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Startseite»Politik»Hilfe für minderjährige Mädchen in der Ungewissheit von Ceuta
Politik

Hilfe für minderjährige Mädchen in der Ungewissheit von Ceuta

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 17, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 17.08.2026 • 11:39 Uhr

In die spanischen Exklave Ceuta sind auch viele Mädchen gekommen, die Asyl suchen, um ihre Eltern in der Heimat zu unterstützen. Ihre Zukunft ist ungewiss. Doch es gibt Menschen, die den Minderjährigen helfen.

Franka Welz

„Schau, hier sind sie“, sagt Rana von der Nachbarschaftsvereinigung aus Ceutas marokkanischem Viertel El Principe. Mit „hier“ meint sie den Fußballplatz einer örtlichen Schule, und „sie“ sind Dutzende unbegleitete Minderjährige, die dort seit gut zwei Wochen untergebracht sind – ausschließlich Mädchen.

Einige von ihnen haben einen Kreis gebildet und spielen mit einem Ball. Sie sind ausgelassen. „Hörst du, wie sie kreischen?“, fragt Rana. Sie ist eine beeindruckende Erscheinung in einem wallenden hellen Gewand und mit verblassten Henna-Tattoos an ihren Händen. „Einige der Mädchen wurden vergewaltigt, sie haben sie hierher gebracht, haben ihnen mobile Toiletten aufgestellt. Die meisten schlafen hier.“

Der hintere Bereich des Fußballplatzes ist mit blauen Plastikplanen abgehängt. Unter diesem Dach kommen Dutzende Mädchen unter, es gibt Matratzenlager und Teppiche als Sitzgelegenheiten. Weitere Planen schützen vor neugierigen Blicken und geben den Mädchen zumindest einen Hauch von Privatsphäre.

Mädchen mussten auf der Straße schlafen

Fatima ist 17 Jahre alt und kommt ursprünglich aus der Küstenstadt Tanger im Nordwesten Marokkos. Seit dem 31. Juli ist sie in Ceuta und sagt, sie und andere Mädchen hätten zunächst keinen Schlafplatz gefunden: „Wir sind auf der Straße geblieben und haben viel gelitten, bis wir diese Vereinigung fanden, die uns hier aufnahm und nicht zuließ, dass die jungen Männer an uns herankamen. Und im Gegenteil, hier sind junge Männer, die niemanden reinlassen. Selbst wenn es dein eigener Großvater wäre, der dich besuchen will, lassen sie ihn nicht durch.“

Planen schützen ein Lager auf einem Sportplatz in Ceuta.

Sie sei auf der Suche nach einer besseren Zukunft nach Ceuta gekommen, und um ihre Eltern zu unterstützen. „Meine Mutter arbeitet von morgens bis 19 Uhr abends und macht das Pfannenbrot Rghaif. Weil sie so viel arbeitet, sind ihre Hände ganz weiß, sie kann sie nicht mehr bewegen. Wir bitten nun die spanischen Behörden, uns zu helfen und uns nicht nach Marokko zurückzuschicken.“

Ihsane, die sagt, sie sei ebenfalls 17 Jahre alt, gesellt sich dazu. Bevor sie die Grenze zu Ceuta überschritten hat, lag schon ein langer Fußweg hinter ihr. Mehr als 60 Kilometer ist das zierliche Mädchen mit dem Lausbuben-Lockenkopf gelaufen, von Tanger im Nordwesten Marokkos nach Tétouan im Nordosten. „Wir haben nicht viel Geld, wir leben in bescheidenen Verhältnissen. Ich habe in der Schule gelernt, gearbeitet und Fußball gespielt“, erzählt sie. „Ich habe mit meiner Mutter in einer Schneiderei gearbeitet, um ihr zu helfen, über die Runden zu kommen. Sie ist die einzige, die für uns aufkommt, sonst niemand.“

In den vergangenen zwei Wochen keine Besserung

Helferinnen und Helfer haben eine Autoladung Essenspakete gebracht, Leute von der Nachbarschaftsvereinigung organisieren die Essensausgabe. Ahmed Enfedal rauscht herein. Der Präsident der Nachbarschaftsvereinigung kommt gerade von einer Sitzung mit der Stadt. Auf unsere Frage, ob die Sitzung produktiv war, winkt er ab. „Viel Bla-bla, letztlich nicht. Sie reden über Sicherheit, über Müll. Und ich will, dass sie über die Mädchen reden. Der Rest interessiert mich nicht.“

In den zwei Wochen, seit sie die Unterkunft eingerichtet haben, habe sich wenig verändert, sagt Ahmed. Etwa 86 Mädchen seien von den Behörden in eine alternative Jugendeinrichtung, speziell für Mädchen, gebracht worden „Und wir warten immer noch darauf, dass die übrigen bei uns gemeldeten Mädchen, die bereits bestätigt und in Dreiergruppen eingeteilt wurden, abgeholt werden.“

Darauf angesprochen, welche Zukunft diese und andere Mädchen erwarte, verdunkelt sich Ahmeds Miene. Das sei ein anderes Thema: „Ich bin pessimistisch, weil sowohl der Staat als auch Marokko versuchen, ein bilaterales Abkommen zu schließen, um all diese Mädchen dorthin zurückzuschicken, wo sie herkommen. Und ich sage nur, dass das Internationale Übereinkommen über die Rechte des Kindes eingehalten werden muss. So einfach ist das.“

„Dies ist ein europäisches Problem“

Unbegleitete Minderjährige genießen einen besonderen Schutz. Sie dürfen zum Beispiel nur in ihr Heimatland zurückgeführt werden, wenn gesichert ist, dass sie dort gut versorgt werden können. Gut möglich also, dass viele von ihnen eine ganze Weile in Ceuta festsitzen werden.

Mehrere Tausend Migranten halten sich noch in der Stadt auf, neben unbegleiteten Minderjährigen auch Geflüchtete aus Kriegsgebieten und Erwachsene auf der Suche nach einem besseren Leben. Es sei eine Herausforderung für die kleine Stadt mit knapp 84.000 Einwohnern, sagt Ahmed Enfedal.

Ceuta werde nicht alle Minderjährigen dauerhaft aufnehmen können, die sich hier aufhielten. Das sei auch nicht die Aufgabe der Stadt: „Es gibt Festlandspanien. Es gibt Europa. Wenn wir schon davon sprechen, dass Ceuta zu Europa gehört, dann ist dies ein europäisches Problem. und wenn es ein europäisches Problem ist, dann muss Europa selbst, in seiner Gesamtheit, eine Lösung dafür finden.“

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