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Politik

Diebstahl in der Pflege: Wie sich Betroffene schützen können

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 22, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 22.08.2026 • 08:47 Uhr

Pflege- und hilfsbedürftige Menschen können leicht zu Opfern von Diebstahl werden. Die Kriminalstatistik zeigt, dass bei ihnen immer öfter Wertsachen entwendet werden. Was die Polizei rät.

Von Peter Allgaier und Oliver Christa, BR

„Mein Ehering oder die schöne Kette, alles war auf einmal weg“, sagt Gisela Urban. Die 86-Jährige erinnert sich genau an den Moment, als sie vor zwei Jahren im Schlafzimmer auf einen fast leeren Schmuckkoffer blickt. Ein Schaden von 4.000 Euro, denn es fehlt auch Geld.

Der Verdacht fällt auf die Pflegekraft, die sie zu Hause unterstützt. Wie sich später herausstellt, melden auch Angehörige anderer Pflegebedürftiger, dass Wertsachen fehlen. Stets sei dieselbe Pflegerin zuvor dagewesen. Doch letztlich beweisen können die Betroffenen nichts.

Diebstähle in Heimen nehmen zu

Ein Problem, das nicht nur in der ambulanten Pflege existiert, wie der Blick auf die Kriminalstatistik zeigt. Kam es in Alters- und Pflegeheimen vor fünf Jahren noch zu 834 Diebstählen, kletterte die Zahl vergangenes Jahr in Bayern auf 1.254. Das ist ein Anstieg um rund die Hälfte. Bei den Tätern handle es sich nicht nur um Pflegekräfte, sondern auch um andere Bewohner oder Besucher des Heims, so das Landeskriminalamt.

Auch deutschlandweit steigen die Fallzahlen von rund 8.900 im Jahr 2024 auf 9.400 vergangenes Jahr. Das Bundeskriminalamt schlüsselt die Statistik erst seit zwei Jahren nach der „Tatörtlichkeit“ auf.

Für eine Pflegeeinrichtung ist es schwer möglich, alles im Blick zu behalten, die Aufgaben sind fordernd. Heimbewohner verlassen oft auch ihr Zimmer, weil beispielsweise gesundheitliche Untersuchungen anstehen.

„Ich hatte mich nicht getraut, es zu melden“

In Gisela Urbans Wohnung gab es eine ähnliche Situation, wie die Betroffene schildert. Die Pflegerin sollte ihre wunden Beine versorgen mit Verbandsmaterial aus dem Nebenraum. Doch sie kam laut Aussage der Seniorin längere Zeit nicht mehr zurück. Urban stand auf und entdeckte die Pflegerin in einem anderen Zimmer, wo sie ihre Sachen durchwühlte. „Ich hatte mich nicht getraut, es dem Pflegedienst oder der Polizei zu melden, weil ich dachte, es kommt dann vielleicht niemand mehr, der mich verbindet“, sagt Urban.

Krankenschwester Cordula Metzger, die die 86-Jährige gelegentlich besucht, kritisiert, dass älteren Menschen oft weniger geglaubt werde. „Manche denken, die Oma ist schon dement oder hat Dinge einfach nur verlegt. Ich denke, dass es eine relativ hohe Dunkelziffer gibt“, sagt Metzger.

Ehrenamtliche als Anlaufstelle für Probleme?

Helga Buysan sieht das ähnlich. Sie betreibt einen ambulanten Pflegedienst und beschäftigte ebenfalls eine Mitarbeiterin, die allem Anschein nach stahl. Sie hatte sie entlassen, doch die Pflegerin fand eine neue Stelle. „Wir können als Arbeitgeber Vorfälle nicht konkreter ins Arbeitszeugnis schreiben, wenn sie nicht zweifelsfrei bewiesen sind. Hinzu kommt, dass Pflegepersonal knapp ist und fast jeder genommen wird“, sagt Buysan.

Der Ruf ihres Pflegedienstes habe durch den Vorfall gelitten. Sie wünscht sich, dass sich in der ambulanten Pflege Fürsprecher wie in Krankenhäusern oder Heimen durchsetzen – also neutrale Ehrenamtliche, an die man sich bei Problemen jederzeit wenden kann, damit solche Taten schneller auffliegen.

Hilfe von Verwandten, Safe, Inventarliste

Die Polizei rät, Wertgegenstände nicht offen herumliegen zu lassen. Sie sollten bei vertrauten Verwandten verwahrt oder in einen Safe eingeschlossen werden, um die Gelegenheit für einen Diebstahl gar nicht erst entstehen lassen.

„Größere Mengen an Bargeld sollte man nur im Kreis der Angehörigen zählen“, sagt Alexander Heubuch vom Polizeipräsidium Schwaben Süd/West. Er empfiehlt grundsätzlich auch, eine Inventarliste anzulegen und sämtliche Wertgegenstände zu dokumentieren. Das hilft der Polizei nach einem Diebstahl bei der Fahndung und erleichtert die Schadensabwicklung mit der Versicherung.

„Nicht alle über einen Kamm scheren“

Auch Gisela Urban will mit Unterstützung von Cordula Metzger ihre verbliebenen Wertsachen fotografieren. Der Verlust des Schmucks schmerzt sie noch immer, weil damit viele persönliche Erinnerungen verbunden waren.

Man dürfe nicht alle Pflegekräfte über einen Kamm scheren, es handle sich um eine Minderheit, betont Metzger. „Aber ich möchte, dass hilfsbedürftige Menschen nicht mehr ausgenutzt werden und ohne Ängste Missstände melden.“

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Dr. Heinrich Krämer
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