Sie sind geschützt und werden dennoch abgerissen oder komplett umgebaut: Laut Stiftung Denkmalschutz sind so binnen zwei Jahren 1.077 Baudenkmale verloren gegangen. Mit ihrem Schwarzbuch macht die Organisation darauf aufmerksam.
Die Stiftung Denkmalschutz ist zunehmend besorgt über den Verlust von Baudenkmalen. In den beiden Jahren 2024 und 2025 seien in Deutschland insgesamt mindestens 1.077 Denkmale verloren gegangen, sagte Stiftungsvorstand Steffen Skudelny bei der Vorstellung des zweiten „Schwarzbuches der Denkmalpflege„.
Viele der eigentlich geschützten Bauwerke wurden laut Stiftung abgerissen, wie etwa das Gasthaus „Untere Linde“ in Oberkirch in Baden-Württemberg, das aus dem 17. Jahrhundert stammte. Andere wurden so umgebaut, dass sie ihren ursprünglichen Charakter und damit den Denkmalstatus verloren haben. Als ein Beispiel nennt die Stiftung hier die Mack-Pyramide in Monheim in Nordrhein-Westfalen, ein postmodernes Denkmal aus den Jahren 1987 bis 1990, bei dem ein Erweiterungsbau genehmigt wurde.
Hinweise aus der Bevölkerung einbezogen
Die aufgeführten Fälle seien aber nur ein Bruchteil der Verluste, da Gebäude zuvor oft von Denkmallisten verschwunden seien und ein Verlust somit nicht bekannt wurde.
Die Stiftung erhebt für ihr „Schwarzbuch“ selbst Zahlen und Beispiele. Auch gefährdete und einige gerettete Denkmale werden erwähnt. Grundlage der Sammlung sind etwa Abfragen bei Behörden und Medienberichte, aber auch Hinweise aus der Bevölkerung.
„Schwarzbuch“ zur Denkmalpflege
Denkmale, die verschwunden sind
„Primat der Wirtschaftlichkeit“
Laut Stiftung sind rund drei Prozente der Bauwerke in Deutschland als Denkmal registriert. Das öffentliche Bewusstsein dafür nehme ab, der politische Druck auf den Denkmalschutz nehme dagegen zu, so Skudelny: „Jeden Tag geht in Deutschland mehr als ein Denkmal verloren.“
Schritt für Schritt würden Denkmalschutzgesetze geschwächt, politische Durchgriffsmöglichkeiten ausgeweitet und „Denkmale zunehmend dem Primat der Wirtschaftlichkeit untergeordnet“, kritisiert Deutschlands größte private Organisation für Denkmalpflege.
Mehr Förderung und konsequente Erfassung gefordert
Denkmalschutz fällt in Deutschland unter die Kulturhoheit der Länder, dementsprechend gibt es 16 Denkmalschutzgesetze.
Zentrale Forderung der Denkmalstiftung ist die bundesweite Erfassung des Denkmalbestandes in Deutschland. Zudem müsse das „Bauen im Bestand“ vereinfacht werden. Fachbehörden benötigten mehr Kompetenz, oftmals liege eine Überforderung vor. Eigentümer von Denkmälern sollten entlastet werden.
Nötig seien auch niedrigschwellige Förderprogramme. Zudem müssten Abrisse und Streichungen von der Denkmalliste transparent veröffentlicht werden.
