Marktbericht
Die Zeichen einer Erholung der deutschen Wirtschaft mehren sich: Laut Statistischem Bundesamt ist der Auftragsbestand der Industrie im Juni auf den höchsten Stand seit 2015 geklettert.
Die deutsche Industrie sitzt auf einem Rekord-Auftragspolster. Laut Statistischem Bundesamt hat der Auftragsbestand im Juni den höchsten Wert seit Beginn der Erhebung vor mehr als zehn Jahren erreicht: Inflationsbereinigt plus 0,8 Prozent auf 8,9 Monate.
Heißt: Wenn keine neuen Aufträge kämen, wären die Unternehmen im Schnitt noch fast neun Monate damit beschäftigt, die aktuellen Aufträge abzuarbeiten. Damit ist der Auftragsbestand zum fünften Mal in Folge gewachsen. Das sei ein gutes Zeichen, finden Ökonomen.
Und es nicht das einzige: So ist die deutsche Wirtschaft trotz der Belastung durch den Iran-Krieg auch im zweiten Quartal dieses Jahres wenigstens leicht gewachsen. Zum Vorquartal plus 0,2 Prozent. Immerhin das dritte Wachstumsquartal in Folge.
Auch die Stimmung verbessert sich
Außerdem: Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich laut Münchner ifo Institut im Juli den dritten Monat in Folge verbessert. Und: Im Juni hat die deutsche Industrie zum zweiten Mal in Folge mit einem Auftragsplus überrascht. Vor allem der für die deutsche Wirtschaft so wichtige Maschinenbau entwickelte sich positiv.
Laut Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sind auch die Konjunkturerwartungen von Finanzexpertinnen und -experten im August weiter angestiegen. „Der positive Trend in den Erwartungen bekräftigt sich im August“, erklärte ZEW-Präsident Achim Wambach: „Das dürfte mit den guten Quartalszahlen und dem jüngsten Exporthoch zusammenhängen.“
Bei den Exporten wurde im Juni ein Rekordwert erreicht. Interessant: Den Verlusten der deutschen Exporteure auf dem chinesischen und dem US-amerikanischen Markt stehen mittlerweile deutlich bessere Geschäfte unter anderem in Osteuropa gegenüber.
Risiken bleiben
Allerdings: Ob nun Bauprojekte oder Industrieaufträge – was genehmigt beziehungsweise bestellt ist, muss erst einmal abgearbeitet werden, bevor es sich tatsächlich positiv niederschlagen kann.
Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Bank Bethmann HAL, betont mit Blick auf die große Zahl der Industrieaufträge: „Hier aber liegt der Hase im Pfeffer, da jetzt auch noch Versorgungsengpässe durch die Hitzeperiode bestehen.“ Damit spricht der Volkswirt die Probleme durch das Niedrigwasser unter anderem am Rhein an, die zu Lieferkettenproblemen führen und damit die Produktion drosseln könnten.
Unternehmen fürchten um Wettbewerbsfähigkeit
Ein weiteres Risiko neben dem Iran-Konflikt. Nach wie vor ist ungelöst, ob und wann der für den Welthandel so wichtige Schiffsverkehr in der Straße von Hormus sich wieder normalisieren könnte.
Außerdem belasten die strukturellen Probleme am Standort Deutschland. Hohe Energiepreise und Personalkosten, zu viel Bürokratie: Laut einer aktuellen Umfrage des Münchner ifo Instituts fürchtet jedes vierte befragte Unternehmen, auf Märkten außerhalb der EU an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Nur knapp über fünf Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit.
DAX hält Niveau
Der Ausverkauf am globalen Anleihenmarkt hat sich zwar verlangsamt, doch die Auswirkungen auf die Börsen halten an: Der Deutsche Aktienindex ist gestern und vorgestern teils deutlich im Minus aus dem Handel gegangen. Am frühen Nachmittag notiert der Leitindex leicht im Minus, rangierte aber immerhin nach wie vor oberhalb der psychologisch wichtigen Marke von 26.000 Punkten.
Aktien verlieren derzeit für viele Investoren an Attraktivität. Ein Grund: Die Renditen wichtiger Staatsanleihen etwa aus den USA, Deutschland und Japan sind zuletzt gestiegen. Und sind gestern sogar auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten geklettert. Hohe Zinsen für relative sichere Anlagen wie Staatsanleihen machen die meist riskanteren Aktien weniger interessant. Das bremst die Aktienmärkte.
