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Politik

Studie warnt vor deutlich mehr Waldbränden in Europa

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 20, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 20.08.2026 • 11:01 Uhr

In Europa könnten künftig deutlich mehr Flächen brennen als bislang. Das zeigt eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Wie sehr das Risiko mit der Erderwärmung steigt – und was Brandmanagement leisten kann.

Mit dem Klimawandel wächst die Waldbrandgefahr. Eine neue Studie unter Leitung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) rechnet damit, dass sich die jährlich von Waldbränden betroffene Fläche in Europa bis zum Ende des Jahrhunderts schlimmstenfalls fast verdreifachen könnte.

Ob es zu Wald- und Vegetationsbränden kommt und wie stark sie sich dann ausbreiten, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab: Davon, ob Menschen ein Feuer entzünden. Davon, wie heiß, trocken und windig es ist. Davon, wieviel brennbares Material vorhanden ist. Aber zum Beispiel auch davon, wie gut Vorbeugung und Brandbekämpfung funktionieren.

Klimawandel begünstigt „Feuerwetter“

Die Forschenden haben versucht, solche Faktoren in ihre Berechnungen einfließen zu lassen. Sie haben mit zwei verschiedenen Klima-Szenarien und zwei verschiedenen Feuer-Rechenmodellen gearbeitet, die Ergebnisse unterscheiden sich stark.

Fest steht: Der Klimawandel begünstigt Wetterlagen, bei denen Hitze, extreme Trockenheit und starke Winde gleichzeitig auftreten, sogenanntes Feuerwetter. Ganz entscheidend ist deshalb, wie viele Klimagase in Zukunft ausgestoßen werden. Ohne ambitionierten Klimaschutz könnte es zumindest in einem der Rechenmodelle in Zukunft so viel Feuerwetter geben, dass bis Ende des Jahrhunderts in Europa jährlich fast drei Mal so viel Fläche brennt wie heute.

Gefährdete Regionen durch Waldbrände

Wenn „die globalen Temperaturen um etwa 3,6 Grad Celsius steigen, werden Brände wesentlich häufiger auftreten, insbesondere im Mittelmeerraum sowie in weiten Teilen West- und Mitteleuropas“, sagt PIK-Forscher Maik Billing, Leitautor der Studie, die im Fachjournal Global Change Biology erschienen ist. Künftig könnte es auch in Deutschland oder den Niederlanden häufiger brennen – Regionen, in denen großflächige Brände bisher selten sind.

Wenn die Erderhitzung stark fortschreitet, dürfte die Brandgefahr außerdem auch in mittleren Höhenlagen zunehmen, also in den Mittelgebirgen, im Alpenvorland wie dem Allgäu, im französischen Zentralmassiv oder in den Pyrenäen.

Was optimiertes Brandmanagement leisten kann

Modellrechnungen in der Studie zeigen auch: Mit einem besseren Brandmanagement ließe sich die Fläche künftiger Waldbrände in einer wärmeren Welt deutlich verringern – im günstigen Klimaszenario um bis zu 92 Prozent, im ungünstigen Szenario um 72 Prozent im Vergleich zu einer Welt mit schlechterem Management. In der Praxis ist dafür Prävention nötig.

Als weitere mögliche Beispiele nennen die Forschenden satelliten- und KI-gestützte Früherkennung, genauso wie Investitionen in die Ausbildung von Einsatzkräften, eine angemessene Ausrüstung und eine abgestimmte Zusammenarbeit von Forst, Naturschutz und Feuerwehr.

Die Autorinnen und Autoren warnen jedoch: Mit dem Klimawandel könnten die Wetterbedingungen so extrem werden, dass sich Brände kaum mehr bekämpfen lassen. Deshalb sei beides wichtig: ein optimiertes Brandmanagement, aber gleichzeitig auch wirksamer Klimaschutz.

Große Unsicherheit, klarer Handlungsbedarf

Fachleute, die an der Studie unbeteiligt waren, mahnen zur Vorsicht bei konkreten Zahlen. Der Klimaforscher István Dunkl von der Universität Leipzig hebt unter anderem hervor, wie groß die Unsicherheit bei solchen Projektionen ist. Waldbrände seien „furchtbar schwer zu studieren“.

Feuerökologe Alexander Held vom European Forest Institute betont, die Zahl der Feuer und die Fläche sagten wenig über die Art der Brände aus. Früh im Jahr entzündete Feuer zum Beispiel richteten oft keine großen Schäden an, späte Feuer, wenn mehr Biomasse trocken sei, dagegen schon.

Trotz solcher Einschränkungen macht die Studie eines deutlich: Wie stark Europa künftig von Waldbränden betroffen sein wird, hängt maßgeblich von Entscheidungen der nächsten Jahre ab – beim Klimaschutz ebenso wie bei Prävention und Löschstrategien.

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