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Startseite»Politik»Humanoide Roboter: Kann Deutschland beim Boom mithalten?
Politik

Humanoide Roboter: Kann Deutschland beim Boom mithalten?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 22, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Analyse

Stand: 22.08.2026 • 13:02 Uhr

China gibt bei humanoiden Robotern das Tempo vor. Doch Deutschland hat durchaus Chancen – ausgerechnet für die kriselnden Autozulieferer könnte der neue Milliardenmarkt zum Wachstumstreiber werden.

Angela Göpfert

Humanoide, also menschenähnliche Roboter, können immer mehr: Sie laufen Halbmarathons, greifen und tragen Gegenstände, sortieren Pakete – und übernehmen in ersten Fabriken bereits konkrete Produktionsaufgaben. Expertinnen und Experten sehen hier das Potenzial für den nächsten Milliarden- oder gar Billionenmarkt.

Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) geht für 2030 von einem weltweiten Marktvolumen von rund 30 Milliarden Dollar aus. Die US-Investmentbank Morgan Stanley hält langfristig sogar ein Marktvolumen von rund fünf Billionen Dollar bis 2050 für möglich. Bis dahin könnten weltweit nahezu eine Milliarde humanoide Roboter im Einsatz sein.

China dominiert bei humanoiden Robotern

China legt dabei ein besonders hohes Tempo vor. Allein im ersten Halbjahr 2026 wurden dort laut Reuters mehr als 40.000 humanoide Roboter ausgeliefert. Die Volksrepublik kam demnach auf 97 Prozent der weltweiten Auslieferungen in diesem Zeitraum. Und wo bleibt Deutschland – sind humanoide Roboter etwa der nächste Wachstumsmarkt, den die Firmen hierzulande verpassen?

Wie viele humanoide Roboter in Deutschland bereits produziert oder ausgeliefert werden, lässt sich jedenfalls derzeit nicht belastbar beziffern. Anders als in China steckt der Markt hier noch weitgehend in der Pilot- und Hochlaufphase. Allerdings startet Deutschland in dieses Technologierennen auch keineswegs bei null.

Deutschlands Stärke liegt in der Autoindustrie

„Wir sind in Deutschland eigentlich sehr gut aufgestellt, um noch bessere Systeme auf den Markt zu bringen“, betont Sebastian Reitelshöfer, Forschungsbereichsleiter Robotik an der Universität Erlangen-Nürnberg, im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Schließlich seien Roboter sehr komplexe mechatronische Systeme. „Und Komplexität, Mechatronik, hohe Qualität – das können wir eigentlich ganz gut. Das haben wir jahrzehntelang führend als Automobil verkauft.“

Tatsächlich gehört die Automobilindustrie zu den ersten Branchen in Deutschland, wo die neuen Roboter zum Einsatz kommen. BMW testet Humanoide bereits direkt in der Fertigung in seinen Werken in Leipzig und im US-amerikanischen Spartanburg. Schaeffler geht noch einen Schritt weiter: Der Zulieferer will die Roboter nicht nur in den eigenen Werken einsetzen, sondern auch Schlüsselkomponenten selbst herstellen.

NEURA Robotics setzt auf deutsche Industriekompetenz

Um sich entlang der Wertschöpfungskette zu positionieren, arbeitet Schaeffler eng mit dem deutschen Roboterhersteller NEURA zusammen. Das 2019 gegründete Start-up mit Hauptsitz in Metzingen (Baden-Württemberg) entwickelt sogenannte kognitive Roboter, die sehen, hören, fühlen und mithilfe von KI lernen sollen.

Das Flaggschiff von NEURA heißt 4NE1 – ein Roboter, der langfristig sowohl in Fabriken als auch bei alltäglichen Aufgaben eingesetzt werden soll. Laut Hersteller verfügt er über feinmotorische Hände und kann bis zu 100 Kilogramm heben. Schaeffler entwickelt und liefert für NEURA unter anderem kompakte Aktoren – also integrierte Antriebseinheiten für die Gelenke humanoider Roboter.

Autozulieferer entdecken humanoide Robotik

Neben Schaeffler hätten mittlerweile auch viele andere Autozulieferer bereits erkannt, „dass sie mit ihrem Kompetenzprofil eigentlich auch super Zulieferer für eine neue Robotikindustrie werden können“, betont Robotikexperte Reitelshöfer. Für die – angesichts der Transformation der Automobilbranche – zuletzt arg gebeutelte deutsche Zuliefererindustrie tut sich hier somit ein neues Wachstumsfeld auf.

Mit Blick auf die Robotik-Start-up-Szene in Deutschland ergänzt Reitelshöfer: „NEURA ist sicherlich das prominenteste Beispiel – aber nicht das einzige.“ Das Fraunhofer-IPA zählte im vergangenen Jahr mehr als 60 junge Robotikunternehmen in Deutschland.

Bosch, Nvidia und Amazon investieren in NEURA

Spannend ist allerdings noch der Blick auf die Investoren, die hinter NEURA stehen: Neben den deutschen Autozulieferern Bosch und Schaeffler haben sich auch US-Tech-Schwergewichte wie Nvidia, Amazon und Qualcomm an der jüngsten Rekordfinanzierungsrunde über 1,4 Milliarden Dollar beteiligt.

Das zeigt, dass deutsche Robotik-Firmen am Markt inzwischen als ernstzunehmende Player wahrgenommen werden. Zumal die Modelle chinesischer Firmen bei genauerem Hinsehen oftmals noch an einem entscheidenden Punkt das Nachsehen haben: dem Durchhaltevermögen.

Wo humanoide Roboter noch Schwächen haben

„Die laufen ja nicht zufällig, so wie zuletzt in Peking geschehen, als PR-Stunt einen Halbmarathon, sondern weil sie einen vollen Marathon nicht durchhalten würden“, betont Robotik-Experte Reitelshöfer.

„Ein solcher Roboter würde also in vielen Anwendungsszenarien nur ein oder zwei Wochen durchhalten, bis nach gut 20 Kilometern seine wesentlichen Komponenten, nämlich die Beine, kaputt wären.“ Aus der europäischen Industrie, gerade aus dem Automobilbereich, gebe es hingegen ganz andere Konzepte, die viel länger halten würden.

Die größte Hürde ist die Kommerzialisierung

Doch gute Technik allein macht noch keinen wirtschaftlichen Erfolg. Genau da sieht Chris-Oliver Schickentanz von der Capitell AG eine typische deutsche Schwäche: „Wir sind in der Grundlagenforschung – wie in vielen Bereichen – durchaus relativ weit, aber es hapert an der Kommerzialisierung. Also wie kann ich mit dieser Technologie Geld verdienen?“

Unterm Strich hat Deutschland somit gute Voraussetzungen, um auf dem Milliardenmarkt für humanoide Roboter künftig eine wichtige Rolle zu spielen. Jetzt kommt es aber darauf an, aus Know-how und guten Prototypen auch ein echtes Industriegeschäft zu machen.

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