Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich aufgehellt, der ifo-Geschäftsklimaindex steigt. Der Kabelhersteller Lapp aus Stuttgart spürt das ebenfalls. Erfolgreich ist das Unternehmen mit einer Abkehr von seinen Wurzeln.
Sie sind unverzichtbar für viele Zukunftsbranchen: Mit Kabeln beliefert das Stuttgarter Familienunternehmen Lapp Kunden rund um E-Mobilität, Erneuerbare Energien und Robotik. Für Lapp sieht die Rechnung so aus: „Die Welt transportiert immer mehr Energie und immer mehr Daten. Lapp liefert dafür die passenden Verbindungslösungen.“ Kurzum: Der Hersteller trifft mit seinen Produkten gerade einen Nerv.
Und doch hätte das Unternehmen stellenweise noch mehr Kapazität: Während die europäischen Werke von Lapp ordentlich ausgelastet seien, gebe es anderswo noch Kapazität. Lapp fertigt an 27 internationalen Standorten – unter anderem in Werken in den USA und Indien. „Wir sind optimistisch, die Auslastung in den kommenden drei Monaten weiter zu erhöhen“, so das Unternehmen.
Damit geht es Lapp wie vielen anderen deutschen Firmen. Der ifo-Geschäftsklimaindex für den August ergab: Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich weiter verbessert. Das sogenannte ifo-Geschäftsklima stieg demnach um 2,1 Punkte auf 88,8 Punkte, wie das Münchner Forschungsinstitut mitteilte. Es befragt monatlich etwa 9.000 Unternehmen. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer zeigt damit den vierten Monat in Folge nach oben.
Die Auftragslage hat sich etwas verbessert
Lapp blickt vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Dem SWR teilt das Unternehmen mit: „Nach einer langen Schwächephase sehen wir erste positive Signale. Das ist noch kein Aufschwung, aber es könnte der Beginn einer schrittweisen Erholung sein.“
Die Unternehmensführung macht das etwa an einer leichten Verbesserung der Auftragslage fest – für Euphorie sei es dennoch zu früh. „Wir spüren die Auswirkungen vieler Krisen“, heißt es von Lapp weiter. Insbesondere der anhaltende Konflikt im Nahen Osten sorgt demnach für hohe Rohstoff- und Transportkosten. „Kurzfristig sind unsere größte Sorge die Energiepreise. Diese haben direkten Einfluss auf unsere Kosten und unsere Wettbewerbsfähigkeit.“ Langfristig seien die größten Sorgen die Bürokratie und das dadurch verursachte Investitionsklima.
Dennoch hat das Unternehmen in Ludwigsburg ein großes Logistik- und Dienstleistungszentrum für einen „hohen zweistelligen Millionenbetrag“ gebaut. Dabei handelt es sich nach Angaben von Lapp um die größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte – und damit auch um ein Bekenntnis zum Standort Deutschland.
An dem will Lapp – trotz aller Herausforderungen – weiter festhalten. Schließlich ist Deutschland der größte Markt für das Unternehmen. Zur Begründung heißt es von Lapp: „Neben allen Herausforderungen dürfen wir Deutschlands Stärken nicht vergessen. Zum Beispiel unseren starken industriellen Mittelstand, unser gutes Bildungssystem, die Verzahnung von Spitzenforschung und Wirtschaft und unsere geografische Lage im Herzen Europas.“
„Echte, tiefgreifende Reformen“
Damit das so bleibt, fordert das Unternehmen „echte, tiefgreifende Reformen“. Die Regierenden müssten „die großen Themen angehen und die dicken Bretter bohren“. Und im Zweifel auch: sich mal „politisch unbeliebt machen, um das Richtige zu tun“.
Für Lapp sind drei Dinge besonders wichtig: wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger Bürokratie und eine Entlastung bei den Sozialabgaben.
„Für uns bei Lapp stehen der Standort Deutschland und unser Heimatmarkt nicht zur Debatte – wir sind hier und wir bleiben hier.“
Der Konjukturexperte Sebastian Wanke von KfW Research erkennt aktuell auch eine gewisse Resilienz der Unternehmen im Land. Er erklärt: „Damit zeigt die deutsche Wirtschaft eine kaum für möglich gehaltene Widerstandsfähigkeit gegenüber allen immer wieder zitierten Widrigkeiten, unter ihnen der Iran-Krieg und zuletzt auch das Niedrigwasser des Rheins.“
Fokus auf Zukunftsbranchen als Erfolgsrezept?
Der Erfolg von Lapp hat stark auch damit zu tun, dass die Geschäftsfelder Automatisierung und Robotik boomen, wo Lapps Kabel gebraucht werden. Diesen Trend bestätigt auch der ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe: „Digitalisierung und KI-Boom helfen der deutschen Wirtschaft.“ Für den Bau von Rechenzentren für die boomende Künstliche Intelligenz ist laut Wohlrabe in vielen Bereichen deutsche Technik gefragt.
Lapp hat auf die Trends reagiert, den Fokus auf Zukunftsbranchen gelegt – und sich wegbewegt von den eigenen Wurzeln: dem Maschinen- und Anlagenbau. Diese Branche steht in Deutschland und Europa laut Lapp unter Druck.
Und noch einen Punkt nennt das Unternehmen. Man versuche bei Lapp, Problemen wie dem Fachkräftemangel selbst entgegenzuwirken. Etwa, indem man konsequent an Ausbildung und dualem Studium festhalte: „So haben wir allein im letzten Jahr über 30 Auszubildende und dual Studierende bei Lapp begrüßt.“ Dabei setze man auf zukunftsweisende Ausbildungsfelder wie Informatik mit Fokus Künstlicher Intelligenz. Eine Strategie, mit der Lapp bislang gut zu fahren scheint.

