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Startseite»Politik»Migranten in Ceuta treten im Kampf um Asyl in Hungerstreik
Politik

Migranten in Ceuta treten im Kampf um Asyl in Hungerstreik

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 19, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 19.08.2026 • 05:39 Uhr

Drei Wochen nach dem Massenandrang harren immer noch Hunderte Migranten am Strand in Ceuta aus – in Verschlägen aus Kartons und Plastikplanen. Mit einem Hungerstreik wollen sie nun auf ihre Situation aufmerksam machen.

Franka Welz

Wütende Einwohnerinnen und Einwohner Ceutas machen am Montag ihrem Ärger über das Management der Migrationskrise in ihrer Stadt Luft. Die spanische Migrationsministerin Elma Saiz fährt da gerade in ihrer schwarzen Limousine von einem Treffen mit Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas ab, sieht also mehr von der Empörung, als sie hört. Sie seien keine Rassisten oder Rechtsextremen, aber so könne es nicht weitergehen, die Migranten müssten raus aus der Stadt.

Ein paar Meter weiter in Ceutas Fußgängerzone sind die Gemüter etwas ruhiger, aber auch Inmaculada Garcia sagt, sie sei frustriert und enttäuscht: „Es wird nichts unternommen. Und ehrlich gesagt ist das, was wir Tag für Tag erleben, unglaublich entmutigend. Jeden Tag kommt ein neuer Minister, bleibt eine Weile – und geht dann wieder, ohne etwas zu bewirken“, sagt Garcia. „Ich war gerade draußen am Strand und habe mir das angesehen. Dort herrscht Chaos, einfach nur Chaos, und nichts wird unternommen. Die Situation ist furchtbar.“

An der Playa del Trampolín, dem Strand, von dem sie spricht, hausen seit fast drei Wochen Menschen unter erbärmlichen Bedingungen – laut Polizei rund 1.500 Menschen, örtliche Hilfswerke sprechen von etwa 3.500 Personen. Und auch wenn man davor steht, gewinnt man den Eindruck, dass die offiziellen Zahlen niedrig angesetzt sind.

Notdürftige Verschläge

Es ist staubig, der Geruch nach Schweiß und Urin hängt in der Luft. Aus Milchkartons haben die Migranten den Umriss einer Moschee in den Sand gebaut. Aus Schilfrohr, Blättern, Kartons, Plastikplanen, wirklich allem, was zur Hand ist, notdürftige Verschläge zusammengezimmert. Dazwischen wandern städtische Beschäftigte in orangefarbenen Leuchtwesten umher und sammeln Müll ein. Das Rote Kreuz und Hilfsorganisationen verteilen Wasser und Essen.

Am Ende der Bucht bietet ein großes Zeltdach Schutz vor der Sonne, vor den Duschanlagen stehen Hunderte Männer Schlange. Mohsen Idris Adam Ibrahim werkelt noch an seiner Unterkunft. Der 18-Jährige ist aus dem Sudan gekommen. Er habe bereits eine kleine Odyssee hinter sich, erzählt er. Bevor das Interview beginnt, zieht er sich schnell noch ein weißes, ärmelloses T-Shirt über seinen nackten Oberkörper. So viel Würde müsse sein.

„Im Sudan gibt es nichts. Keine Zukunft, keine Schulen. Die Arbeit liegt brach, es gibt nichts, das heißt, man muss fliehen“, erzählt er. „Und es gibt Leute, die dich auf der Flucht beobachten und töten. Also haben wir gesagt, wir verlassen den Sudan. Zuerst nach Tschad, dann nach Niger, Algerien und Marokko. Und dann übers Meer nach Ceuta. Seit mehr als zwei Wochen bin ich hier.“

Migranten treten im Kampf um Asyl in Hungerstreik

Sudan, Mali, Niger, Tschad – viele der Menschen hier kommen aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara und sind auf der Suche nach Asyl. Aber auch eine große Gruppe Marokkaner haust auf dem Strand oder in der Umgebung. Am Sonntag verwandeln sie den Strand von einem improvisierten Camp in einen Ort des Protests.

Viele halten selbstgemachte Pappschilder hoch, auf denen steht unter anderem: „Wir wollen nicht zurück nach Marokko!“ und „Auch wir sind Menschen“. Icha Chacir dirigiert die Sprechchöre und erklärt: „Hier sind Leute aus dem Sudan, aus Mali, dem Senegal. Kamerun, Tunesien und Ägypten und den Jemen. Da ist Algerien, Marokko, neun Länder. Da ist Palästina und Syrien, elf Länder. Und alle werden Asyl erhalten, nur wir Marokkaner nicht.“

Icha sagt, auch ohne einen Krieg im Land sei die Situation in Marokko unerträglich: „In Marokko arbeite ich für 300 Euro im Monat, 200 davon gehen für die Miete drauf, der Rest für den Haushalt, mein Baby, meine Frau, den Strom, das Krankenhaus. Wie kann das sein?“ In Marokko gebe es Reichtum und Armut und nichts dazwischen. Keine Mittelschicht. Die Hoffnung, im Land Veränderungen und Verbesserungen zu erreichen, haben Icha und viele andere aufgegeben. In Ceuta treten sie in einen Hungerstreik, vorerst bis Mittwoch, heißt es.

Ministerin verspricht mehr Unterkünfte

Spaniens Regierung hat seit den Vorfällen Ende Juli wiederholt betont, alle, die irregulär nach Ceuta gelangt seien, sollten und würden zurückgeschickt werden. Aber die rechtliche Lage ist komplex: Denn viele Menschen stammen aus Kriegsgebieten, etwa aus dem Sudan oder Palästina, und hätten damit nach Ansicht von Hilfswerken Aussicht auf Asyl. Auch Minderjährige dürfen nicht ohne Weiteres abgeschoben werden. So harren weiterhin Tausende in Ceuta aus – 5.000 sagt die spanische Regierung, mindestens 8.000 Ceutas Regionalpräsident Vivas.

Spaniens Migrationsministerin Elma Saíz erklärte am Montag, es werde neue Unterkünfte für die Menschen geben, die seit fast drei Wochen am Strand Playa del Trampolín und anderswo ein improvisiertes Dasein fristen. „Ich möchte bekannt geben, dass heute mehrere vorübergehende und spezielle humanitäre Hilfszentren eingerichtet werden. Dadurch werden sofort 1.500 neue Unterbringungsplätze geschaffen.“

Später erklärte die Ministerin, dies sei nur der Anfang, später sollten noch mehr Plätze geschaffen werden. An vier Orten rund um Ceuta sollen große Zelte errichtet werden, unter anderem auf einem Parkplatz unweit der Grenze zu Marokko – aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Am Dienstagabend waren diese Aufbauarbeiten bei Weitem noch nicht abgeschlossen. Und viele der Migranten, sagen auf Nachfrage, sie würden lieber in die Wälder um Ceuta gehen, als in eine dieser neuen Unterkünfte.

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