Das Sultanat verhandelt mit Iran über ein Abkommen zur Straße von Hormus. Für Teheran ist die Zusammenarbeit strategisch wichtig, für Oman ist sie ein Balanceakt: Denn der engste Verbündete, die USA, drohen mit Eskalation.
„Wenn Oman uns in die Quere kommt, werden wir sie in Grund und Boden bombardieren.“ Das ist kein Zitat eines iranischen Offiziellen, sondern von US-Präsident Donald Trump. Die unmissverständliche Drohung an das kleine Sultanat am Persischen Golf soll er in einem Telefonat mit dem amerikanischen Sender Fox News geäußert haben.
Druck von beiden Seiten
Der engste Verbündete der vergangenen Jahre droht Oman. Das zeigt: Die Regierung in Maskat ist in eine heikle Situation geraten. Zwischen den Fronten im Krieg der USA gegen Iran bekommt Oman Druck von beiden Seiten, erklärt Sascha Bruchmann vom International Institute for Strategic Studies mit Sitz in Bahrain. „Die Omanis sind als kleiner Staat dazwischen. Die haben keine Machtmittel und auch kein Militär, um in der Straße von Hormus zu patrouillieren“, sagt der ehemalige Bundeswehrsoldat im Interview mit tagesschau.de. „Und Trump in seiner eigenen Art und Weise hat jetzt sozusagen die Handbremse gezogen während der Verhandlungen.“
Verhandlungen, die bereits seit Wochen laufen und eigentlich als Ziel hatten, die Straße von Hormus wieder für den Schiffsverkehr und den internationalen Handel freizugeben. Verhandlungen, die auch in einem Abkommen zwischen Iran und USA vorgesehen waren. Doch der US-Präsident scheint mit der angekündigten Einigung zwischen Maskat und Teheran nicht einverstanden gewesen zu sein.
Transitgebühren missfallen Trump
Berichten zufolge haben sich Oman und Iran darauf geeinigt, künftig eine Transitgebühr für Schiffe zu verlangen, die die Straße von Hormus durchfahren. Trumps Reaktion darauf in Richtung Oman fiel entsprechend aus: „Ich finde nicht, dass sie sich besonders gut benommen haben. Aber wir werden mit ihnen fertig, so wie wir auch mit allen anderen fertig werden.“
In den sozialen Medien teilt er dazu ein Bild, das die Straße von Hormus als amerikanisches Staatsgebiet ausweist. Offiziell hat sich die Regierung in Maskat bisher nicht zu den Drohungen Trumps geäußert. Das sei Teil einer Strategie, erklärt der libanesische Politikwissenschaftler Mohamed Qawas: „Die omanische Reaktion entspricht der gewohnt ruhigen omanischen Diplomatie, die nicht direkt erwidert.“ Oman habe Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und allen anderen Ländern in der Region sowie zu Iran. „Daher versucht das Land diesen aus Washington kommenden Zorn Trumps aufzufangen“, erklärt Qawas.
Maskat kann kein Mediator mehr sein
Eigentlich gilt das Sultanat in der Region als neutraler Staat, strebt häufig eine Vermittlerrolle in Konflikten an, ähnlich der Schweiz. Doch in dem Konflikt zwischen den USA und Iran kann Oman diese Karte kaum noch mit Überzeugung spielen. „Die Regierung in Maskat hat die Vermittlerrolle eingebüßt. Nicht, weil die Omanis nicht Vermittler sein wollten oder Mediator sein wollten, sondern weil einfach das Territorium Omans Teil der Verhandlungsmasse geworden ist“, meint Sascha Bruchmann.
Oman liegt genau gegenüber von Iran an der Straße von Hormus, wo sich die Hoheitsgewässer der beiden Länder treffen. „Es ist schwierig, gleichzeitig Mediator zu sein und Gebiet, um das gekämpft wird“, sagt Bruchmann zu tagesschau.de. „Sie wurden da rein gezogen. Es ist einfach eine Lose-Lose-Situation für die Omanis.“
Die öffentliche Meinung kippt
Seit Jahren ist Oman ein strategisch wichtiger Partner der USA. Das amerikanische Militär nutzt Häfen und Luftwaffenbasen des Sultanats. In der Bevölkerung sinke jedoch der Rückhalt für die Präsenz der USA im Land, sagt Mohamed Qawas. Trotzdem würden die Regierungen noch schweigen. „Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die öffentliche Meinung am Golf, im Oman und in der gesamten arabischen Welt sehr empört war und diese Drohungen gegen den Oman ablehnt“, sagt Qawas der Deutschen Welle. „Die Menschen fordern ihre Regierungen auf, auch offiziell eine Position gegen diesen Druck zu beziehen.“
Iran wiederum nutzt die amerikanische Präsenz im Land als Grund, Oman mit Raketen zu attackieren und auch zu treffen. Trotzdem bleiben die Gesprächskanäle zwischen Maskat und Teheran auch in kriegerischen Zeiten offen.
„Spielball der Großmächte“
Die beiden Staaten am Persischen Golf verbindet eine historisch enge Beziehung, die weit über Handelsabkommen hinausgeht. In den 70er Jahren halfen unter anderem iranische Truppen, eine Rebellion im Süden Omans niederzuschlagen und so die Macht der Sultan-Familie zu sichern. Einige Jahrzehnte später spielte Oman eine tragende Rolle bei den amerikanisch-iranischen Verhandlungen über ein Atomabkommen. Die Verbindung hat auch der jüngste Konflikt in der Region zwischen den USA und Iran nicht unterbrechen lassen.
Und so unterhält das Sultanat weiter Kontakte zu beiden Seiten, wird aber auch von beiden Seiten unter Druck gesetzt. Moderieren zwischen den Mächten kann Oman kaum noch. Er ist viel mehr Spielball der Großmächte geworden, meint Sascha Bruchmann, Research Fellow am International Institute for Strategic Studies. „Die Omani-iranische Verhandlung ist nachrangig und wird davon abhängig sein, was auf der anderen, auf der großen politischen Weltbühne passiert.“
