Schon jetzt bezieht Deutschland den größten Anteil seiner Gaslieferungen aus Norwegen – langfristig soll es noch mehr werden. Dazu hat der staatliche Gashändler Uniper einen umfangreichen Liefervertrag abgeschlossen.
Der Energiekonzern Uniper baut seinen Gasbezug mit einem langfristigen Liefervertrag mit dem Unternehmen Equinor aus. Uniper habe am Montag einen Vertrag mit dem norwegischen Energieriesen unterzeichnet, teilten die Unternehmen mit.
Uniper beziehe von 2027 bis 2041 jährlich mehr als 30 Terawattstunden (TWh) Erdgas. Dies entspreche grob dem Gasverbrauch von mehr als zwei Millionen Haushalten in Deutschland pro Jahr. Das Gas soll über bestehende Pipelines nach Deutschland kommen.
Immer mehr Gas aus Norwegen
Equinor gehört bereits jetzt zu den wichtigsten Gaslieferanten Deutschlands. Der mehrheitlich staatlich kontrollierte Konzern hatte im Zuge der Energiekrise 2022 frühere Gasmengen Russlands teilweise ersetzt.
„Mit dieser Vereinbarung stärken wir die langfristige Gasversorgung Deutschlands und vertiefen zugleich unsere Zusammenarbeit mit Equinor“, sagte Uniper-Chef Michael Lewis. Gemeinsam wollten die Unternehmungen Lösungen für Erdgas mit geringeren Emissionen in Deutschland weiterentwickeln. Norwegen sei ein wichtiger Partner für die Energieversorgung Europas.
Norwegen wichtigster Gas-Lieferant
Insgesamt bezieht Deutschland nach Angaben der Bundesnetzagentur rund 44 Prozent seines Gases aus dem skandinavischen Land. Damit ist Norwegen der größte Gas-Lieferant Deutschlands. Ein kleiner Teil des Gases kommt auch über LNG-Terminals nach Deutschland, hier sind die USA mit Abstand der größte Lieferant.
Uniper ist einer der größten Gasgroßhändler Europas. Das Unternehmen beliefert unter anderem Stadtwerke, große Industriekunden sowie Kraftwerksbetreiber. Uniper ist derzeit fast vollständig in deutschem Staatsbesitz. Der Bund war Ende 2022 im Rahmen eines Rettungspakets eingestiegen, weil Gaslieferungen aus Russland ausgeblieben waren.
Norwegen will in der Arktis Öl und Gas fördern
Norwegen geht allerdings in der Energiepolitik auf Konfrontationskurs zur Europäischen Union. Das Land will ungeachtet der Haltung der EU an seinen Plänen zur Öl- und Gasförderung in der arktischen Barentssee festhalten, wie Energieminister Terje Aasland der Nachrichtenagentur Reuters sagte.
Seit der russischen Invasion in der Ukraine 2022 ist Norwegen auch zum größten Gaslieferanten Europas aufgestiegen. Das Land deckt rund 30 Prozent des Bedarfs der EU und Großbritanniens. Es will seine Öl- und Gasproduktion mindestens bis 2035 auf dem derzeitigen Niveau halten. Ohne die Erschließung neuer Vorkommen droht die Förderung nach offiziellen Prognosen jedoch nach 2030 stark zu fallen. Norwegen gehört nicht der EU an, aber dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR).
Die EU befürwortet aus Umweltschutzgründen eigentlich ein Verbot neuer Bohrungen in der Arktis. Sie erwägt jedoch angesichts von Sorgen um die Energiesicherheit eine Neubewertung ihrer Politik.
Ministerium bleibt bei Gasspeichern gelassen
Das von CDU-Politikerin Katherina Reiche geführte Bundeswirtschaftsministerium ist derweil trotz der niedrigen Stände zufrieden mit der Befüllung der Gasspeicher. Ein Sprecher des Ministeriums sprach am Montag von einem „guten Füllstand“ der Speicher. Zudem gebe es neue Terminals, um Flüssiggas (LNG) importieren zu können, und auch Pipeline-Lieferungen aus Norwegen. Eine Mangellage sei nicht absehbar.
Zuletzt war der niedrige Füllstand der Gasspeicher in der Diskussion. Die staatlich vorgegebene Befüllung der Gasspeicher auf 70 Prozent bis Anfang November ist nach Einschätzung aus der Energiebranche kaum mehr zu schaffen.
