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Startseite»Politik»Aldi gegen Lidl: Discounter-Zoff um den günstigsten Preis
Politik

Aldi gegen Lidl: Discounter-Zoff um den günstigsten Preis

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 22, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 22.08.2026 • 17:09 Uhr

Die deutschen Discounter liefern sich einen Preiskampf. Aldi setzt auf den besten Preis für alle – ganz ohne Bonus-App. Lidl kontert digital. Wer hat die bessere Strategie?

Wer beim Lebensmitteleinkauf sparen will, kommt inzwischen an Apps kaum noch vorbei. Coupons aktivieren, digitale Rabatte nutzen und dafür persönliche Daten preisgeben – für viele Kundinnen und Kunden gehört das mittlerweile zum Alltag. Doch längst nicht jeder möchte diesen Weg mitgehen.

Aldi setzt auf Kunden ohne App

Genau hier setzt Aldi an. Der Discounter wirbt derzeit auf Plakaten und im Internet mit dem Versprechen: „Günstig ohne Bonus-App“. Das Prinzip ist einfach: Der Preis am Regal soll für alle Kundinnen und Kunden gelten – unabhängig davon, ob sie eine App besitzen oder digitale Coupons nutzen.

Rund 65 Prozent der Deutschen besitzen laut einer aktuellen Studie des Marktforschungsriesen NIQ mindestens eine Händler-App. Doch längst nicht jeder nutzt diese regelmäßig. Handelsexperte Stephan Rüschen von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn erklärt, dass die Anwendungen für viele Kundinnen und Kunden zu kompliziert oder zu aufwendig seien. Viele Verbraucher haben keine Lust auf den digitalen Coupon-Dschungel, denn oftmals brauche man für jeden Laden eine andere App.

Ein Preis für alle?

Für manche Verbraucher sei es ungerecht, dass Menschen mit App weniger bezahlen. Gerade für ältere Menschen oder Personen mit Sehbehinderung können die digitalen Angebote zusätzlich eine Hürde darstellen. Aldi wirbt nun offenbar genau um diese Kundengruppe und will für Fairness stehen.

Der „Aldi-Preis“ wolle gute Lebensmittel für alle bezahlbar machen, erklärt Aldi Süd-Geschäftsführer Simon Gelzer im Marktmagazin mex des Hessischen Rundfunks. Das Versprechen: Am Regal steht ein Preis – und dieser gilt für jeden Kunden. Ohne Bedingungen, ohne Smartphone, ohne die Freigabe persönlicher Daten und ohne aktivierte Coupons.

Lidl spottet über Aldi Nord und Aldi Süd

Doch genau an diesem Punkt setzt Konkurrent Lidl als Reaktion auf die Kampagne zum Gegenschlag an. Denn ganz so einfach ist es bei Aldi dann doch nicht: Deutschland ist zwischen Aldi Nord und Aldi Süd aufgeteilt, in zwei rechtlich und wirtschaftlich komplett getrennte Unternehmen.

Sie werden eigenständig geführt, kalkulieren ihre Kosten und Margen separat und haben unterschiedliche Einkaufsstrukturen, Lieferanten sowie Sortimente. Daher können sich die Endpreise für Produkte je nach Region unterscheiden. Das bestätigen Stichproben immer wieder, besonders im Frischebereich.

Lidl nimmt diese Besonderheit in einem Seitenhieb auf Aldi aufs Korn: „Erst Deutschland in Nord und Süd aufteilen und dann stolz von einem Preis für alle ohne App sprechen. Ihr habt Humor“, heißt es auf Anzeigen in Sozialen Netzwerken. Aldi verweist dagegen auf sein umfangreiches Eigenmarkensortiment, das mehr als 90 Prozent des Gesamtsortiments ausmache und die Preisführerschaft Aldis begründe.

Werden Kunden ohne App benachteiligt?

Die zunehmende Bedeutung digitaler Coupons wirft eine weitere Frage auf: Werden Kundinnen und Kunden, die keine App nutzen, langfristig benachteiligt? Könnte für sie das allgemeine Preisniveau steigen, während andere Verbraucher von personalisierten Rabatten profitieren? Finanzieren Kundinnen und Kunden ohne App womöglich einen Teil der Bonusangebote mit?

Handelsexperte Rüschen sieht bislang keine Anzeichen dafür, dass Bonus-Apps zu einem höheren allgemeinen Preisniveau führen. Er beobachtet jedoch eine andere Entwicklung: Die Zahl der beworbenen Produkte in klassischen Handzetteln geht zurück. Je stärker Händler auf personalisierte Coupons und digitale Angebote setzen, desto weniger klassische Massenwerbung sei nötig, sagt Rüschen.

Wer hat langfristig die bessere Strategie?

Dadurch gebe es insgesamt weniger Aktionsartikel in den Prospekten, sodass App-Verweigerer hier einen klaren Nachteil hätten. Während Lidl, REWE und Co. mit ihren Apps im großen Stil Kundendaten sammeln und treue App-Nutzende mit Rabatten belohnen, verzichtet Aldi auf diese wertvollen Daten. Das Versprechen: Einfachheit und absolute Gleichbehandlung.

Für Rüschen muss das kein Nachteil sein. Auf die Frage, wer die bessere Strategie fahre, sagt der Handelsexperte: „Ich glaube, Aldi wird damit sehr gut fahren.“ Der Kunde hat wie immer die Wahl. Entweder er bezahlt beim Lebensmitteleinkauf auch mit seinen Daten – oder er setzt auf das klassische Prinzip.

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Dr. Heinrich Krämer
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