhof und dürfte dabei auch über einen eigenen Startplatz für die Bundeswehr nachdenken. Denn ohne Satelliten im Weltraum keine gesicherte Kommunikation für die Streitkräfte.

Nur eine Handvoll Satelliten hat die Bundeswehr derzeit im erdnahen Orbit, die Rede ist von weniger als zwanzig. Das soll sich dramatisch ändern, in den nächsten Jahren sollen bis zu 1.200 neue Bundeswehr-Satelliten in die Erdumlaufbahn gebracht werden. Auch dafür pumpt Pistorius 35 Milliarden Euro in die Raumfahrt. Der Schritt ist notwendig, um Deutschland aus Abhängigkeiten zu befreien. Zum einen soll es technologisch souveräner werden, zum anderen ist aber auch der Transport der Satelliten ins All derzeit ein heißes Pflaster.

Der Traum vom eigenen Startplatz

Die meisten Bundeswehr-Satelliten hat Space X, die Firma von Elon Musik, in den Orbit gebracht. Dort ist die Bundeswehr aber nur eine von vielen Kunden. Egal wie wichtig so ein Satellit für die nationale Sicherheit sein könnte, er versandet in der Warteschlange – von Sicherheitsbedenken gegenüber Space X ganz zu schweigen.

Auch vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana kommen Bundeswehr-Satelliten ins All. Französisch-Guyana ist eins der französischen Überseedepartments und gehört deswegen trotz seiner geographischen Lage zur EU. Aber der Transport per Schiff bis nach Südamerika dauert. Wenn es mal schnell gehen muss, ist auch Kourou keine ideale Lösung.

Der Traum der Bundeswehr würde also so aussehen: Deutschland baut seine eigenen Satelliten und Transportraketen und schickt sie von einem eigenen Startplatz aus nach oben. Volle Souveränität für jeden einzelnen Schritt. Nur wo könnte so ein Startplatz entstehen in diesem dicht besiedelten Land? Wenn bei einem Start etwas schiefgeht, würde eine abstürzende Rakete fast zwangsläufig bewohntes Gebiet treffen.

Schwimmende Plattform in der Nordsee?

Walther Pelzer ist der Generaldirektor der Deutschen Raumfahrtagentur, die das Thema bereits bearbeitet. Neben Andøya liegen in Europa auch Startplätze in Schottland und Schweden. Allerdings versucht die Europäische Kommission, alle institutionellen Starts grundsätzlich aus Mitgliedstaaten zu organisieren. Bevorzugt werden deswegen Französisch-Guyana und Schweden, Norwegen und Schottland gehören nicht zur EU.

Pelzer sieht die Verfügbarkeit von Startplattformen als die größte Herausforderung für den souveränen Zugang zum All für Deutschland. Für ihn ist es eine der wichtigsten Aufgaben der Raumfahrtagentur, alternative Startmöglichkeiten zu untersuchen. Daher prüft sein Haus aktuell auch die Möglichkeiten schwimmender Plattformen.

Als Standort dafür bringen Politiker gerne die Nordsee ins Spiel, da ist Pelzer aber eher skeptisch. Für einen Raketenstart muss rundherum weiträumig gesperrt werden, nicht nur auf dem Wasser, sondern auch in der Luft.

Raumfahrtagentur prüft verschiedene Optionen

Erst im April musste ein Start des Raketenbauers Isar Aerospace in Andøya abgebrochen werden. Ein einzelnes Fischerboot hatte sich offiziellen Angaben zufolge in den Sperrbereich „verirrt“ – und das in dieser kaum frequentierten Region.

Pelzer findet es schwierig, einen Raum der notwendigen Größe in der Nordsee mehrfach im Jahr zu räumen. Beachten müsste man nicht nur die großen Häfen in Rotterdam, Hamburg, Bremerhaven und Antwerpen, sondern auch die Flughäfen von London Heathrow, Amsterdam Schiphol, Berlin und Frankfurt. Und das bei jedem einzelnen Raketenstart. Abgesehen von dieser logistischen Herausforderung sind auch die Windverhältnisse in der Nordsee nicht ideal für einen Raketenstart.

Deswegen untersucht die Raumfahrtagentur Startmöglichkeiten zum Beispiel in Afrika oder eben schwimmende Plattformen in internationalen Gewässern. Pelzer möchte binnen eines Jahres mehr als nur eine Idee auf dem Tisch liegen haben.

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Dr. Heinrich Krämer
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