Nachruf
Dolly Parton war unerschrocken und hatte einen eisernen Willen. Sie begeisterte Generationen – und setzte sich auch immer wieder für soziale Belange ein. Im Alter von 80 Jahren ist die Country-Sängerin gestorben.
Es ist Dolly Partons Neffe Bryan Seaver, der ihren Tod mitteilt, im Namen der Familie, in einem Video. Dolly wollte es so, sagt er. „Durch ihr Vorbild glaubten wir, dass alles möglich war. Es gab keine Tür, die sie nicht öffnen konnte, und die Türen, die sie öffnete, schrieben Geschichte und veränderten diese.“ Dolly sei ein Farmer gewesen, wie ihr Vater. „Er bestellte den Boden, sie schuf Lieder und Glück“, so Seaver.
Dolly Parton wächst in Armut auf, in Tennessee, mit elf Geschwistern. Ihr Vater ist Tabakbauer. Mit sechs schreibt sie ihren ersten Song, mit acht bekommt sie eine Gitarre geschenkt. Ihre Mutter ermuntert sie, zu singen.
Nach der High School geht Parton nach Nashville, der Hauptstadt der Country Music. Ein gewisser Johnny Cash hatte ihr den Mut dazu gemacht. „Ich habe von Anfang an an mein Talent geglaubt“, so Parton. „Dass ich in Nashville was zu verkaufen habe, dass meine Songs gut waren – und dass ich als Sängerin gut genug war, um es zu schaffen.“
„I Will Always Love You“ als ein Lebewohl
Der Country-Star Porter Wagoner nimmt sie unter seine Fittiche. Über mehrere Jahre lang tritt sie in seiner Fernsehshow auf. Mit 14 gemeinsamen Duetten schaffen es die beiden in die Top Ten. Als Parton beschließt, ihren eigenen beruflichen Weg zu gehen, schreibt sie den Song „I Will Always Love You“ als ein Lebewohl an Wagoner.
Gleich am Tag ihrer Ankunft in Nashville trifft Parton, damals 18, durch Zufall Carl Dean, 21, vor einem Waschsalon. Dean, ein Bauunternehmer, wird zur Liebe ihres Lebens und zu ihrer Muse und inspiriert sie zu zahlreichen Songs. Doch dem Rampenlicht bleibt Dean immer fern, an Partons Seite ist er öffentlich nur sehr selten zu sehen. Fast 59 Jahre lang sind die beiden verheiratet, bis zu seinem Tod im Frühjahr vergangenen Jahres.
„Ein bisschen aufgetakelt natürlich“
Ich gelingt ein schneller Aufstieg in der Country-Musik-Szene, damals eine Männerdomäne mit einem Schuss Sexismus. Parton ist selbstbewusst, unerschrocken und hat einen eisernen Willen zum Erfolg. „Ich habe immer gesagt, ich sehe zwar aus wie eine Frau, kann aber auch wie ein Mann denken. Deshalb habe ich mich nicht einschüchtern lassen“, erzählt Parton. „Ich war ein ziemlich hübsches Mädchen – na ja, ein bisschen aufgetakelt natürlich, aber das habe ich mir zunutze gemacht.“
Partons Bühnenpersönlichkeit mit dem grellen Make-up, den wasserstoffblonden Haaren, den schrillen Outfits, der Sanduhrfigur – alles eine bewusst getroffene Geschäftsentscheidung. „Ich beschloss, etwas zu tun, das zumindest Aufmerksamkeit erregen würde. Sobald die Leute den Schock über mein lächerliches Aussehen überwunden hätten, würden sie sehen, dass es eine Seite an mir gibt, die man schätzen kann. Ich bin sehr authentisch, wo es darauf ankommt, und zwar innerlich.“
Menschen Mut machen
Parton eröffnet Restaurants und „Dollywood“, einen Vergnügungspark, gründet Produktionsfirmen und startet einen Radiosender. Sie arbeitet auch als Schauspielerin, zum Beispiel im Film „9 to 5“, für den sie den Titelsong schreibt. Er bringt ihr eine Oscar-Nominierung ein.
Aus der Politik hält sich Parton raus, sie wolle nur Entertainerin sein. Was sie zu sagen habe, finde sich in ihren Songs. „Ich versuche nur, das Leben ein wenig besser zu machen – und Menschen Mut zu machen“, betont Parton. „Das ist das, was sie in meinen Songs finden. Es geht um Liebe und gegenseitige Akzeptanz und darum, Menschen Mut zu machen.“ Schwule, Lesben, queere Menschen verehren sie dafür.
Kaum ein Amerikaner, der keine persönliche Beziehung zu Parton und ihrer Musik hat. Ihr ganzes Leben lang engagiert sie sich sozial. Sie betreibt ein Leseförderprogramm, das im Laufe der Zeit mehr als 300 Millionen kostenlose Bücher an Kinder verteilt. Und sie unterstützt die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs.
Etwa 3.000 Songs schreibt Dolly Parton, 450 nimmt sie auf. Unter dem Strich, so schreibt sie, seien die Lieder ihr Vermächtnis. „Ich hoffe, man wird mich als guten Songwriter in Erinnerung behalten.“

