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Startseite»Politik»Iran: Sechs Monate Krieg und kein Ende in Sicht
Politik

Iran: Sechs Monate Krieg und kein Ende in Sicht

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 28, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 28.08.2026 • 04:38 Uhr

US-Präsident Trump und Israels Premier Netanjahu hatten auf einen Durchmarsch gesetzt, als sie am 28. Februar das Luftbombardement Irans starteten. Es kam anders – und bis heute ist der Konflikt ungelöst.

Von Tina Fuchs, ARD Istanbul

Der iranische, regimenahe Kolumnist Nadar Karimi zieht eine klare Bilanz des US-israelischen Angriffs auf sein Land: „Aus meiner Sicht ist der große Erfolg Irans, dass die benachbarten Golfstaaten erkannt haben, dass Iran nicht leicht ausgeschaltet oder zum Zusammenbruch gebracht werden kann. Vor dem Krieg war das nicht so.“

Immerhin hätten die Supermacht USA, zusammen mit Israel, das über die stärksten Streitkräfte in der Region verfüge, Iran nicht zerstören können, ergänzt er.

Regimewechsel ja – nur in die falsche Richtung

Schon früh nach den ersten Angriffen Ende Februar, die völkerrechtlich zumeist als nicht legitim angesehen wurden, stellten Kritiker die Frage nach dem Ziel des Angriffs auf Iran. Ging es den USA um die Dezimierung des iranischen Atomprogramms, um die Ausschaltung militärischer Kapazitäten, oder ging es darum, einen Regimewechsel herbeizuführen?

Zudem wurde deutlich, dass Israel militärisch weiter gehen wollte als der amerikanische Partner. Der türkische Politologe Karabekir Akkoyunlu erklärt: „Aus politischer Sicht hat es tatsächlich einen Regimewechsel gegeben, aber genau in eine andere Richtung, als Washington und möglicherweise Israel es wollten.“

Eine Clique viel extremerer Hardliner sei an die Macht gekommen, so Akkoyunlu, der an der Universität Oxford forscht. Eine, die den letzten Ayatollah Chamenei irgendwann als eher gemäßigt und pragmatisch aussehen lassen werde.

Milizengruppen weiterhin an der Seite Irans

Dabei waren noch unter seiner Führung die Proteste im Januar mit brutaler Gewalt niedergeschlagen worden. Laut den Vereinten Nationen wurden tausende Demonstranten getötet, noch sehr viel mehr verletzt.

Nach außen hat sich die seit Jahrzehnten eingeübte Strategie des Überlebens gegen wirtschaftliche Sanktionen und politische Isolation bewährt. Dabei spielten auch die von Iran unterstützten Milizen – die Huthi im Jemen, die Hisbollah im Libanon, die Milizen im Irak – eine wichtige Rolle.

Karimi war in der Vergangenheit Mitglied der Revolutionsgarden, jetzt ist er Kolumnist und unterstützt Präsident Peseschkian. Aus seiner Sicht hat der Krieg nicht zur Schwächung der von Iran unterstützten Terrorgruppen geführt, im Gegenteil.

„Die Gruppen im Jemen, Libanon und Irak stehen weiter hinter Iran. Ihre Unterstützung hat nicht nachgelassen, sie ist stärker geworden und sie hegen ein Gefühl der Nostalgie gegenüber Iran“, so Karimi. Dabei gesteht er ein, dass sie „den Libanon verloren“ hätten, wie er sich ausdrückt.

Straße von Hormus als Druckmittel

Die Vergeltungsangriffe Irans zielten auf US-Militärbasen in der Golfregion und auf Israel, aber Teheran weitete den Raketenbeschuss auch auf Golfstaaten aus: die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain, Katar, Jordanien, Irak. Doch die arabischen Nachbarstaaten hielten still, sie wollten nicht in den Krieg hineingezogen werden.

Mit der Blockade der Straße von Hormus, dem wichtigen Transportweg für Öl aus dem Golf in die Welt, aber hat Iran einen Hebel, der die ganze Weltwirtschaft unter Druck setzt – und nicht nur die USA erpressbar macht, sondern auch die erdölreichen Nachbarn.

Der Nahe Osten sucht neue Allianzen

Die Staaten im Nahen Osten suchten sich neue Allianzen, denn die USA haben aus ihrer Sicht ihre Position als Stabilitätsgarant eingebüßt. Da ist einmal das sogenannte Mekka-Bündnis: Saudi-Arabien, Türkei und Pakistan.

Und laut Politologe Akkoyunlu könnte ein älteres Bündnis aus den Emiraten, Israel und Indien wieder aufleben: „Die Einbeziehung von Indien und Pakistan könnte möglicherweise die Brücke nach Asien bilden, vielleicht China mit einbeziehen.“ Diese beiden Blöcke stünden auch für neue Energie- und Handelswege. „Aber: All diese Länder sind auch amerikanische Verbündete oder haben auch eine gute Verbindung nach Washington.“ Das könne sich auch zum Vorteil der USA entwickeln, meint der Politologe.

Um dauerhaften Frieden in der Region zu erzielen, müssten nicht nur alle regionalen Akteure – Iran, Israel, die Golfstaaten – einer umfassenden Vereinbarung zustimmen, auch die USA müssten einen verlässlichen Kurs einschlagen. Und es brauche einen weiteren starken Unterstützer für den Friedensprozess: China. Ohne das, sagt Akkoyunlu, werden Unsicherheit, wiederkehrende Angriffe und Instabilität in den nächsten Jahren die Norm bleiben.

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