Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen ist im ersten Halbjahr so stark gestiegen wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Das gilt als Hoffnungszeichen angesichts der Wohnungsnot. Es werden aber auch viele Projekte storniert.
Im Wohnungsbau geht es aufwärts: In den ersten sechs Monaten stieg die Zahl der Baugenehmigungen so stark wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Sie nahm um 15,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 126.300 zu, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das sei das größte Plus für diesen Zeitraum seit 2016.
„Allerdings erfolgte der aktuelle Anstieg vom niedrigen Niveau der ersten sechs Monate der Jahre 2024 und 2025“, fügten die Statistiker hinzu. Höhere Zinsen und Materialkosten hatten in den Vorjahren viele Bauherren abgeschreckt. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe, sagte: „Der Wohnungsbau zeigt erste Anzeichen einer leichten Erholung. Von einer Trendwende sind wir aber noch weit entfernt.“
In neu zu errichtenden Gebäuden wurden im ersten Halbjahr insgesamt 103.100 Wohnungen genehmigt. Das waren 15,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei stieg die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser um 12,7 Prozent auf 24.000. Bei den Zweifamilienhäusern nahm die Zahl um 27,3 Prozent auf 7.700 zu. In Mehrfamilienhäusern, der zahlenmäßig stärksten Gebäudeart, genehmigten die Bauaufsichtsbehörden 67.000 Neubauwohnungen. Das war ein Anstieg um 16,9 Prozent.
„Wir kommen von einem niedrigen Niveau“
„Der Wohnungsbau kommt zurück“, sagte Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) und betonte, die seit 13 Monaten steigenden Genehmigungszahlen seien „das Ergebnis zielgerichteter Politik“. Der Bau-Turbo nehme Fahrt auf, Förderprogramme würden breit angenommen und das Baugesetzbuch werde reformiert. Hubertz betonte aber auch: „Wir kommen von einem niedrigen Niveau, und wir sind noch längst nicht dort, wo dieses Land beim Wohnungsbau stehen muss.“
Die Ministerin kündigte an, die Regierung werde nachlegen – „mit einem massiven Mitteleinsatz für den sozialen Wohnungsbau, dem weiteren Abbau von Bürokratie und der Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft des Bundes für mehr bezahlbaren Wohnraum“.
Mehr Genehmigungen auch im Juni
Im Juni 2026 haben die Behörden in Deutschland den Bau von rund 21.600 Wohnungen genehmigt – ebenfalls deutlich mehr als ein Jahr zuvor. Besonders der Neubau legt zu, aber auch der Umbau bestehender Gebäude gewinnt an Fahrt. Demnach stieg die Zahl der Baugenehmigungen um 13,8 Prozent im Vergleich zum Juni 2025.
Im Neubau legten die Genehmigungen für Wohnungen um 14,1 Prozent zu. Die Zahl genehmigter Wohnungen, die durch den Umbau bestehender Gebäude entstehen, stieg im Juni 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 12,1 Prozent auf 3.900.
Mehr Stornierungen
Der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes, Pakleppa, mahnte dennoch zur Zurückhaltung: „Eine Baugenehmigung ist noch keine gebaute Wohnung. Während die Genehmigungszahlen steigen, werden gleichzeitig wieder mehr Projekte storniert.“ Der Anteil der von Stornierungen betroffenen Unternehmen erhöhte sich im Juli auf 13,1 Prozent, nach 11,4 Prozent im Vormonat, wie das ifo-Institut bei seiner Umfrage herausfand.
„Die Auftragslage entwickelt sich langsam in die richtige Richtung, gleichzeitig werden wieder mehr Projekte storniert“, sagte der Chef der ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. „Das zeigt, wie fragil die Erholung im Wohnungsbau weiterhin ist.“ ifo-Prognosen zufolge dürften in diesem Jahr nur 185.000 Wohnungen fertiggestellt werden – ein 15-Jahres-Tief. Der Iran-Krieg und die anziehende Bauinflation dürften Projektentwickler und Häuslebauer belasten.
„Der Wohnungsmangel bleibt trotz kleiner Hoffnungsschimmer eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit. Der Handlungsdruck bleibt hoch“, so Verbands-Geschäftsführer Pakleppa.
