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Politik

OpenAI startet Werbegeschäft in Europa: Wie sich KI finanzieren lässt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 23, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 23.08.2026 • 20:34 Uhr

Von Montag an wird ChatGPT in Europa Werbung enthalten. Obwohl OpenAI-Chef Altman lange dagegen war, setzt der Konzern nun genau darauf, um die KI zu finanzieren. Welche Folgen das hat.

Lilli Hiltscher

Vom kommenden Montag an wird der Chatbot ChatGPT Werbung enthalten. In 31 europäischen Ländern – neben Deutschland sind unter anderem Österreich, die Schweiz, Frankreich, Spanien, Italien, Polen und die skandinavischen Länder betroffen – wird es dann also Werbeanzeigen in den Chatverläufen geben. Neu ist das aber nicht: In den USA startete bereits vor sechs Monaten ein erster Testlauf mit Werbeinhalten bei OpenAI.

„OpenAI ist damit nicht völlig allein: Microsoft zeigt bereits Anzeigen in Copilot, und Google integriert Werbung in seine KI-gestützte Suche“, erklärt Alicia von Schenk, Professorin für Economics of AI and Human Behavior an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, gegenüber tagesschau.de. Andere Anbieter wiederum hätten sich für einen anderen Weg entschieden: „Anthropic hat ausdrücklich angekündigt, Claude werbefrei zu halten. Und Perplexity hat gesponserte Anschlussfragen zwar erprobt, den Werbeversuch aber inzwischen aus Sorge um das Vertrauen der Nutzer beendet.“

Um dieses nicht zu verspielen, hat OpenAI betont, dass Werbetreibende keinen Zugriff auf Chatverläufe erhalten: „Bei den Werbeeinblendungen gilt grundsätzlich der Schutz der Privatsphäre der Unterhaltung. Wir geben keinerlei Informationen aus Unterhaltungen an Werbetreibende weiter. Dies ist für uns äußerst wichtig – auch, weil manche Nutzer ChatGPT sehr persönliche Dinge anvertrauen.“

Werbung soll gekennzeichnet sein

Trotzdem ist das Schalten von Werbeanzeigen nicht völlig unkritisch für KI-Anbieter wie OpenAI, erklärt Expertin von Schenk: „Viele Menschen nutzen ChatGPT auch, weil sie eine direkte, vermeintlich neutrale Antwort erwarten und nicht wie bei einer Suchmaschine durch Anzeigen navigieren möchten. Zu aufdringliche Werbung könnte diesen Vorteil und damit das Vertrauen der Nutzer beschädigen.“

OpenAI will die Werbeinhalte deshalb optisch von den Chat-Inhalten unterscheidbar machen. Dave Dugan, Vice President of Ads bei OpenAI, sagte: „Die Antwort von ChatGPT ist klar von den Anzeigen getrennt und deutlich abgegrenzt.“ So solle unterhalb der eigentlichen Antwort eine graue Linie erscheinen, „und unterhalb dieser Linie kann sich eine Anzeige befinden“.

Indirekte Folgen für KI-Antworten möglich

Karoline Ströhlein von der Universität Regensburg betont allerdings gegenüber tagesschau.de, dass in einem KI-Modell, dass auch Werbeinhalte ausspielt, auch die Interessen des Werbetreibenden berücksichtigt werden – immerhin seien auch sie zahlende Kunden. Genau das könne aber für normale Nutzer zum Problem werden: „Eine aktuelle Studie zu Werbung in KI-Chatbots findet Hinweise darauf, dass verschiedene Modelle in Konfliktsituationen teilweise zugunsten kommerzieller Interessen handeln – etwa indem sie gesponserte, aber teurere Produkte empfehlen.“

Und auch indirekte Effekte seien nicht auszuschließen, sagt Expertin von Schenk: „Anzeigen könnten bestimmte Marken oder Lösungen in den Vordergrund rücken und dadurch verändern, was Nutzer als Nächstes fragen.“ Durch diese veränderte Frage komme es dann auch zu veränderten Antworten: „Werbung könnte den Gesprächsverlauf somit auch dann beeinflussen, wenn sie nicht direkt in die Antwortgenerierung eingreift.“ Das fürchtet auch Karoline Ströhlein: „Wenn mir ein Chatbot sagt: ‚Für deine Situation würde ich Produkt A empfehlen, weil …‘, wirkt das wie eine persönliche Beratung.“ Genau das berge aber die Gefahr, dass „Nutzende die Ausgabe nicht unbedingt wie eine neutrale Informationssammlung, sondern teilweise wie eine Entscheidungshilfe“ bewerten würden.

Und noch etwas anderes komme hinzu: „Natürlich wird es auch hier etwas geben, was wir schon von Suchmaschinen kennen, nämlich Optimierungen“, sagt Professor Andreas Moring von der International School of Management tagesschau.de. Bei herkömmlichen Suchmaschinen gibt es das heute schon: Mit der Suchmaschinenoptimierung SEO werden Webseiten so gestaltet, dass Suchmaschinen sie leicht finden, verstehen und bei passenden Suchanfragen weit oben anzeigen. „So etwas wird sich nun auch für KI entwickeln“, so Experte Moring.

OpenAI-Chef lange dagegen

Dass sich OpenAI überhaupt für das Schalten von Werbung entschieden hat, dürfte klar finanzielle Hintergründe haben – immerhin war Firmenmitbegründer und Chef Sam Altman lange Zeit strikt dagegen. „OpenAI und Anthropic wollen an die Börse. Deswegen müssen sie Investoren erklären und belegen, wie ihr zukünftiges Geschäftsmodell aussehen soll“, erklärt Andreas Moring.

Das Problem für OpenAI ist laut Moring folgendes: „OpenAI setzt auf Privatkunden.“ Doch nach aktuellen Schätzungen nutzen nach wie vor mehr als 80 Prozent der monatlich über eine Milliarde Anwender die kostenlose Version von ChatGPT. Die Entscheidung für Werbung sei deshalb auch für den geplanten IPO wichtig: „Das ist ein Zeichen an die Investoren für den Börsengang, dass das Unternehmen es wirklich ernst meint mit dem Geld verdienen“, erklärt Moring.

Werbung soll auch Kosten decken

Zumal OpenAI hohe Kosten hat: Damit die KI genutzt werden kann, müssen Rechenzentren gebaut, die Stromversorgung gewährleistet, Chips gekauft und Fachpersonal bezahlt werden. „Werbung soll neben Abonnements, Unternehmenskunden und API-Gebühren insbesondere die kostenlose Nutzung mitfinanzieren“, erklärt Expertin von Schenk.

Wer diese Werbeanzeigen nicht sehen will, kann laut Dugan auch auf ChatGPT Plus oder Pro umsteigen. Das Plus-Abo kostet in Europa monatlich knapp 23 Euro, der deutlich umfangreichere Pro-Tarif sogar 229 Euro im Monat. Bereits jetzt gibt es bei OpenAI auch günstigere Einsteiger-Abonnements. Der Einsteigertarif ChatGPT Go, der monatlich knapp sieben Euro kostet, ist allerdings nicht werbefrei.

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