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Startseite»Politik»Magdeburg: Kaiser Otto der Große bekommt neues Grab
Politik

Magdeburg: Kaiser Otto der Große bekommt neues Grab

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 22, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 22.08.2026 • 04:48 Uhr

Weil das Grab von Kaiser Otto dem Großen restauriert werden musste, wurden auch seine Gebeine erforscht. Historiker und Chirurgen sind nun um einiges klüger – und der Kaiser bekommt bald eine neue Ruhestätte.

Von Sandra Meyer, MDR KULTUR

Seit Anfang 2025 ist der Hohe Chor des Magdeburger Doms Baustelle und Labor zugleich: Die stark geschädigte Begräbnisstätte Kaiser Ottos I., eines der wichtigsten europäischen Herrscher des Mittelalters, musste dringend gesichert werden.

Die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Denkmalpflege, Archäologen, Domgemeinde und die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland arbeiteten eng zusammen, um den fragilen Kalksteinsarkophag zu retten und seinen Standort dauerhaft zu stabilisieren.

Archäologie zwischen Risiko und Erkenntnis

Otto der Große (912–973) ist eine Schlüsselfigur der europäischen Geschichte: 962 in Rom zum Kaiser gekrönt, erhob er 968 Magdeburg zum Erzbistum und ließ sich dort an der Seite seiner früh verstorbenen Frau Editha bestatten. Sein Sarkophag ist daher ein Denkmal von europäischem Rang – und war akut gefährdet, wie ein turnusmäßiges Monitoring 2024 zeigte.

Haarrisse im Kalkstein, korrodierende Metallklammern, eine rund 300 Kilogramm schwere Marmorplatte auf zentimeterdünnen Wänden: Das drohte zusammenzufallen, sagt Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra. „Wir mussten Kaiser Otto den Großen davor bewahren, dass seine Gebeine beschädigt werden.“ Die liturgische Nutzung des Gotteshauses blieb jedoch weitgehend möglich.

Totenruhe vs. Forscherdrang

Das Grab musste vollständig geöffnet werden, zementartige Flicken aus früheren Reparaturen entfernt, rostende Eisenklammern und Nägel herausgenommen – sie hatten den Stein über Jahrzehnte gesprengt, statt ihn zu stabilisieren. Innen kam ein hölzerner Sarg zum Vorschein, unten stark geschädigt durch Feuchtigkeit. Auch er musste geöffnet werden.

Eine Zumutung für die Totenruhe, aber eine notwendige, wie Oberkirchenrat Albrecht Steinhäuser betont: „Der Totenruhe konsequent zu genügen – das hätte dazu geführt, dass über kurz oder lang der Sarkophag zusammenbricht. Und das wäre erst recht eine Störung der Totenruhe gewesen.“

Die Marmorplatte und der alte Sarkophag des Grabes von Kaiser Otto dem Großen.

Kaiser im CT

Die Öffnung des Grabes bot die einmalige Chance für ein internationales Forscherprojekt: 40 Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen setzten sich daran, zunächst die Schlüsselfrage zu beantworten: Liegt Otto der Große überhaupt noch in dem Grab? Es wurde nachweislich mehrfach geöffnet. Bei solchen Gräbern sei der Austausch der Toten kein seltenes Phänomen, erzählt Landesarchäologe Harald Meller. Auch in Magdeburg hätte es also gut sein können, dass die Gebeine jemand anderem gehörten: „Erst der genetische Abgleich brachte die Sicherheit, dass Otto tatsächlich Otto ist.“

Den Beweis ergab ein Vergleich mit Genmaterial von Kaiser Heinrich II. aus dem Bamberger Dom. So ließ sich eine Verwandtschaft dritten Grades belegen. Anthropologe Harald Ringbauer vom Max-Planck-Institut Leipzig beschreibt es als Glücksfall: „Es war wirklich eine Verkettung sehr glücklicher Umstände, dass wir 2025 nicht einen, sondern zwei ottonische Kaiser beproben konnten.“

Diagnose: Karies und Arthrose

Die Untersuchungen geben auch Einblicke in Leben, Leiden und die mögliche Todesursache des Kaisers. So wurde das Skelett in der Universität Magdeburg in einen Kernspintomografen geschoben. Demnach war Otto muskulös und auch mit 61 Jahren in guter Kondition, wenn auch mit leichter Arthrose. Es gibt einige Läsuren am Hinterkopf – wahrscheinlich Kriegswunden. Und Otto fehlten drei Zähne. Er hat sich nicht um seine Mundhygiene bemüht: „Karies“, sagt Frank Tavassol, Leiter der Kiefer- und Gesichtschirurgie der Uni Halle: „Wir gehen davon aus, dass er halt die Zähne nie geputzt hat, dafür gab es auch keinen Anlass.“

Auch zukünftig wird geforscht, vornehmlich an Ottos Äußerem: Haut-, Haar- und Augenfarbe. In Kombination mit forensischen Methoden ist eine Gesichtsrekonstruktion denkbar, sagt Landesarchäologe Meller: „Wir werden Otto natürlich wieder ein Gesicht geben können.“

Neuer Sarg für alten Kaiser

Parallel zur Forschung wurde ein neuer Sarg gestaltet – zeitgenössisch, nicht historisierend. Dazu hatte die Kunststiftung Sachsen-Anhalt einen Wettbewerb ausgeschrieben. „Eine Jahrhundertaufgabe“, findet Direktorin Manon Bursian. „Als die Anfrage kam, dass wir uns um eine Gestaltung eines Sarges für diesen großen Kaiser Otto kümmern sollten, da wird man ehrfürchtig, eine einmalige Aufgabe im Leben.“

Ein langgezogener Körper aus Titan, dessen Deckel eine leichte Drehung aufnimmt: Modell für den neuen Sarg von Otto dem Großen.

Und das wurde es auch für die hallesche Künstlerin Silke Trekel. Der neue Sarg ist ein langgezogener Körper aus Titan, dessen Deckel eine leichte Drehung aufnimmt. Ein goldener Bandstreifen markiert das Königssymbol, Silber ergänzt den Materialklang. Alles ist darauf angelegt, auch in tausend Jahren noch stabil zu sein: „Es ist eine sehr schöne, moderne Form. Das Material ist aus Titan, Gold und Silber. Eine lange Materialforschung ist geglückt, sodass Otto noch mal 1.000 Jahre in Ruhe weiterschlummern kann.“

Wiederbeisetzung im Dom

Am 1. September 2026 kehrt der restaurierte Kalksteinsarkophag an seinen Platz im Hohen Chor zurück. An diesem Vormittag werden die Gebeine Ottos des Großen in den neuen Titansarg gelegt und in den Steinsarkophag versenkt. Die antike Marmorplatte schließt die Grablege erneut – vermutlich für viele Jahrhunderte.

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Dr. Heinrich Krämer
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