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Startseite»Politik»Schildkröten in Mexiko: Vom gefundenen Fressen zum Touri-Highlight
Politik

Schildkröten in Mexiko: Vom gefundenen Fressen zum Touri-Highlight

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 23, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 23.08.2026 • 06:37 Uhr

Einst vor allem bei Wilderern berühmt, hat sich ein kleiner Strand im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca mittlerweile zum Paradies für Ökotourismus gewandelt. Die Stars sind Meeresschildkröten.

Von Christina Fee Moebus, ARD-Studio Mexiko

Tausende Meeresschildkröten kommen an einen kleinen Strand in Mexiko, um ihre Eier zu legen. Die Eier galten lange als Delikatesse. Mittlerweile ist der Ort Escobilla am südmexikanischen Pazifik ein Hotspot für den Ökotourismus geworden. Die Meeresschildkröten haben gewissermaßen sich selbst und auch das Dorf gerettet. Viele leben hier von der Tourismusbranche.

Eloisa Soledad führt Touristinnen und Touristen an einem einmaligen Schildkrötenstrand herum. Sie erklärt, wie etwa eine Oliv-Bastardschildkröte ihre Eier vergräbt: „Die Schildkröte ist gerade fertig mit dem Nisten und versteckt ihre Eier, damit natürliche Feinde sie nicht stehlen. Ein paar Minuten später macht sich die Schildkröte wieder zurück auf den Weg in den Ozean.“

Frühere Hochburg für Schildkrötenjagd

Soledad ist fast jeden Tag am Strand, überwacht ihn, führt Touristinnen und Touristen durch das Schutzreservat, räumt Müll weg. Früher hat die Mexikanerin noch selbst Schildkröteneier geklaut. Die Region war vor etwa 30 Jahren noch eine Hochburg für die Meeresschildkrötenindustrie. Tiere wurden abgeschlachtet, ihre Haut auf dem internationalen Markt zu Taschen weiterverarbeitet. Die Eier der Oliv-Bastardschildkröten gelten als Delikatesse, teils sind sie auch heute noch auf Märkten in der Region zu finden.

Soledad kommt aus armen Verhältnissen, verdiente mit der Eierjagd in einer Nacht umgerechnet ein paar Euro. „Wir kamen her, um die Nester zu plündern und die Eier zu verkaufen, damit wir uns zumindest einen Keks oder ein Kilo Zucker oder ein Kilo Bohnen kaufen konnten.“ Ihre Eltern seien sehr arm gewesen, das Geld habe nicht für die zwölf Kinder ausgereicht. „Wir hatten keine Wahl“, sagt sie.

Einige Arten vom Aussterben bedroht

Die Jagd auf Schildkröten hat Konsequenzen – bis heute. Einige Arten sind vom Aussterben bedroht. Auch der Bestand der Oliv-Bastardschildkröte ist dramatisch gesunken. In den 1990er-Jahren hat Mexiko ein striktes Handelsverbot erlassen – ein Erfolg für den Artenschutz.

Damals war das aber auch eine Existenzbedrohung für die Menschen aus den umliegenden Gemeinden, die von der Schildkrötenjagd lebten. Sie mussten sich umorientieren, um zu überleben. Mittlerweile ist die Gegend rund um den Escobilla-Strand zu einem Mekka für Ökotourismus an der Pazifikküste geworden. Bars, Lädchen und Surfschulen säumen die kleinen Gassen im Nachbarort Mazunte. Urlauberinnen und Urlauber liegen am Strand und genießen den Hippie-Vibe des Ortes oder gehen ins mexikanische Schildkrötenzentrum, das zum Schutz der Tiere gegründet worden ist.

Dort lassen sich so einige Exemplare aus nächster Nähe betrachten. Mireya Viadiu arbeitet dort als Bildungskoordinatorin: „Wir leisten hier Aufklärungsarbeit.“ Den ehemaligen Fischern seien Schulungen und Weiterbildungen angeboten worden, damit sie alternative Einnahmequellen finden konnten, so Viadiu. Heute arbeiten viele Fischer im Bundesstaat Oaxaca im Tourismussektor, bieten Bootstouren zu Delfinen und Walen an, beliefern Restaurants mit ihrem frischen Fischfang.

Mit den Touristen kommen neue Probleme

Es ist ein sanfter Tourismus. Statt großer Hotelketten gibt es Öko-Lodges, Naturkosmetikläden, Yoga-Zentren. Die Schildkröten sind nun ein Touri-Hit. Aber mit den Touristen kämen auch neue Probleme, sagt Viadiu: „Durch Hotels und Restaurants gibt es viel Müll und auch zu viel Lichtverschmutzung.“ Licht verändere das Verhalten der Schildkröten. Es sei sehr wahrscheinlich, dass die Schildkröten aufgrund des Lichts ihre Nistplätze wechselten. Bei den Jungtieren sei das Problem noch größer, da auch sie sich vom Licht angezogen fühlten, so Viadiu. „Anstatt sich beim Schlüpfen ins Meer zu bewegen, laufen sie an Land. Viele sterben dann an Dehydrierung.“

In Escobilla, dort, wo die großen Schildkrötenweibchen ihre Eier legen, hat die Ökotourismus-Kooperative von Eloisa Soledad auch Brutgehege eingerichtet. So sollen möglichst viele Eier vor äußeren Gefahren geschützt werden. Sechs Wochen etwa dauert es, bis aus den Eiern handtellergroße Baby-Meeresschildkröten werden, die sich auf den Weg in den Ozean machen.

Für Soledad ist die Arbeit bei der Naturschutzinitiative ein Zubrot – leben kann sie davon allein nicht. Trotzdem ist sie glücklich mit ihrem Job: „Ich bin mit meiner Arbeit zufrieden, ich fühle mich wohl. Ob ich hier nun Geld verdiene oder nicht. Ich will mich um die Schildkröten kümmern und dafür sorgen, dass es viele von ihnen gibt, um der Natur den Schaden zu ersetzen, den ich ihr zugefügt habe.“

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Dr. Heinrich Krämer
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